Das Wachstum des öffentlichen Ladenetzes in Europa hat sich im vergangenen Jahr merklich verlangsamt, die installierte Ladekapazität legte jedoch kräftig zu. Das geht aus dem neuen Charging Report des Aachener Energiemanagementsystem-Anbieters gridX hervor. Demnach führt Deutschland beim Ausbau besonders leistungsstarker Schnellladepunkte – mit Blick auf die bloße Zahl an öffentlichen Ladepunkten liegen jedoch die Niederlande vorn.
Ende 2025 hat Europa die Marke von 1,2 Millionen öffentlicher Ladepunkte geknackt. Insgesamt 1.215.706 Ladepunkte zählte gridX in den 27 EU-Mitgliedstaaten und in der Schweiz, Liechtenstein, Norwegen, Island und im Vereinigten Königreich. Das entspricht einem Plus von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr – 2024 hatte das Wachstum noch bei 37 Prozent gelegen. Binnen fünf Jahren hat sich die Zahl öffentlicher Ladepunkte nahezu verfünffacht, rechnet gridX vor: 2020 waren es europaweit noch gut 251.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte.
Ladepunktbetreiber setzen verstärkt auf mehr Leistung
Während sich der Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur zahlenmäßig verlangsamt, zieht die installierte Ladekapazität merklich schneller an: Im vergangenen Jahr legte sie um 36 Prozent auf 48,1 Gigawatt zu, nachdem das Wachstum im Vorjahr noch bei 23 Prozent gelegen hatte. Bedeutet: Neu installierte Ladepunkte haben im Schnitt eine immer höhere Leistung. Die durchschnittliche Leistung je Ladepunkt stieg 2025 auf 43 Kilowatt, ein Kilowatt mehr als 2024. Die Autoren des Charging Reports begründen das mit einem strukturellen Wandel, in dessen Zuge die Ladepunktbetreiber („Charge Point Operators“ oder CPOs) zunehmend auf leistungsfähigere Infrastruktur statt auf bloße Stückzahlen setzen.
Im Vergleich von Gleich- und Wechselstromladesäulen zeigt sich die Entwicklung besonders deutlich: Die Wachstumsrate der schnelleren Gleichstrom-Ladepunkte (DC) lag 2025 europaweit bei 38,5 Prozent – mehr als doppelt so hoch wie die Wachstumsrate der Wechselstrom-Ladepunkte (AC) mit 15,3 Prozent. Der Anteil der Schnellladepunkte mit besonders hoher Ladeleistung ab 150 kW („Ultra-Fast-Charger“) stieg von 9,8 Prozent auf 11,8 Prozent aller öffentlichen Ladepunkte.
Ultra-Fast-Charger sind demnach vor allem in Deutschland beliebt: Im europäischen Vergleich hat kein anderes Land mehr Ladepunkte mit Leistungen von 150 kW oder mehr – insgesamt 38.138 solcher Ladepunkte gab es im vergangenen Jahr hierzulande. Damit liegt Deutschland deutlich vor Frankreich mit 22.858 ultraschnellen Ladepunkten und dem Vereinigten Königreich (12.246).
Deutschland hat knapp fünfmal mehr öffentliche Ladepunkte als noch 2020
Insgesamt zählte gridX in Deutschland 200.830 öffentliche Ladepunkte. Das entspricht einem Wachstum von gut 387 Prozent gegenüber 2020. Damit liegt Deutschland europaweit auf Platz 2, knapp hinter den Niederlanden mit insgesamt 202.833 öffentlichen Ladepunkten. Mit Blick auf die absolute Ladekapazität liegt Deutschland laut gridX mit 9,9 Gigawatt auf dem ersten Platz in Europa, gefolgt von Frankreich mit 6,7 Gigawatt und dem Vereinigten Königreich mit 4,8 Gigawatt.
Der Anteil der Ultra-Fast-Charger an allen deutschen Ladepunkten lag 2020 noch bei rund 4 Prozent. Im vergangenen Jahr lag der Anteil bereits bei 19 Prozent. Im gleichen Zeitraum sank der Anteil langsamerer AC-Ladepunkte mit 7,4 bis 22 Kilowatt von 85 auf 73 Prozent. In Deutschland legte die installierte Ladekapazität 2025 mit einem Plus von 40 Prozent zudem deutlich stärker zu als die bloße Zahl an Ladepunkten (plus 26 Prozent).
Niederlande haben das dichteste Ladenetz – in Deutschland deutlich lückenhafter
Hinsichtlich der Ladepunktdichte je Einwohner führen ebenfalls die Niederlande: Im Schnitt müssen sich dort 1.000 Einwohner 11,0 Ladepunkte teilen. Dänemark und Belgien kommen auf eine Ladepunktdichte von 8,4 pro 1.000 Einwohner. Deutschland liegt mit 2,6 Ladepunkten je 1.000 Einwohner deutlich darunter. Bei der öffentlichen Ladekapazität pro 100 Einwohner:innen war Island mit 57,8 kW führend, vor Norwegen mit 52,7 kW.
Die osteuropäischen und baltischen Länder erzielten 2025 ein vergleichsweise hohes Kapazitätswachstum: Lettland konnte seine Ladekapazität pro 100 Einwohner gegenüber dem Vorjahr um 139 Prozent steigern, Estland um 118 Prozent. Auch Rumänien (plus 111 Prozent), Litauen (plus 84 Prozent) und Polen (plus 70 Prozent) verzeichneten starke Kapazitätszuwächse – was jedoch wohl auch damit zusammenhängt, dass diese Länder von einem vergleichsweise niedrigen Ausgangswert starteten. In den Niederlanden wuchs die Ladekapazität pro 100 Einwohner indes um überraschend geringe 13 Prozent, heißt es in dem Report.
Ladenetzbetreiber sorgen sich vor allem um mangelnde Netzkapazitäten
gridX hat im Rahmen des Reports außerdem vier europaweit tätige Ladenetzbetreiber nach den ihrer Meinung nach wichtigsten strukturellen Herausforderungen befragt. Als größtes Hemmnis beim weiteren Ausbau des Ladenetzes nannten alle vier befragten Unternehmen die Sicherstellung ausreichender lokaler Netzkapazitäten für die Entwicklung neuer Standorte.
Ebenfalls übereinstimmend gaben die befragten Unternehmen an, ihre Ladestationen bis 2030 um Batteriespeicher ergänzen zu wollen. Diese sollen hohen Kosten für den Netzanschlussausbau kurzfristig entgegenwirken und dabei unterstützen, Netzentgelte zu senken. Langfristig dürften die Energiespeicher laut gridX zudem eine Grundlage für die Flexibilitätsvermarktung und damit einhergehende neue Einnahmequellen bilden.
Quelle: gridX – Charging Report 2026







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