Neuer Referenzwert: THG-Quoten könnten sinken

Neuer Referenzwert: THG-Quoten könnten sinken
Copyright:

shutterstock / 2119360019

Iris Martinz
Iris Martinz
  —  Lesedauer 3 min

Deutsche Elektroautofahrer konnten sich seit Anfang des Jahres über die sogenannte THG-Quote ein kleines Zubrot dafür verdienen, dass sie emissionsfrei unterwegs sind – im Schnitt etwa 300 bis 350 Euro pro Jahr. Seit kurzem ist ein ähnliches Angebot auch in Österreich verfügbar, wenn auch mit deutlich niedrigeren Prämien. Diese könnten nun aber auch in Deutschland sinken. Schuld dafür ist die Neuberechnung des Referenzwertes für die Treibhausgasemissionen durch Strom.

Zahlreiche Unternehmen finden sich in unserem Anbieter-Vergleich, sowohl für Privatpersonen als auch für Flottenbetreiber. Die angebotenen Prämien liegen derzeit zwischen 250 und 400 Euro Prämie jährlich. Basis für die Berechnung dieser Prämie ist der gesetzlich festgelegte „Referenzwert“, also jener Wert, bis zu dem ein Unternehmen, das fossile Brennstoffe in den Verkehr bringt, durchschnittlich Treibhausgase ausstoßen darf. Er bildet sich aus dem durchschnittlichen Emissionswert der fossilen Kraftstoffe minus der THG-Quote, die derzeit bei sieben Prozent liegt.

Diese gesetzlich vorgegebene Emissionsminderungsquote steigt nächstes Jahr auf acht, bis zum Jahr 2030 kontinuierlich auf 25 Prozent. Stößt ein Unternehmen mehr Emissionen aus, muss es die negative THG-Bilanz durch den Zukauf von Emissionsrechten ausgleichen. Dazu hat es die Möglichkeit, mit anderen Unternehmen zu handeln, die erneuerbare Kraftstoffe in Verkehr bringen. Dieser THG-Quotenhandel sorgt dafür, dass Geld von fossilen zu erneuerbaren Kraftstoffen fließt.

Das Umweltbundesamt hat nun aber diesen Referenzwert von 119 auf 135 Kilogramm CO2-Äquivalent pro Gigajoule für das kommende Jahr erhöht. Das bedeutet, dass Unternehmen, die fossile Kraftstoffe in Verkehr bringen, pro Einheit mehr Emissionen ausstoßen dürfen als noch 2022. Sie müssen also weniger Verschmutzungsrechte zukaufen. E-Auto-Halter, die ihre Emissionsfreiheit vermarkten wollen, müssen sich daher darauf einstellen, dass die Prämie auf etwa 250 bis 350 Euro pro Jahr sinken wird. Die Marktpreise für THG-Quoten bewegen sich derzeit außerdem auf einem niedrigen Niveau im Vergleich zu den letzten zwölf Monaten. Diese könnte aber im Winter wieder steigen – für Halter eines E-Autos ist also der richtige Zeitpunkt der Vermarktung essentiell.

Um im nächsten Jahr aber eine Prämie von etwa 400 Euro anbieten zu können, müsste der Marktpreis um rund 30 Prozent steigen. Das sei eher unrealistisch, erklärt Matthias Kerner, Geschäftsführer von EMOVY, einem der Anbieter. Größere Chancen auf eine ordentliche Prämie hätten hingegen Betreiber von E-Lastern. Diese Fahrzeuge wurden bisher wie PKW behandelt, werden zukünftig aber mit einem ähnlichen Schätzwert behandelt wie E-Busse. Der war im Jahr 2022 36-mal so hoch wie der für einen PKW. Auch Betreiber von öffentlichen Ladestationen, die den gelieferten Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugen, könnten künftig stärker profitieren.

Anders ist die Situation in Österreich: erst kürzlich hat der erste Anbieter für THG-Prämien sein Angebot vorgestellt. Die angebotene Prämie ist mit 82 Euro aber deutlich geringer als in Deutschland. Schuld daran sind unterschiedliche gesetzliche Regelungen. Hier geht man aber davon aus, dass sich die Ausgleichszahlungen für das Nichterfüllen der Einsparungsquoten an das deutsche Niveau anpassen – und sich damit vervierzigfachen – werden. Es ist daher realistisch, dass die angebotenen Prämien in den nächsten Jahren deutlich steigen werden.

Quelle: EMOVY – Pressemitteilung vom 24. Oktober 2022//greentrax.de – Basiswert, Referenzwert und Zielwert der Treibhausgasquote

Worthy not set for this post
Iris Martinz

Iris Martinz

Iris Martinz ist Unternehmens- und E-Mobilitätsberaterin in Österreich, mit langjähriger Erfahrung im Recycling und Second Life von E-Mobilitätsbatterien. Fährt sowohl rein elektrisch, als auch V8, und möchte die beiden Welten etwas näher zusammenbringen. Nachzulesen unter www.mustangsontour.com.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Politik

Bund fördert Ladesäulen an Mehrfamilienhäusern

Bund fördert Ladesäulen an Mehrfamilienhäusern

Laura Horst  —  

Der Bund stellt 500 Millionen Euro für Ladesäulen an Mehrfamilienhäusern bereit. Die Anträge zur Förderung können von April bis November gestellt werden.

Mehrheit der Deutschen wünscht sich bessere Förderung für E-Autos

Mehrheit der Deutschen wünscht sich bessere Förderung für E-Autos

Michael Neißendorfer  —  

Eine aktuelle Befragung zeigt: Die Deutschen wechseln verstärkt vom Verbrenner zum Elektroauto – und fordern von der Politik mehr Initiative für E-Mobilität.

Kommentar: Schwächere CO2-Ziele sichern keine Jobs

Kommentar: Schwächere CO2-Ziele sichern keine Jobs

Sebastian Henßler  —  

Die Union will die CO2-Ziele weiter senken. Doch die Frage, wie viele Jobs das sichert, bleibt unbeantwortet. Eine Einordnung der Fakten dahinter.

Experten und Verbände watschen „Klimaschutz“-Programm der Regierung ab

Experten und Verbände watschen „Klimaschutz“-Programm der Regierung ab

Michael Neißendorfer  —  

Verbände und Experten lassen kein gutes Haar am neuen „Klimaschutzprogramm“ der Bundesregierung. Wirklich neues habe es gar nicht zu bieten.

Union will mehr Verbrenner – Klimaziele wackeln

Union will mehr Verbrenner – Klimaziele wackeln

Sebastian Henßler  —  

Die EU-Kommission hat die Emissionsregeln für Neuwagen bereits gelockert. CDU und CSU reicht das nicht, sie fordern eine Absenkung auf 80 Prozent.

VDIK: Ladeinfrastruktur entscheidet über E-Auto-Hochlauf

VDIK: Ladeinfrastruktur entscheidet über E-Auto-Hochlauf

Sebastian Henßler  —  

VDIK-Präsidentin Labbé schlägt eine staatliche Ladekarte mit Guthaben vor. Damit ließen sich Tarifchaos und umständliches Laden auf einen Schlag beseitigen.

Streit im ADAC: Technologieoffenheit findet keine Mehrheit

Streit im ADAC: Technologieoffenheit findet keine Mehrheit

Daniel Krenzer  —  

Alles auf Elektromobilität oder neutrale Haltung zu allen Antriebsformen? Im größten deutschen Automobilclub gibt es einen Richtungsstreit.