Ladetarifdschungel: Auf und Ab an der Ladesäule

Ladetarifdschungel: Auf und Ab an der Ladesäule
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Tesla

Patrick Solberg
Patrick Solberg
  —  Lesedauer 4 min

Das wäre etwas, wenn die Preise für das Nachladen an einer Säule ebenso transparent wie an einer Tankstelle wären. In einigen Ländern gibt es diesen Service lokal bereits, doch in Europa muss zumeist jeder selbst darauf achten, damit es bei der Monatsabrechnung keine böse Überraschung gibt.

Wer zu Hause nachlädt, ist bei seinem Elektroauto oder dem Plug-in-Hybriden auf der sicheren Seite. Denn entweder ist der Strom über die Sonnenkollektoren auf dem Dach ohnehin kostenlos eingespeist oder über den gebuchten Stromtarif des Hauses weiß jeder, was er für eine Kilowattstunde Energie bezahlt. Wer mit seinem elektrisierten Fahrzeug unterwegs ist und öffentlich lädt, muss dagegen schon genauer hinschauen.

Viele haben mit dem Neukauf, der Miete oder dem Leasing gleich einen festen Ladetarif mitgekauft. Je nach Hersteller sind das zum Beispiel 39 bis 59 Cent pro Kilowattstunde im Volumentarif. Diese sind jedoch meist nur dann besonders günstig, wenn man ähnlich dem eigenen Smartphone eine monatliche Grundgebühr bezahlt. Diese macht sich insbesondere dann positiv auf der Gesamtrechnung bemerkbar, wenn der Autofahrer oft auf längeren Strecken unterwegs ist und entlang der Hauptverkehrsrouten an Hyperchargern nachtankt.

Doch der Tarifdschungel wird national wie international immer größer. In den vergangenen Monaten haben mehrere Stromanbieter spürbar ihre Tarife erhöht, und gerade das schnelle Nachladen an einem Autobahn-Hypercharger kann richtig ins Geld gehen, wenn der rechte Ladetarif nicht gebucht wurde. Als einer der größten Anbieter in Europa bietet Ionity als Zusammenschluss verschiedener Autohersteller aktuell zwei Ladetarife an. Ohne Grundgebühr im sogenannten Ionity Direct kostet eine Kilowattstunde 69 Cent. Wer sich für den Ionity Passport entscheidet, reduziert den Preis auf 49 Cent je kWh, zahlt jedoch eine monatliche Basispauschale von 5,99 Euro.

Fast identisch sieht es bei Netzbetreiber EnBW aus. Die Schwaben bieten im Bereich der Elektromobilität aktuell drei Tarife an. Ohne Grundgebühr im Tarif S kostet eine Kilowattstunde an eigenen EnBW-Ladestationen 61 Cent; bei Fremdanbietern bereits 69 Cent je kWh. Eine separate Ladekarte zum einfachen Handling schlägt mit 9,90 Euro ins Kontor. Für Strecken ab 250 Kilometer pro Monat soll nach EnBW-Angaben der Tarif M lohnen, der pauschal 5,99 Euro pro Monat kostet und die Gebühren pro Kilowattstunde auf 57 beziehungsweise 49 Cent reduziert. Deutlich günstiger mit 30 Cent pro kWh ist erst der EnBW-Tarif L, der sich ab 600 Kilometern lohnen soll und eine monatliche Basisgebühr von stattlichen 17,99 Euro kostet – zumindest inklusiv der Ladekarte. An EnBW-Ladestationen kostet die kWh 39 Cent im Fremdnetz 50 Cent.

Fastned hat sich den vergangenen Jahren durch moderne Ladestationen mit hohen Ladegeschwindigkeiten einen Namen machen können. Wer einfach bei Fastned lädt, zahlt jedoch 69 Cent pro kWh und erst als sogenannter Gold Member für 11,99 Euro im Monat gibt es einen Rabatt von 30 Prozent (25 Prozent in Frankreich) auf den Ladepreis. Noch teurer ist es bei Aral im Angebot von Charge Plus, denn ohne einen entsprechenden Vertrag kostet eine Kilowattstunde stattliche 79 Cent. Ab dem 1. August arbeitet Aral zum Beispiel auch mit dem ADAC zusammen, die zuvor eine Tarifkooperation mit EnBW hatten. Bisher kostet eine kWh 51 Cent bei EnBW, bei Fremdbetreibern 60 Cent und bei Ionity und EWE Go sogar 79 Cent.

Shell betreibt zunehmend ein größer werdendes eigenes Ladenetz unter dem Titel Shell Recharge, dessen Preise für eine Kilowattstunde zwischen 64 und 84 Cent an einem Schnelllader liegen. Bisweilen fällt sogar noch eine Transaktionsgebühr pro Ladevorgang an. EWE Go ist an immer mehr Schnellrestaurants von McDonalds vertreten. Die Ladekarte selbst ist kostenlos und die Tarife pro Kilowattstunde liegen bei 49 / 59 Cent bei normaler Ladung und bei 59 / 64 Cent bei Schnellladung mit mehr als 150 kW.

Tesla hat seine Supercharger nunmehr flächendeckend auch für die Fahrer anderer Automarken geöffnet, jedoch müssen diese etwas höhere Strompreise bezahlen. Die Preise an den Tesla Ladesäulen sind europaweit nicht einheitlich und liegen je nach Region und Uhrzeit zumeist zwischen 33 und 46 Cent je kWh. Bei einem Fremdfabrikat läuft der Ladevorgang ausschließlich per App und kostet für eine Stromeinheit zwischen 50 und 65 Cent. In Ländern wie Frankreich oder den Niederlanden sind die Preise – nicht nur am Tesla Supercharger – bisweilen deutlich günstiger als in Deutschland.

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