Insider: Wie Dänemark zum Musterland der E-Mobilität wurde

Insider: Wie Dänemark zum Musterland der E-Mobilität wurde
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v.r.n.l. EAN-Herausgeber Sebastian Henßler & Ilyas Dogru, FDM

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Dänemark hat in den vergangenen Jahren ein Tempo bei der Elektromobilität vorgelegt, das selbst aufmerksame Beobachter:innen ins Staunen versetzt. Wer wissen will, wie aus einem kleinen Markt ein europäischer Vorreiter werden kann, kommt an einem Gespräch mit Ilyas Dogru kaum vorbei. Er ist Chefberater und Verbraucherökonom beim FDM, dem dänischen Pendant zum ADAC, und seit acht Jahren eine der profiliertesten Stimmen, wenn es um Steuerpolitik, Ladeinfrastruktur und Kaufverhalten rund um das E-Auto geht. Für die aktuelle Folge des EAN-Podcasts habe ich ihn in Kopenhagen getroffen – und wir sind anschließend gemeinsam zu mehreren Ladepunkten gefahren, um den dänischen Markt nicht nur zu besprechen, sondern direkt zu sehen.

Die Zahlen, die Ilyas mitbringt, sprechen für sich. Vor acht Jahren waren weniger als 10.000 E-Autos auf dänischen Straßen unterwegs. Heute sind es mehr als 600.000. Jedes fünfte Auto im Land ist vollelektrisch, und es gibt inzwischen mehr E-Autos als Diesel-Pkw. Vom Sprung von 500.000 auf 600.000 Einheiten trennen Dänemark gerade einmal 174 Tage. Bis 2028 rechnet der FDM mit einer Million Stromer auf dänischen Straßen.

Steuerpolitik als Treiber des Markthochlaufs

Den entscheidenden Hebel sieht Ilyas in der Steuerpolitik. Während Verbrenner in Dänemark mit bis zu 150 Prozent Zulassungssteuer belegt werden, gilt für E-Autos seit 2020 eine Befreiung bis zu einem definierten Kaufpreis, der jährlich abgesenkt wird. „Die EVs werden sehr wettbewerbsfähig gegen die fossilen Autos“, fasst er den Effekt zusammen. Hinzu kommt eine Erstattung der Stromsteuer beim Heimladen, die das Fahren spürbar verbilligt. Über die Gesamtbetrachtung fünf Jahre hinweg seien E-Autos in Dänemark „extrem günstiger“ – ein Argument, das in einem Land ohne eigene Automobilindustrie schwerer wiegt als anderswo.

Auch beim Laden hat sich das Bild gewandelt. Mehr als 60.000 öffentliche Ladepunkte und über 7000 Schnelllader stehen heute zur Verfügung, dazu kommen mehr als 20 Ladesäulenbetreiber. Das Resultat ist ein Marktpreis von rund 3,49 Kronen je Kilowattstunde am Schnelllader, umgerechnet etwa 47 Cent. Ad-Hoc wohlgemerkt. In Deutschland sind es laut Ilyas im Schnitt 79 Cent. Vor 2020 sah die Welt anders aus. „Es war der Wilde Westen“, erinnert er sich an Zeiten, in denen man Ladevorgänge per SMS startete. Heute schreibt die dänische Regulierung Kartenzahlung an Schnellladern vor – noch bevor die europäische AFIR diese Pflicht einführte. Norwegen habe das Modell später übernommen.

Recht auf Laden, bidirektionales Laden und die Steuerfrage 2026

Spannend wird es beim Blick auf die heimische Wallbox. Denn rund 70 Prozent der dänischen Haushalte können zu Hause laden, und alle Haushalte verfügen über einen Smart Meter. Dynamische Tarife, teilweise sogar im 15-Minuten-Takt, machen das Heimladen planbar und günstig. Im vergangenen Jahr lag der Strompreis in Dänemark mehr als 800 Stunden bei null oder darunter. Genau hier sieht Ilyas die größte deutsche Schwäche. „Eines der größten Probleme Deutschlands ist, dass ihr diese Smart Meter nicht habt. Smart Meter sind nicht das, was die Elektromobilität antreibt – aber sie machen sie im Alltag günstig.“ Recht hat er.

Trotz aller Erfolge gibt es offene Baustellen. Für Mehrfamilienhäuser fordert Ilyas ein staatlich gefördertes „Recht auf Laden“. 2026 wird zur Schicksalsfrage: Die dänische Politik muss die künftige Besteuerung von E-Autos neu regeln. Steigen die Steuern zu stark, könnten Käufer:innen zögern. Gleichzeitig schaut der FDM bereits auf die nächste Stufe: bidirektionales Laden und gesteuertes Laden, damit das E-Auto zur mobilen Batterie für das Stromnetz wird. Nun aber genug der Vorworte – lasst uns direkt in das Gespräch mit Ilyas einsteigen.

Gerne kannst du mir Fragen zur E-Mobilität, die dich im Alltag beschäftigen, per Mail zukommen lassen. Die Antwort darauf könnte für andere Hörer des Podcasts ebenfalls von Interesse sein. Wie immer gilt: Über Kritik, Kommentare und Co. freue ich mich natürlich. Also gerne melden, auch für etwaige Themenvorschläge. Und über eine positive Bewertung beim Podcast-Anbieter deiner Wahl freue ich mich natürlich auch sehr! Danke.

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Sebastian Henßler

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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