Wie viel Reichweite E-Autos auf Langstrecke im Winter einbüßen

Wie viel Reichweite E-Autos auf Langstrecke im Winter einbüßen
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ADAC

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 4 min

Elektromobilität kommt auf der Langstrecke voran, doch die kalte Jahreszeit bleibt eine Herausforderung. Nachdem sich im letzten Winter die jeweils reichweitenstärksten Modelle der Hersteller beweisen mussten, waren im aktuellen ADAC Test 14 familienfreundliche Elektroautos an der Reihe. Diese zeigten, dass viele Modelle auch längere Autobahnfahrten bei Kälte gut meistern, allerdings mit teils deutlichen Unterschieden bei Reichweite, Verbrauch und Ladegeschwindigkeit.

Klarer Testsieger ist der Audi A6 Avant e-tron performance (Note 1,9). Im Test kommt er nach 3 Stunden und 49 min Fahrzeit 441 Kilometer weit und erreicht einen relativ niedrigen Verbrauch von 23,2 kWh auf 100 Kilometer. Für die komplette Strecke von München nach Berlin (582 km) ist also ein Ladestopp erforderlich. Durch das 800-Volt-System lädt der Audi 300 Kilometer in 20 Minuten nach und erreicht damit Bestwerte in erzielter und nachgeladener Reichweite. Nur das Tesla Model Y (Note 2,5) kann den Audi in Sachen Verbrauch schlagen, es verbraucht trotz Allradantrieb und SUV Form nur 22,2 kWh/100 km und belegt damit den zweiten Platz. Dicht dahinter folgen der Volkswagen ID.7 Tourer Pro (Note 2,7) und der Smart #5 Premium (Note 2,9).

Für die simulierte Strecke München – Berlin sind mit den meisten der Familien-Elektroautos im Test zwei Ladestopps nötig. Nur zwei Modelle – der Audi A6 Avant e-tron und der Smart #5 – schaffen es mit einem einzigen 20-minütigen Ladestopp ans Ziel. Bei vielen Modellen reicht jedoch ein kürzerer zweiter Stopp aus, um die Reststrecke zu bewältigen.

Insgesamt zeigt der ADAC Test, dass Elektroautos zunehmend winter- und langstreckentauglich sind, aber es bleiben deutliche Unterschiede zu erkennen. Während immer mehr Fahrzeuge mit 800-Volt-Technik ausgerüstet sind und damit sehr hohe Ladeleistungen von mehr als 200 kW abrufen können, liegen andere Modelle teils deutlich darunter. Fahrzeuge mit guter Effizienz können Lade-Nachteile teilweise kompensieren. Im Test zeigen Tesla und Volkswagen, was auch mit einer 400-Volt-Architektur noch möglich ist.

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Im Gegensatz zum vergangenen Reichweitentest sind im diesjährigen Vergleich die teuersten Fahrzeuge nicht unbedingt die reichweitenstärksten. Der Audi liegt zwar mit 77.250 Euro im oberen Preisbereich, die darauffolgenden drei Modelle von Tesla, Volkswagen und Smart kosten zwischen 50.900 Euro und 54.905 Euro und können somit mit ihrer Preis-Leistung punkten.

Volvo und BYD können nicht überzeugen

Der teuerste Testwagen, der Volvo EX90 Twin Motor AWD, kostet 91.700 Euro und belegt nur den vorletzten Platz in der Gesamtwertung. Er fällt durch einen hohen Verbrauch von 31,6 kWh/100 km auf, kommt aber dank seiner 107-kWh-Batterie immerhin noch 360 Kilometer weit. Am schlechtesten schneidet der BYD Sealion 7 Excellence AWD ab. Trotz 91,3 kWh großer Batterie bleibt er mit 293 Kilometern Reichweite als einziges Fahrzeug unter der 300-Kilometer-Marke. Der sehr hohe Verbrauch von über 35 kWh/100 km zeigt deutlichen Optimierungsbedarf bei winterlichen Bedingungen.

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Wie bereits im letzten Test zeigt auch dieser, dass insbesondere im Winter die Werte der WLTP-Reichweitenangaben fernab der realen Reichweite liegen. Während die WLTP-Werte bei 23° C und einem moderaten Fahrprofil gemessen werden, lag der Mehrverbrauch im Winter-Langstreckentest bei 0° C und Autobahntempo durchschnittlich 57 Prozent über der WLTP-Angabe. Am stärksten weicht der Hyundai Ioniq 5 ab (69 Prozent), die geringste Abweichung wurde mit 40 Prozent beim Tesla Model Y festgestellt. Zwar bieten viele Hersteller Reichweitenrechner auf ihren Webseiten an, aber der ADAC fordert, nicht nur WLTP-Reichweiten sondern aktiv auch realistische Winterreichweiten bei Autobahnfahrten anzugeben.

Zur Methodik der Tests

Getestet wurden die reichweitenstärksten Elektroautos von 14 verschiedenen Marken mit einer WLTP-Reichweite von mindestens 500 Kilometern und einem Neupreis unter 100.000 Euro. Voraussetzung war zudem, dass die Fahrzeuge in der Kategorie „Familie“ des ADAC Autotests mindestens die Note 3,0 erreicht haben. Um alle E-Autos objektiv miteinander vergleichen zu können, fand der Reichweitentest im „ADAC Testlabor Elektromobilität“ bei winterlicher Außentemperatur von durchschnittlich 0 °C statt.

Simuliert wurde eine Strecke von München nach Berlin: Der ADAC hat die Strecke über die Autobahn A9 bei einer Realfahrt aufgezeichnet und in den Prüfstand importiert – inklusive Steigungen, Gefälle und realistischem Verkehrsgeschehen. So mussten sich alle Fahrzeuge den exakt gleichen Geschwindigkeiten und äußeren Einflüssen wie Verkehr, Wind, Wetter oder Stau stellen. Wie schnell die Autos gefahren sind, oder wie lange die simulierte Fahrt nach Berlin gedauert hat, teilte der ADAC leider nicht mit.

Im Anschluss an die Reichweitenmessung wurden die Fahrzeuge an einem 300 kW Schnelllader vollgeladen und die Ladeleistung aufgezeichnet. Aus der nachgeladenen Energiemenge wurde der Stromverbrauch (inkl. Ladeverluste beim DC-Laden) ermittelt und die in 20 min Schnellladung (ab 10 Prozent SoC) nachgeladene Reichweite berechnet. Untersucht wurden die Fahrzeuge nach drei Kriterien: erzielte Reichweite (25 Prozent), nachgeladene Reichweite in 20 Minuten (25 Prozent) und der Verbrauch (50 Prozent). Die Preisspanne der Modelle lag zwischen 43.900 Euro und 91.700 Euro.

Quelle: ADAC – Pressemitteilung vom 22.01.2026

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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