Renault setzt auf Elektro-Kleinwagen und Partnerschaften

Renault setzt auf Elektro-Kleinwagen und Partnerschaften
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Laura Horst
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Fabrice Cambolive ist nicht nur Renault-Markenchef, sondern in seiner Rolle als Chief Growth Officer im Vorstand des Konzerns für das Wachstum zuständig. Mit dem Magazin Business Insider hat er über die Rückkehr der Modelle R4 und R5 als Elektroautos gesprochen, welche Rolle sie auf dem europäischen Markt spielen und weshalb der Konzern verstärkt auf globale Partnerschaften setzt.

Mit dem R4 und dem R5 kehrten zwei Retro-Modelle als Elektroautos zurück, deren Produktion einst in den 1990er-Jahren eingestellt wurde. „Das ist nicht Retro, sondern zeigt Stolz auf unsere Historie“, erklärte Cambolive. Der R5 sei in den 1970ern mit seinem niedrigen Verbrauch die Antwort auf die damaligen Marktumwälzungen mit der bevorstehenden Ölkrise gewesen. „Wir knüpfen an dieses Erbe an, um den E-Automarkt neu zu ordnen. Und warum sollten wir für die Rückkehr ins Kleinwagen-Segment nicht die Aufmerksamkeit, Bekanntheit und Emotion nutzen, die wir mit den Marken Clio und Twingo aufgebaut haben?“, ergänzte der Markenchef.

Fokus auf Elektro-Kleinwagen in Europa

In Europa setzt Renault auf Elektro-Kleinwagen, um seine Position zu stärken. Nach Ansicht des Markenchefs tragen die kompakten Autos dazu bei, Elektromobilität konkurrenzfähig zu machen, was sowohl für die Betriebskosten als auch für den Anschaffungspreis gelte. „Ein Beispiel ist der R5: Wir sind zunächst mit einem Modell mit einer teuren, großen Batterie gestartet. Jetzt bringen wir ein Modell mit kleinerer Reichweite, aber einem Preis unter 25.000 Euro“, sagte Cambolive.

Die neue Kaufprämie für Elektroautos in Deutschland begrüßt der CEO, da sie die Nachfrage ankurble und Elektroautos bezahlbarer mache. „Nach dem Schlingerkurs der deutschen Politik in den vergangenen Jahren ist diese Klarheit über die Prämie eine sehr gute Nachricht für uns“, sagte er und verwies zugleich aber auch darauf, dass der deutsche Markt im Bereich der Elektro-Kleinwagen in 2025 auch ohne Prämie gewachsen ist.

Filante als künftiges Flaggschiff der Marke

Während die französische Marke in Europa mit Kleinwagen punkten will, soll das brandneue Spitzenmodell Filante hier nicht eingeführt werden. Das Crossover-Modell, das derzeit in Südkorea gebaut wird, ist mit 4,90 Metern laut Cambolive das längste Auto, das die französische Marke seit dem Zweiten Weltkrieg gebaut hat. Angeboten werden soll das Flaggschiff in mehr als 20 Ländern, vom Nahen Osten bis Südamerika. In Europa müssen sich die Kunden indessen mit den drei größeren Hybridautos Rafale, Espace und Austral begnügen, die zumindest alle erst seit weniger als vier Jahren auf dem europäischen Markt sind. „2026 wird für uns auch hier ein Wachstumsjahr“, betonte der Markenchef und bekräftigte, dass die Marke sich nicht vom hiesigen Automarkt abwendet.

Im Hinblick auf die globalen Märkte ist Renault wählerisch. „Es geht darum, verlässlich die richtigen Märkte und dort jeweils die richtige Größe zu finden. Das müssen nicht unbedingt diejenigen Länder sein, die als die klassischen Auto-Standorte gelten“, sagte der CEO. Während andere Autobauer in China und den USA derzeit zu kämpfen haben, ist Renault dort überhaupt nicht aktiv. Dennoch sei man im weltweiten Marken-Ranking zuletzt um zwei Plätze auf den 13. Platz gestiegen.

Mit geringeren Stückzahlen profitabel bleiben

Das Unternehmen müsse so agil sein, dass es auch mit deutlich geringeren Stückzahlen profitabel bleibe. „Wir spielen ein anderes Spiel als die Großen“, erklärte der CEO, und ergänzte: „Denn wenn wir verlässlich zusagen können, irgendwo 100.000 Autos im Jahr zu produzieren, dann folgen uns unsere Zulieferer an diesen Standort – und wir bauen so eigene Auto-Hochburgen auf.“

Zu Renaults wichtigsten Märkten gehören Brasilien, Indien, Korea, Marokko und die Türkei. Marokko und die Türkei seien seit Jahrzehnten Partnerländer, in denen die Marke nicht nur für den Export in den Nahen Osten produziert, sondern zugleich Marktführer ist. Angesichts des schnellen Wachstums will der Autobauer in Brasilien und Indien dasselbe Level wie beim Europageschäft erreichen. „Und wir investieren dort in die lokale Produktion, um auch in die Nachbarländer zu liefern. In Indien und Korea produzieren wir für Asien, in Brasilien für Lateinamerika“, sagte Cambolive.

Globale Lage erfordert Flexibilität

Angesichts der globalen Unsicherheiten, die in Südamerika vor allem durch die jüngste Intervention des US-Präsidenten in Venezuela drohen, ist aus Sicht des Markenchefs ein striktes Risikomanagement essenziell, etwa durch geringstmögliche Fixkosten, das richtige Level an lokaler Produktion und maximale Flexibilität in den Fabriken. Zudem sollte man nicht ausschließlich auf die Binnennachfrage angewiesen sein, sondern auch aus den Ländern exportieren.

Unterschiedliche Regulierung und Zölle erforderten zudem Flexibilität bei der Produktion. Dabei stützt Renault sich auf sein Netzwerk von Partnern. „Der chinesische Konzern Geely beispielsweise ist ein wichtiger Partner. In Brasilien nutzen wir unsere eigenen Entwicklungs- und Produktionskapazitäten, um neue Modelle nicht nur für die Marke Renault, sondern auch für Geely zu bauen, die beide über unser brasilianisches Händlernetz vertrieben werden. Unser chinesischer Partner steuert im Gegenzug seine Elektro-Plattform bei“, sagte Cambolive.

Gemeinsam mit Geely und Aramco hat Renault zudem das Unternehmen Horse Powertrain gegründet, während der Autobauer in Europa mit Ford und Nissan zusammenarbeitet. Letzterer wird in Europa den Micra auf der R5-Plattform der Franzosen bauen, nutzt aber auch die indischen Produktionsstandorte von Renault.

Produktion in Europa als Herausforderung

„Für uns alle ist die Produktion in Europa eine Herausforderung“, erklärte Cambolive. Um Kosten zu senken, müsse man agiler und schneller werden, wobei man auf internationale Entwicklungszentren zurückgreife. Der Markenchef nennt als Beispiel den neuen Twingo E-Tech, der innerhalb von nur 21 Monaten entwickelt worden sei. „Allein in Europa wäre es sicherlich nicht so schnell gegangen wie mit den Entwicklern in China“, äußerte der CEO.

Mit dem R5, der in Nordfrankreich gebaut wird, zeige Renault wiederum, dass Europas Industrie wettbewerbsfähig sein kann. „Darauf können wir stolz sein“, sagte Cambolive. Höhere Produktionsmengen tragen laut dem Markenchef ebenfalls zur Rentabilität bei, weshalb man Nissan und Ford in den europäischen Werken willkommen heiße.

Quelle: Business Insider – Renault-Chef Cambolive über die Rückkehr der R4 und R5 als Elektroautos: „Es geht uns nicht um pure Nostalgie“

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