Bei Nio schrumpft das Deutschland-Geschäft weiter. Der chinesische Elektroautohersteller will seinen Standort in Köln zum Ende des Septembers schließen. Damit verbleibt nach aktuellem Stand nur noch ein eigener Nio Hub in Deutschland. Angesichts extrem niedriger Zulassungszahlen stellt sich zunehmend die Frage: Ist das der Anfang vom Ende des direkten Nio-Geschäfts hierzulande?
Wie das Portal „Eletric Vehicles“ berichtet, wurden betroffene Kunden bereits im Juli über die Schließung informiert. Der Standort in Köln-Marsdorf war erst im Juni 2024 eröffnet worden und umfasst rund 2600 Quadratmeter. Neben Ausstellungsflächen gehören Werkstatt, Fahrzeugübergabe und Lager zum Konzept. Nio begründet die Entscheidung dem Bericht zufolge mit den aktuellen Bedingungen im Automobilmarkt und einer Optimierung des Europageschäfts.
Auch der Hub in Weiterstadt bei Frankfurt soll schließen. Damit bliebe München als einziger eigener Nio Hub in Deutschland übrig. Für Service und Reparaturen seiner Elektroautos setzt das Unternehmen inzwischen verstärkt auf unabhängige Partner.
Der Rückbau kommt angesichts der Verkaufszahlen allerdings kaum überraschend. Im August wurde nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts nur ein einziger Nio in Deutschland neu zugelassen. Von Januar bis August waren es insgesamt 19 Fahrzeuge und damit 90,1 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Zum Vergleich: 2023 kam Nio hierzulande noch auf 1263 Neuzulassungen, 2024 auf 398 und 2025 auf 325. Die Entwicklung steht damit im deutlichen Gegensatz zum insgesamt wieder wachsenden deutschen Elektroautomarkt.
Rückzug oder Strategiewechsel?
Auch an anderer Stelle hat Nio bereits gekürzt. Das Nio House in Hamburg wurde im Sommer geschlossen. Zudem soll das Unternehmen für mehrere deutsche Standorte nach Untermietern gesucht haben.
Nio betont weiterhin, Deutschland und Europa nicht verlassen zu wollen. Vorstandschef William Li hatte zuletzt erklärt, dass der Hersteller in Europa künftig fokussierter vorgehen und nicht allein um des Wachstums willen expandieren wolle. Das Geschäftsmodell soll stärker zwischen eigenen Aktivitäten und lokalen Vertriebspartnern unterscheiden.
Bemerkenswert ist, dass Nio global keineswegs in einer vergleichbaren Absatzkrise steckt. Bis Ende August lieferte der Konzern weltweit 262.893 Fahrzeuge aus und damit deutlich mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Schwierigkeiten sind somit vor allem ein europäisches und insbesondere deutsches Problem.
Ob die Schließung der Hubs tatsächlich den Anfang vom Ende von Nio in Deutschland markiert, ist damit noch offen. Ein vollständiger Rückzug wurde bislang nicht angekündigt, bestehende Kunden sollen weiter betreut werden. Von den ambitionierten Plänen, hierzulande ein dichtes Netz aus eigenen Showrooms, Werkstätten und Batteriewechselstationen aufzubauen, ist allerdings nicht mehr viel übrig.
Quelle: Eletric Vehicles – Exclusive: Nio to Close Cologne Hub by End of September, Leaving One in Germany









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