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Wer den ersten Tag der Schenna e.motion 2026 miterlebt hat, weiß bereits, was das Format ausmacht: keine Rennstrecke, kein Zeitdruck, kein Fahrzeugvergleich. Stattdessen 68 gemütliche Kilometer durch Südtirols Weinstraße, ein Sektbunker mit 200.000 lagernden Flaschen, eine Podiumsdiskussion zur Geschichte der Elektromobilität und vier Fun-Prüfungen, die mehr mit Geschick und Aufmerksamkeit zu tun haben als mit PS. Der zweite Tag setzt diesen Gedanken fort, steigert ihn aber in jeder Hinsicht: mehr Strecke, mehr Höhe, mehr Tiefe.
Die Schenna e.motion ist eine dreitägige Elektro-Genussfahrt, die wir bereits 2025 erleben durften, 2026 erneut organisiert vom Tourismusverein Schenna rund um Stefan Kaserbacher, Manfred Preiss und Tanja Egger. Das Ziel dahinter ist so einfach wie wirkungsvoll: Es soll erlebbar werden, dass Elektroautos funktionieren, gerade in den Bergen, gerade auf Pässen, gerade dort, wo viele noch zweifeln. Tag zwei liefert dafür das stärkste Argument des gesamten Programms.
Laas, Lichtschranken und das Gespür für elf Meter
Die Königsetappe beginnt früh. Um 8:15 Uhr ist Treffpunkt auf dem Raiffeisenplatz in Schenna, um 8:30 Uhr rollt das Feld los. Rund 200 Kilometer liegen vor der Gruppe: über Meran, durch den Thermentunnel, über die Theaterbrücke und das Vinschgauer Stadttor in Richtung Naturns und weiter ins Vinschgau. Die Route führt nach Laas, hinauf zum Stilfserjoch, über den Umbrailpass in die Schweiz und zurück nach Südtirol zur Hofkäserei Englhorn in Schleis. Ein langer Tag, der fahrerisch wie landschaftlich einiges verlangt.

Im Marmordorf Laas wartet gleich zu Beginn die erste Herausforderung. Am Bahnhof gilt es, das E-Auto auf exakt elf Meter rollen zu lassen, gemessen an der vorderen Radnabe. Klingt nach einer Kleinigkeit, zeigt in der Praxis aber, wie schwer es ist, die eigene Fahrzeuglänge ohne Hilfsmittel einzuschätzen. Selbst, wenn man mit diesem schon einige hundert Kilometer bis zu diesem Zeitpunkt zurückgelegt hat.
Wenige Meter weiter folgt die erste Gleichmäßigkeitsprüfung des Tages: 600 Meter in 1 Minute und 48 Sekunden, rechnerisch entspricht das einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 km/h. Die Zeitnahme erfolgt per Lichtschranke auf Hundertstelsekunden genau, ein Strafpunkt je Hundertstelsekunde Abweichung.

Durchaus machbar, wenn man einen Blick auf die Uhr riskiert und abschätzt, wie schnell das eigene Fahrzeug die letzten Meter überbrückt. Gefühl im Strom gebenden Fuß ist dennoch gefragt, wenn man die Strafpunkte auf ein Minimum begrenzen möchte. Rückblickend am Ende des Wettbewerbs war diese Fun-Prüfung eine der die wir nahezu perfekt gemeistert haben. Über die vorherige 11-Meter-Prüfung verlieren wir lieber kein Wort.
Kaffeepause bei einer Skifahrerlegende
Weiter geht es in Richtung Stilfserjoch. In Spondinig nimmt die Gruppe die Ausfahrt Richtung Prad am Stilfserjoch und folgt dem Straßenverlauf hinauf nach Trafoi, wo ein Kaffeestopp im Hotel Bellavista eingeplant ist. Das Haus ist eng mit dem Namen Gustav Thöni verbunden, dem wohl bekanntesten Skifahrer, den Südtirol je hervorgebracht hat. An diesem Tag ist er nicht persönlich vor Ort, der Stopp bleibt ein thematischer. Doch der Ort setzt den richtigen Rahmen: Das Bellavista liegt direkt am Beginn der Auffahrt, mit freiem Blick auf die ersten Kehren des Stilfserjochs.

Hier beginnt auch die dritte Prüfung des Tages, die erst auf der Passhöhe endet. Und keine Sorge, auch hier steht kein Rennen bevor. Gefragt ist, wie viel Akkukapazität auf der Auffahrt vom Hotel bis zum Gipfel verbraucht wird. Rund 15 Kilometer, über 1000 Höhenmeter, 45 Kehren. Die Schätzungen im Feld gehen weit auseinander, was wenig überrascht. Was die tatsächlichen Werte zeigen, illustriert vor allem eines: wie schwer der Energiebedarf eines E-Autos auf einer solchen Strecke vorab einzuschätzen ist, vor allem wenn man die Strecke nicht kennt.

Die Auffahrt findet bei wechselhaftem Wetter statt. Regen und Nebel begleiten die Gruppe auf weiten Teilen des Anstiegs, Schnee bleibt aus, die Strecke ist durchgehend befahrbar. Was das Stilfserjoch unter diesen Bedingungen dennoch bietet, ist eindrücklich: enge Kehren, steile Abschnitte, weite Ausblicke, die sich immer wieder kurz zwischen den Wolkenfetzen öffnen.

Und Gegenverkehr, der das Ganze noch ein wenig spannender macht. Bedingt aber durchaus weniger, als man sicherlich an einem sonnigen Tag mit hätte rechnen müssen. Oben, auf 2757 Metern, wartet die Tibethütte mit Mittagsstopp und Panoramablick auf den König Ortler.
Über die Schweiz zurück nach Südtirol zu Kälbern und Käse
Nach dem Mittag führt die Route weiter über den Umbrailpass in die Schweiz, nach Santa Maria im Münstertal. Über Taufers im Münstertal und Laatsch geht es zurück auf italienisches Staatsgebiet, weiter in Richtung Mals und schließlich nach Schleis, wo die Hofkäserei Englhorn liegt. Angekommen mit mehr Reichweite im Akku als beim Start an der Tibethütte. Rekuperation sei Dank.

Alexander, der Betreiber der Käserei, hat seinen Hof über zwei Jahrzehnte grundlegend umgebaut. Als er vor rund zwanzig Jahren zurückkehrte, war der Betrieb ein intensiver Milchviehbetrieb. Um das Jahr 2000 begann die Umstellung auf biologische Landwirtschaft. Das Zufüttern wurde schrittweise reduziert, die Tierhaltung auf eine standortangepasste Rasse umgestellt: das alte Braunvieh, eine Rasse, die sich den Bedingungen vor Ort über Generationen angepasst hat. Seit vier Jahren kommt kein zugekauftes Futter mehr auf den Hof, zehn Hektar eigenes Land versorgen die gesamte Herde. Nachhaltigkeit, mal ganz anders versinnbildlicht.

Die niedrigere Milchleistung pro Tier, die diese Entscheidung mit sich bringt, ist für Alexander kein Problem, sondern Kalkül. Die Tiere leben länger und bleiben damit länger im Betrieb. Ziel ist, die größtmögliche Menge hochwertiger Milch aus dem zu gewinnen, was auf eigenem Land wächst. Dafür hat Alexander die Kalbung auf Januar und Februar konzentriert, was ihm erlaubt, die Kühe im Sommer für drei Monate auf die Alm zu geben. Pro Kuh wird eine Pauschale an den betreuenden Betrieb gezahlt, im Gegenzug erhält er Käse und Butter entsprechend der erbrachten Milchleistung zurück. Eine Konstruktion, die Zeit für die Familie schafft und gleichzeitig den Blick über den eigenen Betrieb hinaus öffnet.
Die Käseverarbeitung begann 2003 im eigenen Haus. 2012 kaufte Alexander das Nachbargebäude hinzu, eine ehemalige Dorfkäserei, die zur Ruine verfallen war. Den Wiederaufbau finanzierte er unter anderem durch den Vorverkauf von Käse. In der neuen Käserei wird bewusst auf Pumpen beim Milchtransport verzichtet, um die Qualität des Ausgangsprodukts nicht zu gefährden. Die oberen Stockwerke des Hauses verkaufte er für Jahre im Voraus und fand nach eigener Aussage binnen drei Wochen jemanden, der bereit war, fünfzehn Jahre Miete auf einmal zu zahlen.

Schnell wird klar, dass es bei dieser Hofführung um mehr als Käse geht. Den ständigen Vergleich mit anderen Betrieben meidet Alexander bewusst, er sieht darin eine Quelle von Stress, die den eigenen Weg verstellt. Seine Kinder zieht er nicht aktiv ins Geschäft hinein, sondern möchte ihnen die Möglichkeit geben, ihren eigenen Weg zu finden. Hier ließ sich einiges über das Thema Nachhaltigkeit lernen. Auf verschiedensten Ebenen.
Gestärkt durch eine letzte Käsekostprobe geht es zurück ins E-Auto, Richtung Latsch. Dort wartet die abschließende Prüfung des Tages: 100 Meter in 24 Sekunden bei einer Zielgeschwindigkeit von 15 km/h. Bei Starkregen nicht ganz so einfach, aber durchaus schaffbar. Am Ende bleibt der Ausblick auf Tag drei. Dieser führt die Gruppe auf das Rittner Hochplateau, vorbei an den Dolomiten und durch die Caroma Kaffeerösterei, bevor die Schenna e.motion 2026 mit dem Abschlussabend im Florerhof ihren Ausklang findet. Was der letzte Tag bereithält, folgt in Kürze.
Das Sonnenparadies, Schenna: Rückzugsort für Erwachsene
Wer es etwas ruhiger und zurückgezogener mag, findet im Sonnenparadies eine passende Alternative. Das Erwachsenenhotel der Familie Pichler-Hütter liegt ein wenig außerhalb von Schenna, abseits des Zentrumstrubels, und genau das ist sein größter Vorteil: Ankommen, abschalten, den Tag ausklingen lassen. Nach einer langen Etappe wie der Stilfserjoch-Überquerung ist das kein schlechter Gedanke.

Der Spa-Bereich ist großzügig angelegt und gehört zu den klaren Stärken des Hauses. Die Saunalandschaft mit Panoramafenstern gibt den Blick ins Tal frei, die täglichen Aufgüsse sind nach Aussage vieler Gäste ein eigenes Highlight. Wer nach einem langen Tag auf der Straße die Beine hochlegen möchte, findet hier den richtigen Rahmen. Das Frühstücksbuffet ist reichhaltig und abwechslungsreich, mit einer Auswahl, bei der man sich direkt wünscht, noch einmal aufwachen zu können. Abends wird in fünf Gängen aufgetischt: frisch, kreativ und regional, was man in dieser Form nicht überall bekommt.

Das Personal agiert durchgehend freundlich und zuvorkommend, in allen Belangen hilfsbereit, ohne aufdringlich zu sein. Man merkt, dass Gastfreundschaft hier nicht verwaltet, sondern gelebt wird. Das Sonnenparadies ist die zweite von drei Unterkunftsempfehlungen im Rahmen unserer Schenna e.motion-Berichterstattung. Abgerechnet wird die kWh mit 0,60 Euro, denn bekanntermaßen muss auch das E-Auto seinen Akku wieder füllen.
Quelle: Elektroauto-News – Recherche vor Ort im Mai 2026









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