Mercedes-CEO: Neue E-Autos sollen den Marken-Charakter behalten

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Mercedes-Benz

Arun Niemann
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  —  Lesedauer 3 min

Mercedes hat gerade seine neue elektrische C-Klasse vorgestellt. Beim Launch-Event in Helsinki nimmt der CEO Ola Källenius den Autocar-Reporter James Attwood auf eine 45-minütige Testfahrt mit und beantwortet einige wichtige Fragen zur zukünftigen E-Auto-Strategie von Mercedes.

Während der Fahrt beschreibt Källenius das Fahrgefühl der neuen elektrischen C-Klasse als ruhig und leise und meint, ihn würde das Ganze eher an die E-Klasse erinnern. Dabei kommt es zu einem ungewöhnlichen Moment: Der KI-Assistent des Autos unterbricht ihn selbstständig und gibt einen eigenen Kommentar zum Fahrgefühl auf der Autobahn ab.

Dieser Moment steht sinnbildlich für den Spagat, den Mercedes gerade bewältigen muss, um die 140-jährige Markenidentität sinnvoll mit der wachsenden Digitalisierung zu kombinieren. Källenius zufolge versucht man bereits die Welten von Verbrenner und E-Antrieb näher zusammenzubringen. Die neue C-Klasse und auch der verwandte GLC bieten erstmals eine echte Antriebswahl. Dadurch will man es den Kunden selbst überlassen, wann sie vom Hightech-Verbrenner auf ein vollelektrisches Modell umsteigen.

Neue Plattformstrategie beschleunigt E-Auto-Rollout

Der schnelle Rollout der neuen E-Autos von Mercedes wurde erst durch die Elektroplattformen MMA und MB.EA möglich gemacht, welche wiederum als Basis für CLA und GLA beziehungsweise die neue C-Klasse und den GLC dienen. Bis Ende 2027 sind insgesamt 40 neue Modelle in Planung, was selbst für einen Branchenriesen wie Mercedes ein ambitioniertes Vorhaben darstellt.

Källenius zufolge liegt der Schlüssel für dieses Tempo in einer „durchdachten Architekturstrategie“, dank der man eben nicht jede Schraube an jedem Auto neu entwickeln müsse. Nur durch eine modulare Strategie mit gemeinsamer Softwareplattform ist es demnach möglich, nicht für jedes Modell von vorne anzufangen. Das Betriebssystem MB.OS läuft beispielsweise sowohl bei den neuen Verbrennern der C- und S-Klasse als auch bei der neuen elektrischen C-Klasse sowie dem GLC und CLA.

Wie man Verbrennerfans für Software begeistert

Auf die Frage hin, wie man das Interesse traditioneller Autofans von V8- und V12-Motoren auf bessere Wechselrichter und schnellere Chips lenken wolle, antwortet Källenius mit einem Vergleich: Das sei im Prinzip dasselbe wie die Prozessor-Debatte früherer Computerjahre, wobei der Technologiewettlauf nun eben auch im Auto stattfinde und Rechenleistung die neue wichtige Kennzahl sei.

Um sicherzustellen, dass auch die neuen E-Modelle den typischen Mercedes-Charakter behalten, testet Källenius die Fahrzeuge im „Kundenmodus“ und stellt sich stets die Frage, ob sich die Investition für den Käufer wirklich lohnt. Dabei fließe zwar immer mehr Zeit in Bedienoberflächen und die digitale Erfahrung, doch Fahrwerk und Handling bleiben natürlich weiterhin entscheidend. Schließlich habe jede Marke ihren ganz eigenen Charakter, wobei Mercedes-Kunden vor allem Sicherheit, Kontrolle und Komfort erwarten, sich aber auch die Möglichkeit wünschen, das Fahrzeug bei Bedarf fordern zu können.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs geht Källenius auch auf die Zukunft von AMG ein. Der Geschäftsbereich Affalterbach soll in Zukunft überproportional weiterwachsen. Dabei entwickelt AMG inzwischen sogar eigene, performance-optimierte Plattformen. Gleichzeitig sollen in vielen Bereichen jedoch auch die Synergien mit dem restlichen Konzern bestehen bleiben.

Mercedes will Architekt der eigenen Autos bleiben

Im Gegensatz zu vielen anderen Konzernen setzt Mercedes nach wie vor nicht auf Herstellerpartnerschaften. Dies begründet Källenius damit, dass man „das Ganze“ beherrschen müsse. Trotz enger Zusammenarbeit mit Technologieunternehmen und Zulieferern bleibe man als global führendes Unternehmen auch in Zukunft „die Architekten der Autos“.

Abschließend fragt Attwood, ob man angesichts der zunehmend ausgereiften E-Mobilität und den immer mehr von Software getriebenen Autos eine Verlangsamung der Fahrzeugentwicklung erwarte. Dem widerspricht Källenius klar: angesichts des Potenzials von KI würde er sogar eher eine Beschleunigung erwarten. Zudem würde die Erfindungslust nie enden und man sehe ja beispielsweise auch an der Formel 1, dass es immer neue Ideen gibt, um weiterzuentwickeln.

Quelle: Autocar – Exclusive: Mercedes boss on why car fans will love its future EVs

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Arun Niemann

Arun Niemann

Arun Niemann arbeitet nun seit 5 Jahren als Redakteur und Werbetexter und schreibt seit 2026 auch für Elektroauto-News.net. Dabei bringt ihn sein persönliches Interesse für makroökonomische Zusammenhänge und die bisherige redaktionelle Arbeit zu Finanz- und Wirtschaftsthemen, oft zu Beiträgen an der Schnittstelle zwischen Elektromobilität, Energiewende und Wirtschaft.

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