Leapmotor B10 REEV: Nicht Fisch, nicht Fleisch

Leapmotor B10 REEV: Nicht Fisch, nicht Fleisch
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Leapmotor / Press-Inform

Stefan Grundhoff
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  —  Lesedauer 4 min

Auch wenn Autohersteller es gebetsmühlenartig anders herunterbeten: Das Reichweitenthema ist und bleibt bei vielen Kunden, die vom Verbrenner auf ein Elektroauto umsteigen wollen, ein zentraler Punkt. Da es daran gerade bei günstigeren Volumenmodellen oftmals hapert, geht Leapmotor den chinesischen Weg und bringt seinen B10 auch mit einem Range Extender.

Der Range Extender ist an sich an Relikt aus den Anfangszeiten des Elektroantriebs. Kleine Batterien, mäßige Akkutechnik – all das brachte Marken wie General Motors, Nissan oder BMW dazu, Elektromodelle mit einem zusätzlichen Verbrennungsmotor auszustatten, der eingreifen sollte, wenn die Batterie am Ende und keine Ladesäule in Sicht ist. An sich waren diese Range Extender bereits vom Markt verschwunden, doch in China sind diese beliebter denn je. Sogar Luxusmodelle von Maextro oder Li Auto sind neben dem normalen Elektromotor mit einem Range Extender ausgestattet, der die Fahrzeuge erst nach mitunter bis zu 1000 Kilometern wieder an Tankstelle oder Ladesäule zwingt.

Leapmotor, aktuell die wohl interessanteste Marke aus dem Stellantis-Konzern, bietet ihren Mittelklasse-Crossover B10 nicht allein als Elektroversion, sondern nunmehr auch mit einem Range Extender an. Da der Begriff unhandlich ist und sich viele Kunden unter dem Begriff kaum etwas vorstellen können, firmiert das Fahrzeug unter der Bezeichnung Leapmotor B10 Hybrid EV – mit einem Einstiegspreis von gerade einmal 32.400 Euro ein Schock für so manchen Wettbewerber. Die schickere Ausstattungslinie B10 Hybrid EV Design ist mit 33.900 Euro kaum teurer und lässt mit klimatisierten Kunstledersitzen, elektrischer Heckklappe, 18-Zoll-Alufelgen, Soundsystem und zwei Displays (8,8 und 14,6 Zoll Diagonale) kaum Kundenwünsche offen.

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Im Unterschied zum normalen Leapmotor B10 wird die 4,53 Meter lange Version mit Range Extender zwar auch von einem Elektromotor angetrieben, doch unter der Fronthaube arbeitet ein 1,5 Liter großer Benziner, der als Generator arbeitet und den Elektromotor je nach Fahrprogramm unterstützt oder Strom für das Batteriepaket produziert. Die Kombination aus 50-kW-Generator, 18,8 kWh großer Batterie und einem immerhin 50 Liter großen Benzintank sorgen für eine Gesamtreichweite von bis zu 900 Kilometern – das ist Dieselniveau wie bei einem VW Passat TDI oder einem BMW 320d. Aufkommende Selbstzündergefühle sind auf komfortablen Sitzen, die mehr Verstellmöglichkeit bieten könnten, mit einem nahezu geräuschlosen Elektroantrieb kombiniert.

Der Normverbrauch von 2,3 Litern fossilem Treibstoff wird im Alltag sicher kaum erreichbar sind, man wird eher mit dem zwei- bis dreifachen rechnen müssen – abhängig vom Elektro-Anteil versteht sich. Rein elektrisch kann der Leapmotor B10 allerdings nur knapp mehr als 80 Kilometer zurücklegen.

„Der B10 Hybrid EV ist ein immens wichtiges Modell für uns“

Leapmotor Deutschland Chef Martin Resch: „Unser Hybrid EV-Konzept wird viele Kunden ansprechen, die noch nicht vollständig überzeugt sind, dass reine Elektromobilität die richtige individuelle Mobilitätslösung für sie ist. Der B10 Hybrid EV ist damit ein immens wichtiges Modell für uns und wird helfen, die Brücke in die Elektromobilität zu bauen.“

Der Fahrer muss nicht zwischen zwei Antriebskonzepten umschalten, sondern fährt einfach los und kann dabei zwischen vier Modi wählen. Das Antriebspaket ist identisch mit dem großen Bruder C10 REEV, und so leistet auch der Heckantrieb des B10 Hybrid EV 158 kW / 215 PS. Rein elektrisch fährt der B10 nahezu geräuschlos, und selbst wenn sich je nach Fahrmodus oder Ladezustand der Batterie der Verbrenner zuschaltet, geschieht dies leise im Hintergrund. Dabei tritt der Hecktriebler auch ohne eine gigantische Leistungsausbeute Dank 240 Nm Drehmoment flott an, ehe es auf der Autobahn bei schnelleren Passagen eher müder wird. Abgeregelte 170 km/h Spitzentempo sind für manche vielleicht enttäuschend, für andere aber mehr als ausreichend. Das Fahren selbst präsentiert sich komfortabel, aber betont abgekoppelt, denn die Lenkung ist ebenso gefühllos wie leichtgängig. Über lange Bodenwellen rutscht der B10 lässig hinweg, während er Querfugen und größere Unebenheiten nicht ganz überspielen kann, während ihm in schnell gefahrenen Kurvenpassagen die nötige Abstützung nach außen fehlt und die Karosserie so wankt.

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Mäßig präsentiert sich leider auch das Ladetempo, denn hier wird dem Leapmotor B10 Hybrid EV seine Plattform zum Verhängnis. Die bietet zwar viel Platz im Innern für vier oder gar fünf Personen, ansprechende Materialien und zwei mit Informationen überfrachtete Bildschirme, die etwas Eingewöhnungszeit bedürfen, doch an der Ladesäule arbeitet der chinesische Crossover spürbar träger als an der Tankstelle. 46 kW DC-Ladegeschwindigkeit und nur einphasiges AC-Laden mit 6,6 kW sind im Alltag nicht viel, um das 18,8-kWh-Batteriepaket erstarken zu lassen.

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Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

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