Porsche Taycan Turbo GT: So fährt sich der 1000 PS-Stromer

Porsche Taycan Turbo GT: So fährt sich der 1000 PS-Stromer
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Joaquim Oliveira
Joaquim Oliveira
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Leistung kann man eigentlich nie genug haben. Das gilt mehr denn je für den Taycan Turbo GT, der erstmals im Hause Porsche als Serienfahrzeug die 1000-PS-Marke knackt.

Die Rekordmarken von Rimac, Lucid und Tesla schmerzten die Porsche-Verantwortlichen spürbar. Im Vergleich zur elektrischen Konkurrenz aus den USA gab es ein nennenswertes Leistungsdefizit, das so einfach nicht auszugleichen war. So dauerte es bis zur Modellpflege des Taycan, ehe das neue Topmodell des Turbo GT nachgelegt werden konnte. Der bietet zwar nicht mehr Leistung als die elektrischen Wettbewerber, knackt aber erstmals die 1000-PS-Marke und setzt bei der Fahrdynamik neue Bestmarken, die am Steuer sprachlos machen.

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Als ob die normalen Taycan-Versionen nicht schon mehr als ausreichend Leistung hätten – der Turbo GT stellt alles bisher Dagewesene in den Schatten. Zugleich bietet der knapp fünf Meter lange Viertürer zwei Rundenrekorde auf dem Nürburgring und auf dem Auf und Ab von Laguna Seca – wohlgemerkt für Elektroautos.

Gerade erst hat Porsche seine aufgefrischte Taycan-Palette mit einer deutlich höheren Systemleistung vorgestellt – möglich gemacht durch deutlich mehr Leistung an der Hinterachse. Mit einem stärkeren Pulswechselrichter ausgerüstet, hat der Porsche Taycan Turbo GT – auf Wunsch mit entsprechendem Weissach-Paket – 580 kW / 789 PS, bei Launch Control bis zu 760 kW / 1034 PS Overboost-Leistung und für zwei Sekunden bis zu 815 kW / 1108 PS. Ein Druck auf den Taster und für je zehn Sekunden ist eine Mehrleistung von bis zu 120 kW / 163 PS abrufbar. Dieser Attack-Mode basiert auf der sogenannten Push-to-Pass-Funktion der übrigen Taycan Modelle, den man sich aus der Formel E abgeschaut hat. Der Boost wird durch einen Countdown-Timer im Kombiinstrument angezeigt und mit animierten Ringen im Tachometer dynamisch inszeniert. So schafft der stärkste Taycan den Imagespurt 0 auf Tempo 100 in 2,2 Sekunden; bis Tempo 200 vergehen nur 6,4 Sekunden. Mit dem optionalen Weissach-Paket steigt die Höchstgeschwindigkeit von 290 auf 305 km/h.

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An der Hinterachse des stärksten Taycan-Modells kommt ein Pulswechselrichter mit einer maximalen Stromstärke von 900 Ampere zum Einsatz. Für einen besseren Wirkungsgrad wird in diesem Wechselrichter das Halbleitermaterial Siliziumkarbid verwendet, das die Schaltverluste reduziert und bei maximaler Belastung höhere Schaltfrequenzen ermöglicht. Zusätzlich wurden das Übersetzungsverhältnis und die Robustheit des Getriebes verbessert, wodurch höhere Drehmomente möglich sind – maximal sind es nunmehr gigantische 1340 Nm.

Die Reichweite der Taycan Turbo GT Modelle beträgt dabei nach der WLTP-Messmethode immerhin bis zu 555 Kilometer. Der Normverbrauch liegt zwischen 20,6 und 21,7 kWh auf 100 Kilometern. Für einen Preis von 240.000 Euro bietet die Topversion des Turbo GT unter anderem umfangreiches Spoilerwerk, Hochgeschwindigkeitsreifen, eine verstärkte Keramik-Bremsanlage und verschiedene Karbonelemente, die das Leergewicht um 75 Kilogramm senken.

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Zeit, auf die Strecke zu gehen, dem Pace Car zu folgen und zu beten, dass der Regen für die nächsten 15 Minuten aufhört und die Strecke trocken bleibt. Nach der ersten Beschleunigung aus der Boxengasse gibt es keinerlei Überraschungen mehr: Nicht nur die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in etwas mehr als 2 Sekunden ist F1-Niveau, auch die Zwischenspurts sind schier atemberaubend: 1,1 Sekunden von 80 auf 120 km/h – Wahnsinn!

Nach der ersten Aufwärmrunde steigert das Führungsfahrzeug das Tempo und das Bremsen erweist sich als genauso souverän wie von den Porsche-Ingenieuren versprochen. Selbst am Ende einer der beiden langen Geraden gibt es bei Tempo 220 Anzeichen dafür, dass der Körper mit den G-Kräften zu kämpfen hat. Dies ist der Zeitpunkt, an dem die spezielle E-Auto-Mischung von Pirelli ihren Wert unter Beweis stellen kann, denn der Elektrokoloss bringt fast 2,5 Tonnen auf die Rennwaage. Das Torque Vectoring System hilft emsig, mit den Hunderten von Newtonmetern umzugehen, die der rechte Fuß beim Abbremsen einfordert.

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Um den Attacke-Modus auszuprobieren, empfiehlt sich nennenswerter Abstand zum Vordermann, denn auf Knopfdruck gibt es einen zusätzlichen Boost, der einen schamlos in den Sportsitz presst. „Man kann den Boost auch mit Rennhandschuhen auslösen, ohne die Hand vom Lenkrad zu nehmen“, erklärt Porsche-Werksfahrer Lars Kern. Mit dem linken Lenkradpaddel lässt sich die Rekuperationsstufe einstellen und an die jeweilige Fahrsituation anpassen, aber in diesem Szenario auf der Rennstrecke ist mir das völlig egal. So unwahrscheinlich es auch klingen mag, da es sich um einen Wechsel von etwa 900 auf etwa 1000 PS handelt, spüre ich einen weiteren Schub in meinem Rücken, begleitet von einem künstlichen Mehrzylinder-Motorsound, den Porsche für den akustischen Soundtrack des Turbo GT verwendet. Abgesehen vom entbehrlichen Klangszenario funktioniert der Attack Mode ähnlich wie das, was die Rennfahrer Pascal Wehrlein und Felix da Costa in ihrem Porsche 99X bei den Formel-E-Rennen gewohnt sind. Daran kann man sich gewöhnen.

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Joaquim Oliveira

Joaquim Oliveira

Der gebürtige Brasilianer arbeitet seit Jahren als internationaler Korrespondent für verschiedene Automagazine, wie das brasilianische "Quatro rodas", das englische "AutoExpress" oder den chinesischen "Car & Driver". Für Elektroauto-News.net verfasst er regelmäßig entsprechende Fahr- und Erfahrungsberichte aktueller Elektroauto-Modelle.

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