Erste Fahrt im getarnten AMG GT SUV vor Pebble Beach

Erste Fahrt im getarnten AMG GT SUV vor Pebble Beach
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Mercedes-AMG / press:inform

Stefan Grundhoff
Stefan Grundhoff
  —  Lesedauer 5 min

Der elektrische Mercedes AMG GT Viertürer wird kein Einzeltäter bleiben. Anzunehmen ist, dass der SUV-Bruder bei den internationalen Kunden noch besser ankommen dürfte. Wir haben bei der Erprobung hinter die Kulissen geschaut und sind nicht allein von bis zu 860 kW / 1169 PS und fast 2000 Nm beeindruckt.

Wer in der Autoszene etwas auf sich hält, der reist alljährlich in der dritten Augustwoche nach Monterey; genauer gesagt nach Pebble Beach, denn hier findet ein Autoevent statt, das weltweit keinerlei Konkurrenz kennt. Zwischen millionenschweren Klassikern, süßlichem Zigarrendunst und exklusiven Luxusmodellen, die um Kunden buhlen, mischen sich regelmäßig auch einige Prototypen, die Lust auf die automobile Zukunft machen sollen.

Nachdem der elektrische AMG GT Viertürer vor wenigen Monaten in Downtown Los Angeles eine überaus imposante Premiere feierte, folgt bald dessen potenter SUV-Bruder. Ebenfalls elektrisch und angesichts des anhaltenden SUV-Trends in den meisten Regionen wohl noch wichtiger für die sportlichen Affalterbacher. Bevor dieser Mitte Oktober seine offizielle Premiere feiert, konnten wir zusammen mit Entwicklungsingenieur René Szeczepek ein paar Runden an der amerikanischen Westküste drehen.

Getarnt unterwegs, doch die Faszination bleibt sichtbar

Die schwarz-weiße Tarnfolie ist wohl nicht der einzige Grund, weshalb sich rund um den pittoresken 17-Mile-Drive jeder nach dem elektrischen Mercedes-AMG GT SUV den Kopf verdreht, Fotoapparate gezückt werden und Carspotter die Ersatzakkus aus den Händen fallen. Die Erprobung des Power-SUV, der ebenso wie die Limousine keinen einfachen Namen trägt, geht in die finale Phase. Einen elektrischen Kraftprotz gibt es bei Marken wie Audi, Porsche, Tesla oder Xiaomi schon lange – mitunter sehr lange. Jetzt kommt der Doppelkonter aus Affalterbach.

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Nach dem AMG GT Viertürer ist der AMG GT SUV das zweite Modell auf der neu entwickelten AMG.EA-Plattform, die die elektrische Sportwagenwelt auf ein neues Level heben soll. Also einsteigen und auf dem bequemen Beifahrersitz in markigem blauen Leder Platz genommen, denn der eigene Lenkraddreh ist aktuell noch tabu – leider. René Szeczepek legt den Gang ein und erzählt beiläufig zum entspannten Elektrogalopp nebulös einiges, das man sich nach dem viertürigen Coupé bereits denken kann. Im Gegensatz zum Außendesign ist der Innenraum des SUV ungetarnt. Das Armaturenbrett mit seinen riesigen Displays passt besser zum SUV als zur Coupélimousine, und das Platzangebot im Fond ist bauartbedingt besser – speziell in der Höhe.

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Ein 10,2 Zoll großes Kombiinstrument und ein 14,0 Zoll großer Zentralbildschirm sind zum Fahrer geneigt zu einer Einheit zusammengefasst, während der Beifahrer auf ein eigenes Cockpit blickt. Als Software-Basis dient das Betriebssystem MB.OS, garniert mit mehreren KI-Diensten, darunter ChatGPT, Microsoft Bing und Google Gemini.

Wenn aus stiller Kraft plötzlich Wucht wird

Geht es um technische Details, wird der freundlich lächelnde René Szeczepek schnell wortkarg, doch kaum anzunehmen ist, dass sich Limousine und SUV bei der Basis nennenswert unterscheiden werden. So dürfte die Basisversion des Elektro-SUV mit zwei Elektromotoren zwischen 500 und 600 PS bekommen, ein Zwischenmodell mit 800 PS dürfte ebenfalls gesetzt sein, während ein möglicher AMG GT 63 SUV aus seinen dann drei Axial-Flussmotoren wohl bis zu 860 kW / 1169 PS herauspresst.

Die sogenannte High Performance Electric Drive Unit an der Hinterachse vereint zwei Axial-Fluss-Motoren, zwei Siliziumkarbid-Inverter und ein kompaktes Eingang-Planetenradgetriebe für maximalen Vortrieb, von dem man sich bei der Fahrt durch seichte Dünenkämme kaum ein Bild machen kann. Vorne arbeitet ein einzelner Axial-Fluss-Motor mit Stirnradgetriebe sowie eine Kupplung, die den vorderen Antrieb bei niedriger Last kappt, sodass keine Schleppverluste entstehen.

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Doch nur cruisen ist nicht die Sache eines AMG, und was die mehr als 1800 Newtonmeter Drehmoment bedeuten, wird deutlich, als René Szeczepek auf einem abgesperrten Teilstück kurz beschleunigt. Kurz gesagt: Bei dem Schub – unter nachgestelltem V8-Sound – entgleisen einem ernsthaft die Gesichtszüge. Wahnsinn. Damit die Leistung halbwegs auf den Boden gebracht werden kann, bieten Viertürer und SUV eine steife Plattform nebst integriertem Batteriepaket, variablem Allradantrieb und an der Hinterachse gewaltige 325er Walzen.

Zwischen den Antrieben holen sich die Elektromotoren ihre Leistung aus einem Hightech-Akku, der bis zu 600 Kilometer weit trägt. Geplant ist eine Schnellladung von bis zu 600 Kilowatt. Produziert wird der neue Hoffnungsträger in Sindelfingen – die technische Koordination kommt aus Affalterbach.

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Ein Akku, der Reichweite und Tempo verspricht

Die Batteriekapazität sollte bei 106 Kilowattstunden liegen, gepaart mit 800-Volt-Architektur, aufgeteilt in 18 Modulen mit 2660 Rundzellen und einer direkten Ölkühlung jeder einzelnen Zelle. Die Zellen sind wie beim viertürigen Coupé 105 Millimeter hoch und messen 26 Millimeter im Durchmesser. Die Idee dahinter: Je kürzer der Weg vom Zellkern zur Oberfläche, desto schneller wird Wärme abgeführt. Das Kühlmittel ist ein nichtleitendes Öl, das jede Zelle umströmt. Das Fahrwerk wirkt selbst im Komfortmodus stramm und energisch, wenn es über wellige Straßenzüge geht, während Luftfederung, Allradlenkung und Wankausgleich auch beim SUV gesetzt sein dürften.

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Vorne bietet der AMG GT SUV trotz Allradantrieb einen Frunk, der vielleicht sogar etwas größer als jene 41 Liter sein dürfte, die die Limousine offeriert. Um auf Wunsch Emotionen zu wecken, simuliert das System nach Vorgabe von Testingenieur René Szeczepek auf Knopfdruck einen kernigen V8-Sound nebst Zugkraftunterbrechungen bei Schaltvorgängen. Nochmals eine heftige Beschleunigung – wieder ohne Publikum, dem bei diesem Schubpotenzial wohl ähnlich die Sprache wegbleiben würde wie den Insassen.

Keine Frage: Dieser Mercedes-AMG GT SUV macht mächtig Druck auf Elektrokraftprotze wie den Porsche Cayenne Electric oder bevorstehende Wettbewerber aus Europa, Asien und den USA, die ebenfalls in den Startblöcken ihre letzten Erprobungskilometer sammeln.

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Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

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