Im aktuellen Podcast spreche ich mit Max Lion Scherer, COO von Monta, im Headquarter des Unternehmens in Kopenhagen. Max ist seit etwas über fünf Jahren an Bord, also fast seit Gründung. Gemeinsam mit Casper hat er eine Software-Plattform aufgebaut, die heute zu den jüngsten und gleichzeitig dynamischsten Marktteilnehmern im europäischen Lademanagement zählt. Gebürtig aus Berlin, kam Max über den Job seiner Frau nach Dänemark und stieg dort mitten in der Pandemie bei Monta ein. Sein Aufgabenbereich umfasst heute das People Team, das Executive Office, die Produktteams für App und EMSP-Roaming sowie die Bereiche Professional Services und API.
Monta versteht sich als reiner Software-Anbieter und positioniert sich als Charge-Point-Management-System für Betreiber von Ladeinfrastruktur. Von der Endkundenanwendung über Tarifgestaltung, Flottenlösungen und Roaming bis hin zur Zahlungsabwicklung deckt die Plattform die gesamte Breite ab. „Wir machen nur Software“, betont Max. Aber so einfach ist es dann doch nicht, wie man im Verlauf des Gesprächs merken wird.
Ein hartes Jahr 2025 und der Weg nach vorne
Auch das schwierige Jahr 2025, in dem Monta knapp ein Fünftel der Belegschaft entlassen musste, kommt im Gespräch zur Sprache. Max ordnet das offen ein: Das Team sei für ein deutlich schnelleres Wachstum aufgestellt gewesen, der Markt habe sich aber langsamer entwickelt als erwartet. Ladeinfrastruktur und E-Auto-Verkäufe sind zwei Indikatoren, die Monta nicht selbst beeinflussen kann. Inzwischen sieht er den Trend wieder nach oben gerichtet. Allein im vergangenen Jahr verzeichnete die Plattform 120 Prozent Wachstum bei den Ladevorgängen gegenüber dem Vorjahr.
Die zentrale Botschaft, die sich durch das Gespräch zieht: Hardware ist nicht das Problem, Software ist die Lösung. Wer als Betreiber Geld verdienen will, muss bei den operativen Kosten ansetzen. Genau hier setzt Monta an und versucht, dem einzelnen Mitarbeitenden auf Betreiberseite, wie Max es nennt, „Superkräfte zu geben“. Ein Beispiel aus den USA: Ein Kunde konnte seine operativen Kosten allein durch den Wechsel des Anbieters um 50 Prozent senken.
KI als entscheidender Hebel im Ladealltag
Besonders intensiv wird es beim Thema Künstliche Intelligenz. Monta setzt diese aktuell an drei Stellen ein – im Chatbot, im Voice-Support am Telefon und im Network Operations Center Agent für die Fehleranalyse. Der Voice-Agent nimmt innerhalb einer Sekunde ab, löst nach rund zwei Minuten das Anliegen und beantwortet je nach Betreiber 70 bis 80 Prozent aller Anrufe. Übersetzt in 13 Sprachen, ohne dass ein eigenes Callcenter pro Land aufgebaut werden muss. „Das ist Geld, was einfach in der Tasche bleibt“, so Max mit Blick auf die Kosteneinsparung für die Betreiber.
Der NOC-Agent wiederum zieht aus Millionen Ladevorgängen, OCPP-Logs und Hardware-Manuals binnen Sekunden eine Root-Cause-Analyse und schlägt eine Lösung vor. Damit rückt auch die vorausschauende Wartung näher, ein Schlüsselelement gerade für Depot- und Flottenladen. Beim Datenschutz verweist Max auf ISO 27001, SOC 2, jährliche Audits durch PwC und ein europäisches Hosting. Personenbezogene Daten fließen nicht in Trainingsdatensätze.
Märkte, Migrationen und der Blick nach vorne
Ein weiterer roter Faden ist der Vergleich der Märkte. Dänemark liegt bei über 90 Prozent E-Anteil bei Neuzulassungen, Norwegen bei mehr als 50 Prozent im Bestand, Deutschland bei vier Prozent. Vieles aus Dänemark lasse sich übertragen, betont Max, manches aber auch nicht. Firmenwagen etwa seien hierzulande ein zentrales Thema, in Dänemark dagegen kaum relevant. Über 70 Prozent des aktuellen Wachstums von Monta kommen aus Migrationen bestehender Betreiber von anderen Plattformen, fast 100.000 Ladepunkte wurden bereits übernommen.
Sein Blick auf die nächsten drei bis fünf Jahre ist klar: Die öffentliche Ladequote muss von heute rund 20 Prozent Fehlerquote auf unter ein Prozent. Preistransparenz, dynamische Tarife, V2H und V2G werden zum Pflichtprogramm für jede Plattform. Nun aber genug der Vorrede – steigen wir direkt ein in das Gespräch mit Max Lion Scherer.
Gerne kannst du mir Fragen zur E-Mobilität, die dich im Alltag beschäftigen, per Mail zukommen lassen. Die Antwort darauf könnte für andere Hörer des Podcasts ebenfalls von Interesse sein. Wie immer gilt: Über Kritik, Kommentare und Co. freue ich mich natürlich. Also gerne melden, auch für etwaige Themenvorschläge. Und über eine positive Bewertung beim Podcast-Anbieter deiner Wahl freue ich mich natürlich auch sehr! Danke.








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