Der langjährige Produktionschef von Porsche, Albrecht Reimold, verabschiedet sich mitten in einer Spar- und Auslastungskrise in den Ruhestand. In einem Interview zum Abschied bezieht er nun noch einmal klar Position und verteidigt die bisherige Elektro-Strategie des Sportwagenherstellers.
Reimold hatte die Porsche-Produktion über zehn Jahre lang geführt und war dabei unter anderem hauptverantwortlich für den Aufbau der Taycan-Fertigung in Zuffenhausen. Er ist jetzt 65 und übergibt das Amt zum 31. August 2026 an den 49-jährigen Christian Friedl, der bisher als Qualitätschef des Unternehmens fungierte.
Grundsätzlich ist bei Porsche einiges im Wandel, zumal Porsche-Chef Michael Leiters dem Aufsichtsrat zuletzt ein größeres Zukunftspaket präsentierte, das unter anderem vorsieht, weitere 5000 Stellen zu streichen. Dadurch würde sich zusammen mit den bereits früher beschlossenen Sparmaßnahmen ein Gesamtabbau von bis zu 9000 Arbeitsplätzen ergeben.
Zur besseren Einordnung von Reimolds Abgang ist es wichtig zu wissen, dass Porsche derzeit in vielerlei Hinsicht unter Druck steht. So wurde die Taycan-Produktion aufgrund einer schwachen Nachfrage bereits mehrfach zurückgeschraubt, und mit Fabrikkosten von 10.000 Euro pro Fahrzeug zählt der Standort Zuffenhausen, der in Reimolds Verantwortung fiel, zu den teuersten Standorten des VW-Konzerns.
Reimold verteidigt die frühe E-Strategie von Porsche
Im Interview mit der Automobilwoche antwortet Reimold auf die Frage, ob Porsches früher Einstieg in die E-Mobilität ein Fehler gewesen sei verneinend. Man habe früh erkannt, dass Elektromobilität ein wesentlicher Bestandteil der Mobilität der Zukunft sein werde. Allerdings räumt er auch ein, dass man manche Marktannahmen mit dem heutigen Wissen wohl vorsichtiger bewertet hätte und die Entwicklung in vielen Regionen langsamer verlaufe als ursprünglich erwartet. Gleichzeitig verschaffe Porsches früher Vorstoß dem Unternehmen heute aber auch ein großes Maß an Flexibilität.
Trotz schwächelnder Nachfrage und gedrosselter Produktion bekennt sich der scheidende Produktionschef klar zum Taycan. Dieser „ist und bleibt ein bedeutendes Fahrzeug“, so Reimold. Gleichzeitig gesteht er ein, dass das Unternehmen die Variantenvielfalt in einzelnen Märkten stärker an die Kundennachfrage angepasst habe.
Zum neuen elektrischen 718 sagt er weiterhin, man arbeite „mit Hochdruck an der Umsetzung des Projektes“, und das mit dem gleichen Qualitätsanspruch wie auch bei jedem anderen Porschemodell. Er wolle sich, sobald er verfügbar ist, sogar selbst einen elektrischen 718 zulegen. Auf die schwache Auslastung der Porsche-Werke angesprochen, sagt er ganz offen: „Natürlich freut sich kein Produktionsvorstand über eine geringere Auslastung“. Allerdings würden solche Phasen eben auch dazugehören, viel entscheidender sei die Reaktion darauf.
Zuffenhausen bleibt „das Herz der Marke“
Die provokante Frage, ob in Zuffenhausen angesichts hoher Fabrikkosten und schwacher Auslastung „bald die Lichter ausgehen“ würden, beantwortet Reimold entschieden mit Nein, und fügt an: „Wer Zuffenhausen abschreibt, hat Porsche nicht verstanden“. Der Standort sei auch weiterhin das Herz der Marke, an dem ja unter anderem auch die Ikone 911 entsteht. Natürlich müsse man aber wie an jedem Standort kontinuierlich an der Wettbewerbsfähigkeit arbeiten.
Einer konkreten Antwort auf die Frage, ob die Cayenne-Produktion bald von Bratislava nach Leipzig verlegt werden könnte, enthält sich Reimold, verweist jedoch auf die grundlegende Flexibilität des Porsche-Produktionsnetzwerks und die damit verbundenen Möglichkeiten. Auch eine belastbare Prognose zu zukünftig höheren Stückzahlen möchte er derzeit nicht abgeben, zumal die Balance aus markentypischer Exklusivität, Wachstum und Profitabilität wichtiger sei als das Volumen.
Eine To-do-Liste für seinen Nachfolger Friedl will Reimold im Interview ebenfalls nicht aufstellen, da er überzeugt sei, dass dieser sehr genau wisse, welche Schwerpunkte in der aktuellen Situation gesetzt werden müssten. Sein Fazit fällt trotz der aktuell schwierigen Rahmenbedingungen zuversichtlich aus. Schließlich seien „hervorragende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, starke Produkte und eine enorme Innovationskraft“ die besten Voraussetzungen für Porsches Zukunft.
Quelle: Automobilwoche – Abschiedsinterview: Porsche-Produktionschef Reimold verteidigt E-Kurs








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