Mercedes-Benz: China-Schwäche treibt neuen Stellenabbau

Mercedes-Benz: China-Schwäche treibt neuen Stellenabbau
Copyright:

Mercedes-Benz

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Beschäftigte von Mercedes-Benz in Verwaltung, Entwicklung und Produktionsplanung erhalten voraussichtlich ab Dezember erneut ein Angebot, das Unternehmen gegen eine Abfindung zu verlassen. Der Stuttgarter Autobauer belebt sein freiwilliges Abfindungsprogramm in den sogenannten indirekten Bereichen wieder. Die unmittelbare Produktion ist nach Angaben des Konzerns nicht betroffen. Mit der Bestätigung reagierte das Unternehmen auf Berichte mehrerer Medien, darunter die „Wirtschaftswoche“.

Neu ist der Kreis der Angesprochenen. Neben Tarifbeschäftigten sollen erstmals auch leitende Führungskräfte ein Angebot erhalten, wie Mercedes-Benz gegenüber dem SWR bestätigte. Die Konditionen sollen sich am vorherigen Programm orientieren. Bei diesem schieden Medienberichten zufolge rund 5500 Beschäftigte aus, teilweise gegen Abfindungen von mehreren Hunderttausend Euro.

Weiterhin gilt dabei das Prinzip der doppelten Freiwilligkeit. Ein Ausscheiden kommt nur zustande, wenn sowohl die jeweilige Person als auch der Arbeitgeber zustimmen. Für die Belegschaft heißt das: Niemand kann über das Programm zum Gehen gedrängt werden, umgekehrt besteht aber auch kein Anspruch auf eine Abfindung. Wie viele Stellen über die Neuauflage wegfallen sollen, teilt Mercedes bislang nicht mit. In Deutschland beschäftigt der Konzern insgesamt 108.000 Menschen.

Seine Entscheidung begründet der Autobauer mit der Lage im Markt. „Das wirtschaftliche Umfeld hat sich gegenüber dem vergangenen Jahr weiter verschlechtert“, erklärte Mercedes-Benz. Mit dem Sparprogramm seien bereits wichtige Schritte eingeleitet worden, um das Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen. Die erforderlichen strukturellen Anpassungen wolle man auch künftig verantwortungsvoll und sozialverträglich gestalten.

China bremst, andere Regionen gleichen nicht aus

Als wesentlichen Grund für die Neuauflage nennt Mercedes das schwach laufende Geschäft in China. Die bessere Entwicklung in anderen Regionen reiche nicht aus, um die Rückgänge dort zu kompensieren. Damit rückt ein Markt in den Mittelpunkt, der die Bilanz des Konzerns bereits seit geraumer Zeit belastet.

Ein Blick auf die Geschäftszahlen zeigt, wie lange die Schwächephase schon anhält. Bereits 2024 hatte das Ergebnis gegenüber dem Vorjahr um 28,4 Prozent nachgegeben. Im Jahr 2025 folgte ein Einbruch um knapp die Hälfte, von 10,4 Milliarden Euro auf 5,3 Milliarden Euro. Innerhalb von zwei Jahren hat sich der Gewinn damit deutlich verringert.

Erst im zweiten Quartal dieses Jahres verzeichnete Mercedes seit Langem wieder einen Zuwachs. Von April bis Juni kletterte das Konzernergebnis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 13,5 Prozent, von 957 Millionen Euro auf rund 1,09 Milliarden Euro. Auch in diesem Zeitraum zeigte sich jedoch das bekannte Muster: Das schwache China-Geschäft zog die Pkw-Sparte nach unten und dämpfte die Entwicklung im Kerngeschäft.

Hinzu kommt der Blick auf die Kostenstruktur. Mercedes-Benz will die Arbeitskosten in Deutschland senken, um wettbewerbsfähiger zu werden. Das Abfindungsprogramm ist damit nur ein Baustein eines breiter angelegten Sparkurses, der Verwaltung und Werke gleichermaßen betrifft.

Kostendruck rückt deutsche Werke in den Fokus

Produktionsvorstand Michael Schiebe (43) hatte in diesem Zusammenhang die Schließung von zwei Werken hierzulande angedroht, sollten die Kosten nicht sinken. Während die aktuelle Neuauflage die unmittelbare Produktion ausklammert, stehen die Standorte über diese Debatte dennoch unter Druck.

Innerhalb der Belegschaft stoßen die Pläne auf Widerstand. Zuletzt hatte es gegen die Vorhaben der Konzernführung immer wieder Protestaktionen gegeben. Das neu aufgelegte Programm startet somit in einer Phase, in der Mercedes neben dem freiwilligen Personalabbau in Verwaltung und Entwicklung auch die Senkung der Arbeitskosten an den deutschen Standorten vorantreibt.

Quelle: SWR – Mercedes startet neues Abfindungsprogramm / Manager-Magazin – Mercedes-Benz will Stellen über Abfindungen abbauen

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Mercedes Elektroautos

Mercedes erhöht Spardruck: Beschäftigte sollen länger arbeiten

Mercedes erhöht Spardruck: Beschäftigte sollen länger arbeiten

Daniel Krenzer  —  

Mercedes erhöht den Spardruck in Deutschland. Beschäftigte sollen länger arbeiten, zugleich stehen Sonderzahlungen und weitere Einschnitte zur Debatte.

Mercedes-Benz testet Gen4-Feststoffzellen von ProLogium

Mercedes-Benz testet Gen4-Feststoffzellen von ProLogium

Sebastian Henßler  —  

Die Gen4-Zellen von ProLogium sollen hohe Sicherheit, große Energiedichte und schnelles Laden verbinden und werden nun bei Mercedes-Benz getestet.

Mercedes-Manager: Darauf kommt es beim Durchbruch von E-Transportern an

Mercedes-Manager: Darauf kommt es beim Durchbruch von E-Transportern an

Arun Niemann  —  

Für den Durchbruch von E-Transportern im Gewerbe zählen laut Nutzfahrzeug-Chef Thomas Klein vor allem Wirtschaftlichkeit, Depotladen und weniger Bürokratie.

Trotz steigender Gewinne: Mercedes droht mit Schließung zweier deutscher Werke

Trotz steigender Gewinne: Mercedes droht mit Schließung zweier deutscher Werke

Tobias Stahl  —  

Mercedes könnte zwei Standorte in Deutschland schließen, falls die Lohnkosten nicht sinken, drohte Produktionsvorstand Schiebe bei einer Betriebsversammlung.

Mercedes VLE: Allrad-Version und günstigerer Einstieg

Mercedes VLE: Allrad-Version und günstigerer Einstieg

Daniel Krenzer  —  

Mercedes erweitert den elektrischen VLE um den 310 kW starken VLE 400 4Matic und senkt zugleich den Einstiegspreis des VLE 300 auf rund 70.700 Euro.

Elektrotrucker auf Weltreise: 45.000 km durch 30 Länder

Elektrotrucker auf Weltreise: 45.000 km durch 30 Länder

Sebastian Henßler  —  

Für die rund einjährige Reise nutzt Tobias Wagner einen eigens umgebauten eActros 600 mit 621 kWh Batteriekapazität und einer Expeditions-Wohnkabine.