Der deutsche Automobilhersteller Volkswagen steht in China vor einem schwierigen Spagat: Während der Gesamtmarkt deutlich schwächelt und chinesische Hersteller vor allem bei Elektroautos inzwischen den Ton angeben, will der deutsche Konzern mit einer bislang beispiellosen Produktoffensive wieder Boden gutmachen. Wie die Automobilwoche berichtet, hat sich Volkswagen für die kommenden Monate entsprechend ehrgeizige Ziele gesetzt.
Mehr als 20 sogenannte New Energy Vehicles (NEV) will die Volkswagen Group allein in diesem Jahr in China auf den Markt bringen. Hinter dem in China gebräuchlichen Begriff verbergen sich nicht ausschließlich reine Elektroautos, sondern auch Plug-in-Hybride und Fahrzeuge mit Range Extender. Dennoch spielen batterieelektrische Modelle bei der Neuaufstellung eine zentrale Rolle. Bis 2030 soll das Angebot auf rund 50 elektrifizierte Modelle wachsen, darunter etwa 30 reine Elektroautos.
Die ersten Ergebnisse der Strategie „In China, für China“ stehen inzwischen bei den Händlern oder kurz vor dem Marktstart. Dazu gehören etwa der gemeinsam mit Xpeng entwickelte VW ID. UNYX 08, dessen Serienproduktion bereits im Frühjahr angelaufen ist, sowie weitere speziell für China konzipierte Modelle. Auch neue Fahrzeuge auf der lokal entwickelten China Electronic Architecture und der Compact Main Platform sollen Volkswagen helfen, schneller und günstiger auf die Wünsche chinesischer Kunden zu reagieren. Beim ID. UNYX 08 verkürzte sich die Entwicklungszeit auf rund 24 Monate.
2025 lag der NEV-Anteil bei 5 Prozent
Wie entscheidend die Offensive ist, zeigt ein Blick auf die bisherigen Zahlen. Noch 2025 machten NEV lediglich rund fünf Prozent der Volkswagen-Auslieferungen in China aus. Für 2027 hat sich der Konzern einen Anteil von rund 40 Prozent vorgenommen, bis 2030 sollen es etwa 70 Prozent sein. Gleichzeitig sollen die Auslieferungen insgesamt nach zuletzt rund 2,7 Millionen Fahrzeugen wieder auf etwa drei Millionen 2027 und rund 3,2 Millionen zum Ende des Jahrzehnts steigen.
Die Ausgangslage ist allerdings alles andere als komfortabel. VW-China-Chef Ralf Brandstätter rechnet laut Nachrichtenagentur Reuters für das laufende Jahr mit einem Rückgang des chinesischen Pkw-Marktes um rund 20 Prozent. Bereits im August war der Markt den elften Monat in Folge geschrumpft. Gleichzeitig verschiebt sich die Nachfrage weiter in Richtung Elektromobilität. Chinesische Hersteller haben diesen Wandel früher und vielfach konsequenter genutzt. Ihr Anteil an den Pkw-Verkäufen lag in den ersten fünf Monaten 2026 bereits bei rund 71 Prozent, während deutsche Marken zusammen nur noch auf gut zehn Prozent kamen.
Für Volkswagen ist das laufende Jahr damit ein entscheidendes Übergangsjahr. Die angekündigte Modellflut allein garantiert noch keine Rückkehr zu alter Stärke. Sie bringt den Konzern aber erstmals mit einem breiten, lokal entwickelten Elektroportfolio in eine deutlich bessere Ausgangsposition für den Wettbewerb mit BYD, Geely und Co. Doch ob die Chinesen zukünftig wieder stärker zu deutschen Modellen greifen, darf angezweifelt werden.
Quelle: Automobilwoche – Volkswagen will in China noch 2026 ein ehrgeiziges Ziel schaffen









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