Kia und Hyundai verlieren Kunden an China

Kia und Hyundai verlieren Kunden an China
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Sebastian Henßler
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Chinesische Automobilhersteller bauen ihre Position auf dem deutschen Markt weiter aus, und ausgerechnet die koreanischen Marken Hyundai und Kia zählen zu den größten Verlierern dieser Entwicklung. Der Marktanteil chinesischer Marken in Deutschland stieg im ersten Halbjahr 2026 auf 3,8 Prozent, nach 2,2 Prozent im Vorjahreszeitraum. Da die Gesamtnachfrage stagniert, geht jeder Zugewinn unmittelbar zulasten etablierter Anbieter. Eine aktuelle Erhebung der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) zeigt dabei ein auffälliges Muster: Besitzer:innen koreanischer Fahrzeuge sind deutlich wechselbereiter als Kund:innen anderer Marken.

Laut der DAT-Umfrage könnte sich fast jede:r zweite Besitzer:in einer koreanischen Marke beim nächsten Autokauf ein chinesisches Modell vorstellen, jede:r fünfte würde sich sogar definitiv dafür entscheiden. Bei Kund:innen japanischer Marken zeigt sich ebenfalls Offenheit, knapp ein Drittel wäre bereit zu wechseln, wobei der Anteil derjenigen mit fester Wechselabsicht mit rund zwölf Prozent deutlich niedriger liegt. Besitzer:innen deutscher Marken zeigen sich hingegen zurückhaltender. Nur etwa ein Viertel kann sich einen Umstieg vorstellen, mehr als 30 Prozent schließen ihn kategorisch aus.

Für Martin Weiss, Leiter Fahrzeugbewertung bei der DAT, kommt die Wechselbereitschaft von Hyundai- und Kia-Kund:innen wenig überraschend. Koreanische und chinesische Hersteller sprechen demnach dieselbe Zielgruppe an, zudem hätten koreanische Marken bereits jene Marktentwicklung durchlaufen, die chinesische Hersteller aktuell erleben. „Koreanische Marken galten lange als Preis-Leistungs-Angebote und mussten sich gegen etablierte japanische und deutsche Wettbewerber behaupten. Ihre Kundschaft ist deshalb grundsätzlich offener für Neues, solange der Preis stimmt“, so Weiss. Benjamin Kibies, Senior-Automobilanalyst beim Marktforscher Dataforce, teilt diese Einschätzung: „Der psychologische Sprung von einer koreanischen zu einer chinesischen Marke ist deutlich kleiner als der von einer deutschen Marke.“

Auch VW, Ford und Opel spüren China-Konkurrenz

Die Zahlen von Dataforce untermauern diesen Befund. Bei MG stammten 7,9 Prozent der Neukund:innen zuvor von Hyundai, 4,3 Prozent von Kia. Bei BYD kamen 6,5 Prozent der Käufer:innen von Hyundai und 5,1 Prozent von Kia. Gemessen an den tatsächlichen Marktanteilen der beiden koreanischen Marken, 2,1 Prozent bei Kia und 3,3 Prozent bei Hyundai im ersten Halbjahr 2026, fallen diese Werte überproportional hoch aus. „Ehemalige Hyundai- und Kia-Fahrer:innen sind unter den Neukund:innen von BYD und MG deutlich überrepräsentiert. Rein nach Marktanteil müssten beide koreanischen Marken als Kundenquelle für die chinesischen Hersteller viel weiter hinten liegen“, sagte Kibies.

Hyundai und Kia sind nicht die einzigen Marken mit überproportionalen Kundenverlusten an chinesische Hersteller. Volkswagen stellt zwar in absoluten Zahlen den größten Anteil der Neukund:innen bei MG (11 Prozent) und BYD (13 Prozent), dies relativiert sich angesichts eines Marktanteils von rund 20 Prozent aber deutlich. Bei Ford und Opel liegt das Verhältnis ungünstiger: 11 Prozent der MG-Neukund:innen kommen von Ford, 8,3 Prozent von Opel, obwohl beide Marken nur 3,3 beziehungsweise 4,7 Prozent der Neuzulassungen ausmachen. Auch Toyota verliert überdurchschnittlich viele Käufer:innen an BYD.

Hyundai und Kia selbst äußern sich gelassen zur wachsenden chinesischen Konkurrenz. „Wir fürchten keinen Wettbewerb, solange er fair ist“, erklärte Hyundai-Europachef Xavier Martinet. Kia-Vertriebsleiter Deutschland Benedikt Bucher verweist darauf, dass Kaufentscheidungen letztlich von Produktqualität, Markenvertrauen, Garantieleistungen, Händlernetz und Besitzerlebnis abhängen.

Eine direkte Auswirkung auf die Halbjahreszahlen lasse sich nicht quantifizieren, so Bucher. Tatsächlich legten beide koreanischen Marken in Deutschland im ersten Halbjahr weiter zu, Kia um 3,1 Prozent, Hyundai um 4,1 Prozent. Kia will dem Wettbewerbsdruck künftig mit stärkerem Fokus auf Produkt, Marke und Kundenerlebnis begegnen. „Nachhaltiger Erfolg entsteht letztlich daraus, für Kund:innen relevant zu bleiben, nicht durch kurzfristige Preisanreize“, sagte Bucher.

Quelle: Automotive News Europe – Chinese brands poach Hyundai, Kia drivers as they gain ground in Germany

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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