Nio bereitet derzeit eine umfassende Umstrukturierung seiner Aktivitäten in Europa vor. Dabei werden einige Direktvertriebsmärkte wahrscheinlich auf ein Asset-Light-Modell umgestellt, wie die Plattform Cnevpost berichtet.
Der Begriff Direktvertrieb bedeutet, dass der Autohersteller seine Fahrzeuge ohne klassische Händler direkt an seine Kundschaft verkauft. Statt unabhängiger Autohäuser betreibt das Unternehmen eigene Verkaufsräume, Online-Shops oder sogenannte Markenstores und organisiert auch Service und Beratung selbst. Ein Asset-Light-Modell bedeutet dagegen, dass das Unternehmen weniger eigene Infrastruktur besitzt und betreibt.
In diesem Fall würde Nio in Europa stärker mit lokalen Vertriebspartnern oder Händlern zusammenarbeiten, anstatt eigene Verkaufsstellen und Servicezentren aufzubauen. Dadurch sinken Kosten und Investitionen, weil weniger eigene Gebäude, Personal und Logistik finanziert werden müssen.
Deutscher Markt wird angepasst
Von dieser veränderten Vertriebsstrategie werden voraussichtlich drei europäische Märkte betroffen sein: Deutschland, die Niederlande und Schweden. Während diese auf ein anderes Vertriebsmodell umgestellt werden könnten, dürfte Norwegen das Direktvertriebsmodell beibehalten, so Cnevpost mit Bezugnahme auf eine Quelle.
Bei Norwegen handelt es sich um den Markt mit der weltweit höchsten Durchdringungsrate von Elektroautos. 2024 konnte Nio dort im Vergleich zu Deutschland mehr als doppelt so viele Elektroautos zulassen. Da der norwegische Markt insgesamt viel kleiner ist, hat Nio damit einen höheren relativen Anteil am Gesamtmarkt. Kurz gesagt handelt es sich bei Norwegen zumindest derzeit um einen erfolgreicheren Markt, auch wenn das Unternehmen in Deutschland mit seinem Konzept von Batterie-as-a-Service und den Batteriewechselstationen ein Alleinstellungsmerkmal hat.
Erst im Februar ging aus einer internen Ansprache des Nio-CEO William Li hervor, dass einige Änderungen bevorstehen, um ein rentables Jahr 2026 zu erreichen. Eine neue, globale Geschäftsstruktur wird künftig bei Nio nicht mehr nach Ländern unterteilt, sondern nach Geschäftsfunktionen neu organisiert. Sie umfassen Bereiche wie Europe Power Organization, Emerging Markets Business, Global Strategy & Product oder Europe Sales & Network Development.
Nio erklärte auf Anfrage, dass das Unternehmen aus China seine europäische Organisationsstruktur angepasst habe, um die Zusammenarbeit zu stärken und die betriebliche Effizienz in der gesamten Region zu verbessern. „Die Veränderungen von einer länderorientierten Struktur hin zu einer besser koordinierten europäischen Funktionsstruktur folgen der übergeordneten europäischen Strategie von Nio“, so das Unternehmen. Mit den Veränderungen sollen außerdem die Qualitätsstandards gestärkt sowie die Benutzererfahrung und Koordination in ganz Europa verbessert werden.
Europa bleibt wichtiger Absatzmarkt
Nio trat im Oktober 2021 offiziell in den internationalen Markt ein, wobei Norwegen die erste Station war. Anschließend expandierte der Hersteller nach Deutschland, in die Niederlande und nach Schweden. Damals setzte Nio auf den Direktvertrieb und investierte in entsprechende Einrichtungen, wie die Flagship-Showrooms unter dem Namen „Nio House“. Außerdem wurden für jedes Land eigene Manager:innen ernannt. Dieses Vertriebsmodell hat sich jedoch inzwischen als zu teuer erwiesen und belastete die Bilanz.
Seit November 2024 erprobt Nio ein weniger kapitalintensives Vertriebsmodell in Zusammenarbeit mit Vertriebspartnern. Im Juni 2025 folgte die Ankündigung, dass Nio 2025 und 2026 auch in anderen europäischen Ländern mit lokalen Händlern zusammenarbeiten werde, darunter in Österreich, Belgien, Ungarn, Polen und Rumänien.
Europa sei nach wie vor eine strategisch wichtige Region für Nio, wie das Unternehmen bekräftigte. Das Engagement in der Region bleibe unverändert und der Geschäftsbetrieb werde wie gewohnt fortgesetzt. Mit der strategischen Neuausrichtung der internationalen Marktstrategie setzt Nio jedoch in Zukunft auf einen flexibleren Ansatz, um die Globalisierung zu beschleunigen und gleichzeitig die Kosten zu kontrollieren. Die Konkurrenz des Unternehmens, wie BYD, Xpeng oder Zeekr verfolgen ähnliche Strategien, um ihre Präsenz auf den Exportmärkten zu erweitern.
Quelle: CnEVPost – Exclusive: Nio revamps Europe operations, shifting further toward asset-light strategy








Wird geladen...