Zwei Jahre und ein wenig mehr liegen zwischen meiner ersten und meiner aktuellen Fahrt mit dem Cupra Tavascan VZ. Damals fuhr das SUV-Coupé bei mir vor, um zu zeigen, dass sich Cupra vom MEB-Einheitsbrei des VW-Konzerns lösen kann. Jetzt stand der VZ 4Drive wieder für zwei Wochen bei mir, Ende Juni bis Mitte Juli, diesmal in Century Bronze Matt, mit Adrenaline Pack, Below Zero Pack samt Wärmepumpe und vorbereiteter Anhängevorrichtung. Die Frage, die mich diesmal eher interessiert als ein kompletter Rundumschlag: Was hat sich seit 2024 tatsächlich getan, und was ist beim Blechkleid und beim Antrieb einfach beim Alten geblieben?
Cupra selbst hat im März ein umfassendes Update für den Tavascan angekündigt, mit neuer Einstiegsvariante, größerem Cockpit-Display, neuem Lenkrad und überarbeiteter Software. Mein Testwagen kam allerdings noch vor diesem Rollout zu mir, laut Cupra sollen die ersten aktualisierten Fahrzeuge erst nach der Sommerpause ausgeliefert werden. Am Blechkleid selbst hat sich dagegen ohnehin wenig verändert, die coupéhafte Linie mit tief gezogener Dachlinie, die dreieckigen Lichtsignaturen und das beleuchtete Logo an Front und Heck sind geblieben, wie ich sie 2024 kennengelernt habe.
Neu ist vor allem die Lackierung, das matte Bronze wirkt ruhiger und eleganter als der helle Farbton, dem ich beim ersten Test begegnet bin. Im Innenraum setzt das Adrenaline Pack mit den Sportschalensitzen in Dark Night Blue und den Dekorelementen in Dark Ice Metal einen hochwertigen Akzent, ergänzt um Panorama-Glasdach und das Sennheiser-Soundsystem mit Contrabass-Technologie.
Gereifte Software statt neuer Hardware
Wer nach der großen Cupra-Ankündigung vom März ein komplett neues Cockpit erwartet, wird bei meinem Testwagen noch enttäuscht: Hinterm Lenkrad sitzt weiterhin das kompakte 5,3-Zoll-Display für die Fahrinformationen, unverändert zu 2024. Das größere, 10,25 Zoll messende Virtual Cockpit, das Cupra für die überarbeitete Modellpalette angekündigt hat, gehört noch nicht zu meinem Testwagen, es kommt laut Hersteller erst mit den Fahrzeugen, die nach der Sommerpause vom Band laufen.



Auch das Lenkrad mit den physischen Tasten ist keine Neuerung, das hatte ich schon 2024 in den Händen, insofern bleibt dieser Punkt beim Vergleich außen vor. Überzeugt im Alltag dennoch, ohne unangenehm aufzufallen.
Was sich für mich im Alltag trotzdem verändert anfühlte, war die Software selbst. Grundsätzlich läuft auf meinem Testwagen dasselbe Infotainment-System wie 2024, spürbar flüssiger und angenehmer in der Bedienung war es aber trotzdem, vermutlich ein Resultat der Over-the-Air-Updates, die in den vergangenen zwei Jahren eingespielt wurden.


Ein Beleg im engeren Sinn lässt sich daraus nicht ziehen, aber der Eindruck war deutlich genug, dass ich ihn hier festhalten möchte. Auf das neue, Android-gestützte Infotainment-System mit eigenem App-Store, das Cupra im März angekündigt hat, darf man dagegen erst mit den kommenden Modelljahren gespannt sein.
Antrieb unverändert, Bremsgefühl mit Fragezeichen
Bei Motor und Fahrwerk gilt dagegen: gleich geblieben. 250 kW (340 PS), 545 Newtonmeter, 5,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h, 180 km/h Spitze, das sind exakt die Werte, die schon 2024 auf dem Datenblatt standen. Auch im Fahrgefühl bestätigt sich das, straff und sportlich abgestimmt, mit ordentlichem Anzug selbst im normalen Fahrmodus, ganz ohne dass ich den dedizierten Cupra-Modus hätte bemühen müssen. Die adaptive Fahrwerksregelung DCC und die Progressivlenkung halten das Auto auch bei zügigerer Kurvenfahrt sauber auf Kurs.


Beim Bremsgefühl dagegen habe ich einen anderen Eindruck mitgenommen als 2024. Damals empfand ich die Verzögerung im ersten Drittel des Pedalwegs als träge und wenig progressiv. Diesmal war es fast das Gegenteil: Die Bremsen greifen kräftig, teils regelrecht abrupt, sodass ich mir das Gefühl für den Pedalweg erst erarbeiten musste. Ob sich an der Abstimmung tatsächlich etwas verändert hat oder ich schlicht anders unterwegs war, kann ich aus meinem Test allein nicht beantworten.
Im Austausch mit Kolleg:innen, die den Tavascan VZ ebenfalls gefahren sind, wurde deutlich, dass die Einschätzungen hier auseinandergehen, die einen empfinden die Bremse als vorbildlich standfest, andere wie ich eher als gewöhnungsbedürftig. Offenbar spielen Gewöhnung und persönliches Empfinden hier eine größere Rolle als eine tatsächliche technische Veränderung.



Bei der Rekuperation bin ich überwiegend im Normalmodus unterwegs gewesen, und dort verhält sich der Tavascan eher segelnd, sobald man vom Strompedal geht. Im Stadtverkehr bei niedriger Geschwindigkeit machte mir das die Sache anfangs schwerer, weil die Verzögerung ausbleibt und das Auto einfach weiterrollt. Ich habe deshalb viel mit den Schaltwippen am Lenkrad gespielt und die Rekuperationsstufe je nach Situation angepasst, im dichten Stadtverkehr kräftiger, auf freier Landstraße eher zurückgenommen, um den Schwung mitzunehmen. Dazu bietet Cupra mit Range, Comfort, Performance, Cupra, Individual und Traction gleich sechs Fahrmodi, über die sich der Charakter des Autos merklich verändern lässt.
Verbrauch fast wie ein Déjà-vu
Nach über 600 gefahrenen Kilometern zeigte mein Bordcomputer 19,3 kWh auf 100 Kilometer, ein Wert am oberen Ende der von Cupra angegebenen 16,7 bis 19,4 kWh/100 km. Der eigentlich bemerkenswerte Teil daran: Genau diesen Wert, 19,3 kWh/100 km, hatte ich schon 2024 nach 1500 gefahrenen Kilometern notiert. Bei unterschiedlicher Strecke, unterschiedlichem Wetter und unterschiedlicher Fahrweise ist das kein Beweis für Stillstand, aber schon ein Indiz dafür, wie konstant sich der Tavascan in seinem Verbrauchsband bewegt.

Um diesen Wert besser einordnen zu können, habe ich mir angeschaut, wie andere Tester unter anderen Bedingungen abgeschnitten haben. Das Bild schwankt naturgemäß stärker als mein eigener Wert: Bei kalter Witterung und höherem Autobahnanteil wurden schon Durchschnittsverbräuche von über 27 kWh/100 km gemessen, mit entsprechend geringerer Reichweite von etwas über 300 Kilometern. Unter milderen Bedingungen und moderatem Tempo lagen andere Tests eher zwischen 18 und 21 kWh/100 km, mit realistischen 400 Kilometern Reichweite im Alltag. Mein eigener Wert liegt also im erwartbaren Rahmen, die kombinierte WLTP-Reichweite gibt Cupra je nach Konfiguration ohnehin mit 455 bis 527 Kilometern an.

Geladen habe ich sowohl an der Wallbox als auch an der Schnellladesäule, ohne dabei die theoretisch möglichen 135 kW auszureizen. Vermutlich hätte eine gezielte Vorkonditionierung des Akkus mehr Ladeleistung herausgeholt, die Funktion versteckt sich aber recht tief im Untermenü und drängt sich im Alltag nicht von selbst auf. Laut Datenblatt liegt die Ladezeit an der Schnellladesäule mit 135 kW von 10 auf 80 Prozent bei rund 29 Minuten, am 11-kW-Wechselstromlader dauert eine vollständige Ladung von 0 auf 100 Prozent rund acht Stunden.
Platz für die Familie, Assistenz ohne Auffälligkeiten
Die Sportschalensitze aus dem Adrenaline Pack, inklusive pneumatisch verstellbarer Lendenwirbelstütze, ließen sich gut auf meine Bedürfnisse einstellen und blieben auch nach längeren Etappen angenehm. Der Kofferraum bietet mit 540 Litern ordentlich Platz für den Alltag, und wer die zweite Sitzreihe umlegt, gewinnt spürbar mehr Stauraum dazu, gerade für Wochenendtrips oder größere Einkäufe kein Nachteil.

An Bord ist praktisch das komplette Assistenzpaket, von der automatischen Distanzregelung über den Spurwechselassistenten Side Assist bis zum Notbremsassistenten Front Assist mit Fußgänger- und Radfahrererkennung. Auffällige Situationen, in denen mir eines dieser Systeme im Test besonders positiv oder negativ ins Auge gefallen wäre, gab es in meinem Testzeitraum nicht, was ich als solides, unauffälliges Funktionieren werte.



Mein Testwagen bringt über das Adrenaline Pack außerdem ein paar Komfortdetails mit, die ich im Alltag nicht aktiv genutzt, aber auf dem Papier interessant finde. Dazu zählen die elektronisch gesteuerten, intelligenten Luftausströmer, die laut Cupra bereits vorbelüften, sobald sich der Fahrzeugschlüssel nähert, und sich zusätzlich per Sprachbefehl steuern lassen. Ebenfalls an Bord ist die Vorbereitung für den digitalen Fahrzeugschlüssel, mit dem sich der Tavascan künftig per Smartphone entriegeln und starten lassen soll, laut Cupra soll die Funktion allerdings erst gegen Ende 2026 tatsächlich freigeschaltet werden. Und auch die Vorbereitung für Vehicle-to-Load ist enthalten, über einen entsprechenden Adapter ließe sich der Tavascan damit künftig als mobile Stromquelle für Laptop, E-Bike oder Soundsystem nutzen.
Cupra Tavascan VZ: günstigerer Einstieg, teurere Extras
Der Cupra Tavascan VZ 4Drive mit 250 kW und 77 kWh startet aktuell bei 58.950 Euro, und das ist tatsächlich ein Beleg dafür, dass sich etwas bewegt hat, ganz ohne neue Hardware. 2024 lag der Einstiegspreis noch bei 60.780 Euro. Mein aktueller Testwagen kam durch das Adrenaline Pack (4895 Euro), die vorbereitete Anhängevorrichtung (1350 Euro), das Below Zero Pack samt Wärmepumpe (1500 Euro) und die Sonderlackierung Century Bronze Matt (2500 Euro) auf einen Gesamtpreis von 69.195 Euro, deutlich mehr als die 64.390 Euro meines Testwagens von 2024.
Der Grund dafür liegt weniger im Grundpreis als in den Paketen selbst: Das Adrenaline Pack bündelt inzwischen deutlich mehr Ausstattung, von 21-Zoll-Rädern über das Panorama-Glasdach bis zum Sennheiser-Soundsystem, und hat dementsprechend auch im Preis zugelegt.
Am Ende bleibt ein Auto, das sich in der Substanz kaum verändert hat: Antrieb, Fahrwerk und Verbrauch stehen fast auf den Punkt genau dort, wo sie 2024 standen, das größere Cockpit und die neue Software aus der März-Ankündigung sind bei meinem Testwagen noch nicht angekommen. Was sich wirklich zeigt, ist eine gereifte, flüssigere Bedienung im Hintergrund und ein gesunkener Einstiegspreis.
Wer sportliche Fahrleistungen, Platz für die Familie und ein eigenständiges Design sucht, bekommt mit dem Tavascan VZ 4Drive weiterhin ein stimmiges Gesamtpaket, das große Update aus dem März dürfte das Gesamtbild aber noch einmal spürbar verschieben, sobald es in den ersten Fahrzeugen ankommt.
Disclaimer: Der Cupra Tavascan VZ wurde uns für diesen Testbericht kostenfrei für den Zeitraum von zwei Wochen von Cupra zur Verfügung gestellt. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf unsere hier geschriebene ehrliche Meinung.









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