Renault spricht sich für neue EU-Fahrzeugklasse günstiger E-Autos aus

Renault spricht sich für neue EU-Fahrzeugklasse günstiger E-Autos aus
Copyright:

Renault

Maria Glaser
Maria Glaser
  —  Lesedauer 4 min

Bei Renault könnten bald die Preise für die Modelle Renault 4, Renault 5 und Twingo fallen. Grundlage dafür ist eine neue Kategorie für E-Autos in der EU, über die bald abgestimmt wird. Für diese würden dann besondere Vorschriften gelten, die die Endpreise senken sollen. Die Entscheidung wird nächsten Monat erwartet, und wenn die neue Fahrzeugklasse tatsächlich eingeführt wird, könnte Renault die Preise der genannten Modelle um bis zu 15 Prozent senken.

Bei dem Vorschlag der EU handele es sich um die Schaffung einer neuen Klasse für kleine, günstige Elektroautos, die in Europa für Europa gebaut werden, berichtet Autocar. In Japan gibt es ein ähnliches Konzept für Kleinstwagen, die sogenannten Kei-Cars. Die Idee dahinter: den Absatz von Elektroautos ankurbeln und Arbeitsplätze sichern. Außerdem würde es die lokale Automobilindustrie stärken und der Konkurrenz von staatlich subventionierten Elektroautos aus China entgegenwirken.

Zu viele Vorschriften in der EU

François Provost, der Chef des Renault-Konzerns, machte außerdem darauf aufmerksam, dass weitere Veränderungen in der Politik nötig seien. So sei es im Rahmen der neuen Fahrzeugkategorie sinnvoll, eine Aussetzung der Notwendigkeit neuer Sicherheitsmaßnahmen für einen längeren Zeitraum zu beschließen.

Da derzeit jedes Jahr neue Sicherheitsvorschriften hinzukommen, müssen neue Autos und auch bereits im Verkauf befindliche Fahrzeuge immer wieder mit einer Vielzahl neuer Technologien ausgestattet werden, um die Vorschriften zu erfüllen. Dazu gehören beispielsweise auch Fahrassistenzsysteme, die bei Fahrer:innen in Deutschland oft noch immer auf Skepsis stoßen.

Provost zufolge sind diese Vorschriften einer der größten Kostenfaktoren für Automobilhersteller, aufgrund der Kosten der Technologie sowie der Tatsache, dass die Vorschriften jedes Jahr auf jedes Auto angewendet werden müssen. Es sei daher oft notwendig, dass Ingenieur:innen ihre Arbeit aus dem Vorjahr ändern, so Provost.

Eine Abschaffung von Vorschriften insgesamt wolle der Konzernchef aber ausdrücklich nicht: „Nein, ich fordere lediglich, dass 10 oder 15 Jahre lang keine neuen Vorschriften erlassen werden“, so Provost. Nur dann sei es dem Autohersteller möglich, dass Ingenieur:innen die derzeitigen Autos verbessern und die Kosten senken. Dies führe auch zu niedrigeren Preisen für die Kundschaft.

Derzeit plane Europa bis 2030 insgesamt 107 neue Vorschriften für Kraftfahrzeuge. Insgesamt sind Elektroautos daher zu teuer, wodurch Nachhaltigkeitsziele ins Stocken geraten. „Die Menschen können sich keine Autos leisten, weil ihr Haushaltseinkommen nicht so hoch ist. Daher sind die Menschen unzufrieden“, so Provost. „Das führt zu einer Alterung des Fahrzeugbestands mit einem Durchschnittsalter von 12,5 Jahren. Die Folge ist, dass es keine Dekarbonisierung und keine Verbesserung der Sicherheit in den Autos gibt, weil die Menschen keine neuen Autos kaufen können.“ Daher bestehe für Provost vor allem eine Frage: „Welchen Preis müssen wir erreichen, damit die Europäer wieder neue Autos kaufen?“

Renault 4, 5 und Twingo werden günstiger

Konkrete Einzelheiten über die neue Fahrzeugkategorie der EU sind noch nicht bekannt. Auf die Frage, welche Art von Autos für die neue Klasse in Frage kommen sollten, hat Provost jedoch klare Vorschläge. Innerhalb der Segmente A und B ziele die Kategorie bereits auf den Kern des europäischen Marktes ab. Elektroautos mit einer Länge unter 4,2 Metern, einem CO2-Ausstoß von weniger als 15 Tonnen über die gesamte Lebensdauer und einer Herstellung, die lokale Teile sowie Batterien nutzt, seien für Renault ideal. Dann würden nämlich sowohl die Modelle Renault 4 und 5 als auch der Twingo in Frage kommen.

Das Ziel besteht Provost zufolge nicht in der Entwicklung neuer Elektroauto-Modelle für die Fahrzeugklasse, sondern darin, den Preis bestehender Elektroautos zu senken. Daher steht die Europäische Union in engem Austausch mit der Automobilindustrie, um die Rahmenbedingungen festzulegen.

Das Ziel von Ampere, einer Unternehmenseinheit von Renault, die die Elektrifizierung der Marke vorantreibt, ist die Senkung der Produktionskosten um 40 Prozent. Mit dem neuen Twingo wurden bisher 25 Prozent erreicht, also sei es möglich, noch weitere 10 bis 15 Prozent einzusparen, um auch den Preis weiter zu senken und dennoch Gewinne zu erzielen, so Provost.

Immer wieder werden kritische Stimmen an der Elektromobilität laut, innerhalb der Politik vor allem aus den konservativen sowie rechten Fraktionen. So hat die EU erst in diesem Jahr eine Lockerung des Null-Emissionen-Mandats bis 2035 diskutiert. Einen erneuten Kurswechsel zurück in Richtung Verbrennungsmotor schließt Provost allerdings aus: „Es sollte elektrisch sein. Warum? Weil die Dekarbonisierung eine Priorität Europas ist und Renault niemals einen Rückschritt machen wird.“ Weiter sagte er: „Elektroautos sind gut für die Kunden. Wer sich für ein Elektroauto entscheidet, wird keinen Rückschritt machen. Elektroautos sind gut.“

Quelle: Autocar – Renault could cut prices of 4, 5, Twingo if EU’s E-Car class approved

worthy pixel img
Maria Glaser

Maria Glaser

Aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich kommend, verbindet Maria Glaser bei Elektroauto-News.net seit 2023 ihre Liebe zum Text mit fachlichen Inhalten. Seit ihrem Studium in Berlin und Wien arbeitet sie im Bereich Lektorat, Korrektorat und Content Writing, vor allem zu Mobilität.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Politik

Grüner 10-Punkte-Plan für das Gelingen der Energiewende

Grüner 10-Punkte-Plan für das Gelingen der Energiewende

Michael Neißendorfer  —  

Wirtschaftsministerin Reiche hat mit den letzten Gesetzesvorschlägen viel Unverständnis aus Industrie und Politik erfahren. Was die Grünen anders machen würden.

Verband der Kfz-Hersteller fordert Klarheit bei E-Auto-Förderung

Verband der Kfz-Hersteller fordert Klarheit bei E-Auto-Förderung

Michael Neißendorfer  —  

Komplizierte Förderbedingungen und Nachweisverfahren sowie völlige Unklarheit zum Abwicklungsverfahren hemmen die Wirkung des Programms, so der VDIK.

CO2-Markt für Verkehr und Wärme spaltet die EU

CO2-Markt für Verkehr und Wärme spaltet die EU

Sebastian Henßler  —  

Ab 2028 soll ETS2 Heizen und Verkehr verteuern. Doch mehrere Regierungen warnen vor sozialen Folgen und fordern mehr Zeit für Haushalte.

Schluss mit Mogelpackung: Ifeu fordert reale Sicht auf Plug-in-Hybride

Schluss mit Mogelpackung: Ifeu fordert reale Sicht auf Plug-in-Hybride

Michael Neißendorfer  —  

Drei bis fünf Mal mehr Sprit als laut WLTP-Angabe brauchen Plug-in-Hybride im Alltag. Verbände fordern daher, die Förderung dafür wieder einzustellen.

US-Ölblockade: Kubaner setzen vermehrt Elektro-Fahrzeuge ein

US-Ölblockade: Kubaner setzen vermehrt Elektro-Fahrzeuge ein

Laura Horst  —  

Durch die Ölblockade der USA geht Kuba der Kraftstoff aus. Die Kubaner setzen indessen auf Elektromobilität, um das Alltagsgeschehen aufrechtzuerhalten.

Brüssel könnte E-Auto-Subventionen an 70 Prozent EU-Anteil knüpfen

Brüssel könnte E-Auto-Subventionen an 70 Prozent EU-Anteil knüpfen

Laura Horst  —  

Die Europäische Kommission könnte einen lokalen Produktionsanteil von 70 Prozent für Elektroautos fordern, damit sie für staatliche Subventionen infrage kommen.

China-Autos in USA nur unter US-Kontrolle?

China-Autos in USA nur unter US-Kontrolle?

Sebastian Henßler  —  

In Washington wird über Joint-Ventures mit China beraten. Der Zugang zum US-Markt soll nur unter Kontrolle amerikanischer Hersteller ermöglicht werden.