Nigeria: Verkehrswende zwischen Batteriewechsel und Notstrom

Nigeria: Verkehrswende zwischen Batteriewechsel und Notstrom
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Maria Glaser
Maria Glaser
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Nigeria hat im ersten Halbjahr 2026 Steuerbefreiungen für fast 4000 Elektroautos genehmigt, wie aus Regierungsdaten hervorgeht. Damit versuchen die Behörden des westafrikanischen Landes, die Einführung der Elektromobilität voranzutreiben. Zugleich stößt das Land dabei aufgrund der schwachen Stromversorgung an seine Grenzen.

Im Jahr 2024 wurden Elektroautos von der Mehrwertsteuer befreit und die Einfuhrzölle in diesem Jahr von 5 Prozent auf null gesenkt. Außerdem fördert Nigerias Politik den umweltfreundlicheren Verkehr durch lokale Montageprogramme. Damit strebt die Regierung nach dem Energie-Transitionsplan 2022 an, dass Elektroautos 60 Prozent des Fahrzeugbestands bis 2050 ausmachen. Dies wirkt fast utopisch im Vergleich zum aktuellen Stand. Offizielle Daten gebe es zwar nicht, wie Reuters berichtet, jedoch machen Elektroautos nach Herstellerangaben derzeit weniger als 1 Prozent aus. Das entspricht nur einigen Zehntausend Fahrzeugen.

Der afrikanische Kontinent entwickelt sich in Sachen E-Mobilität schnell. Bei Nigeria handelt es sich um Afrikas bevölkerungsreichstes Land, weshalb die Elektrifizierung dort zwar ein großes Volumenpotenzial hat, jedoch zugleich auf zahlreiche strukturelle Hürden trifft.

Nachdem 2023 die Benzinsubvention abgeschafft wurde und infolgedessen die Kraftstoffkosten gestiegen sind, wurde immer mehr auf elektrisch betriebene Fahrzeuge umgestellt. Es zeichnet sich jedoch zunehmend ab, dass der Energiesektor des Landes Schwierigkeiten hat, mit der Nachfrage Schritt zu halten. Ein Netz mit einer Leistung von 4000 Megawatt versorge mehr als 200 Millionen Menschen, so Reuters, was einer der niedrigsten Pro-Kopf-Stromverfügbarkeiten unter den großen Volkswirtschaften entspricht. Bei Stromausfällen wird daher auf Diesel- und Benzingeneratoren zurückgegriffen. Wenn eine Ladestation jedoch mit Notstromaggregat betrieben wird, verliert Elektromobilität ihren nachhaltigen Wert.

Das Land befindet sich in einer Übergangsphase, die zwar nicht konsequent, aber immerhin notwendig erscheint: „Wenn wir darauf warten, dass die Stromversorgung perfekt wird, bevor wir Elektroautos einführen, wird uns der Rest der Welt hinter sich lassen“, sagte Bolanle Boboye. Er ist als Führungskraft bei Saglev tätig, Nigerias erstem Elektroautohersteller, der wiederum mit dem chinesischen Unternehmen Dongfeng zusammenarbeitet. „Selbst wenn Elektroautos mit Strom aus Dieselgeneratoren aufgeladen werden, können sie dennoch dazu beitragen, die Gesamtemissionen zu senken“, so Boboye.

Batteriewechsel als Alternativansatz

Nicht nur die Stromversorgung, sondern auch die öffentliche Ladeinfrastruktur ist in Nigeria derzeit unzureichend ausgebaut für eine großangelegte Verkehrswende. Ende 2025 gab es rund 50 öffentliche Ladestationen, die sich größtenteils in der größten Stadt des Landes Lagos und der Hauptstadt Abuja befinden. Im Vergleich dazu hat Südafrika mehr als 500 Stationen. Viele Menschen laden daher nicht an öffentlichen Säulen, sondern mit tragbaren Kabeln, die an Haushaltssteckdosen angeschlossen werden.

Daher setzen einige Start-ups auf Batteriewechsel. Dabei wird das Elektroauto nicht aufgeladen, sondern der leere Akku innerhalb weniger Minuten gegen einen vollen Akku ausgetauscht. Der leere Akku geht in den Bestand der Wechselstation über und wird dort geladen, bevor er für den nächsten Wechsel genutzt wird. Der wichtigste Aspekt bei diesem Vorgang ist die Zeit: Der Wechsel ist nicht nur meist deutlich schneller als ein Ladevorgang an der Säule, sondern das anschließende Laden des Akkus ist auch weitgehend zeitunabhängig. Dadurch kann zum einen langsam und kapazitätsschonend geladen werden und zum anderen dann, wenn Strom verfügbar ist. Ist das Stromnetz überlastet, lädt der Akku in der Wechselstation einfach später, ohne dass es zu Verzögerungen bei einer individuellen Fahrt kommt.

Range Extender und Hybride schaffen Abhilfe

Aufgrund dieser Situation entscheiden sich viele Menschen in Nigeria nicht für reine Elektroautos, sondern für solche mit Reichweitenverlängerer bzw. Range Extender. Darin ist ein kleiner Verbrennungsmotor verbaut, der aber das Fahrzeug nicht direkt antreibt, sondern mit der Verbrennung Strom für den Elektromotor generiert. Damit kann eine unzuverlässige Stromversorgung ausgeglichen werden.

Daran passen sich die Hersteller an und insbesondere Unternehmen aus China sind vorne mit dabei. BYD und Geely beispielsweise seien zunehmend mit Hybridautos vertreten, wie Reuters berichtet. Bei Tim Motors machen Fahrzeuge mit neuen Antriebstechnologien wie Elektroautos und Hybride inzwischen etwa 2 Prozent des Fahrzeugabsatzes in Nigeria aus. „Nigeria ist einer der größten Automärkte Afrikas, wird jedoch von Gebrauchtfahrzeugen dominiert“, sagte Leon Zhan, Leiter von Tim Motors. Dies wolle das Unternehmen, das mit Geely zusammenarbeitet, ändern.

Neben Range Extendern und Hybridmodellen sind in Nigeria auch elektrische Motorräder und Dreiräder beliebt. Dort seien Reuters zufolge mehr als 15 Millionen Motorräder auf den Straßen unterwegs, die seit der Abschaffung der Benzinsubventionen am stärksten von den steigenden Kraftstoffpreisen betroffen seien. Elektrisch betriebene Motorräder können die Betriebskosten im Vergleich um bis zu zwei Drittel senken.

Quelle: Reuters – Nigeria’s EV ambitions run into reality of weak electricity supply

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Maria Glaser

Aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich kommend, verbindet Maria Glaser bei Elektroauto-News.net seit 2023 ihre Liebe zum Text mit fachlichen Inhalten. Seit ihrem Studium in Berlin und Wien arbeitet sie im Bereich Lektorat, Korrektorat und Content Writing, vor allem zu Mobilität.

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