Im größten deutschen Automobilclub ADAC gibt es ganz offensichtlich intern sehr unterschiedliche Meinungen darüber, mit welcher Zukunftsvision der Club kommunizieren soll, was Verbrennerautos betrifft. Nachdem Ex-ADAC-Verkehrspräsidenten Gerhard Hillebrand vor einigen Wochen hohe CO2-Preise auf Benzin und Diesel befürwortete und nach einer Welle der Empörung zurücktrat, wird dies nun abermals deutlich. Wie die Welt berichtet, wollten Vertreter eines großen ADAC-Regionalverbands Südbayern – genauer der ADAC-Motorsport-Ortsclub Scuderia Magra – Technologieneutralität und keine Fokussierung auf E-Mobilität als ADAC-Kurs beantragen, fanden dafür jedoch unter den eigenen Mitgliedern des Regionalverbands keine Mehrheit.
Damit wird ein Konflikt sichtbar, der im ADAC schon länger schwelt: die Frage, ob man sich klar in Richtung Elektromobilität positioniert oder bewusst „wertfrei“ alle Antriebsformen gleich behandelt. Der Antrag zielte laut Welt darauf ab, genau diese Neutralität festzuschreiben – also weder Verbrenner noch Elektroauto politisch oder kommunikativ zu bevorzugen. Doch innerhalb des Regionalverbands selbst fehlte dafür die Unterstützung.
Das ist bemerkenswert, weil der ADAC traditionell als Stimme der Autofahrer gilt – und lange Zeit eher als Verteidiger klassischer Antriebe wahrgenommen wurde. Inzwischen hat sich die Rolle jedoch verschoben, was schon länger deutlich wurde, nicht erst seit der Causa Hillebrand. Elektromobilität ist längst kein Nischenthema mehr, sondern politisch gesetzt, regulatorisch vorgegeben, industriell massiv vorangetrieben, für viele zunehmend die wirtschaftlichste Lösung individueller Mobilität – und nicht zuletzt das auf absehbare Zeit wirksamste Mittel, um die CO2-Emissionen im Verkehrssektor zu senken und einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Wer hier weiterhin völlige Neutralität fordert, blendet zumindest Teile dieser Realität aus.
Umdenken im ADAC findet statt
Der gescheiterte Antrag zeigt dabei vor allem eines: Die viel zitierte Technologieneutralität ist in der Praxis oft wenig sinnvoll. Denn sie wird gerne dann eingefordert, wenn bestehende und zunehmend veraltete Technologien unter Druck geraten. Gleichzeitig lässt sich kaum leugnen, dass politische Rahmenbedingungen – von CO2-Flottengrenzwerten bis hin zu Förderprogrammen – längst eine klare Richtung vorgeben. Der ADAC steht damit vor der Herausforderung, diese Realität abzubilden, ohne die Teile seiner Mitgliedschaft zu verlieren, die deren Herz noch am Verbrennungsmotor hängt.
Für die Elektromobilität ist die Entwicklung ein starkes Signal. Dass ein Antrag auf „wertfreie Betrachtung“ in einer großen ADAC-Regionalgruppe keine Mehrheit findet, deutet darauf hin, dass auch im ADAC ein Umdenken stattfindet – oder zumindest die Bereitschaft wächst, die Transformation nicht mehr auszubremsen. Die internen Konflikte werden damit zwar nicht verschwinden, sie zeigen aber, dass sich auch traditionelle Institutionen neu sortieren müssen.
Am Ende geht es also weniger um die Frage Verbrenner oder Elektroauto, sondern um die Rolle eines Clubs wie des ADAC in einer sich wandelnden Mobilitätswelt. Denn wie die Hersteller müssen auch die Automobilclubs den Weg der Transformation gehen, dabei aber auch skeptische Mitglieder mitnehmen. Das wird für die kommenden Jahre voraussichtlich ein Drahtseilakt bleiben.
Quelle: Welt – Verbrenner oder E-Autos? Antrag auf „wertfreie Betrachtung“ durch ADAC scheitert








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