Ionity will bei Netzengpässen Batteriespeicher nutzen

Ionity will bei Netzengpässen Batteriespeicher nutzen
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Ionity

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
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Wenn der Netzanschluss nicht genügend Leistung für zusätzliche Schnellladepunkte bereitstellt, können Batteriespeicher eine Lösung sein. Ionity setzt diese Strategie nun erstmals am Standort Wertheim nahe des dortigen Outlets um. Dort zeigt sich besonders deutlich, welche Herausforderungen die zunehmende Konzentration leistungsfähiger Ladeinfrastruktur mit sich bringt. Europaweit sollen bereits im kommenden Jahr rund 50 Ladeparks mit Speichern ausgestattet werden.

Der Schnellladeanbieter hat im baden-württembergischen Wertheim seinen ersten Batteriespeicher in Betrieb genommen. Wie das Unternehmen gegenüber Electrive erläuterte, soll die Technologie künftig einen wichtigen Beitrag zum Ausbau seines europäischen Ladenetzes leisten. Sie ermöglicht es, zusätzliche Ladepunkte zu installieren, ohne auf die vollständige Erweiterung bestehender Netzanschlüsse warten zu müssen.

Am Standort Wertheim wurden zunächst vier bestehende Ladepunkte um zwei weitere ergänzt. Zwei zusätzliche Ladepunkte mit einer Spitzenleistung von jeweils bis zu 350 kW sollen folgen, sodass dort künftig insgesamt acht Elektroautos gleichzeitig laden können. Daten von ChargePointRadar zeigen, dass der Ladepark im September an allen Wochentagen zwischen dem späten Vormittag und frühen Abend im Schnitt hoch bis sehr hoch ausgelastet war, was Wartezeiten für manche E-Auto-Fahrende mit Ladewunsch nach sich ziehen dürfte.

Möglich wird die Erweiterung durch einen Batteriespeicher des chinesischen Herstellers Sungrow. Vier Speichereinheiten bieten zusammen eine Kapazität von 1028 kWh und eine maximale Leistung von 500 kW. Ein intelligentes Energiemanagementsystem steuert, wie viel Energie aus dem Stromnetz und wie viel aus dem Speicher an die Fahrzeuge abgegeben wird.

Wertheim zeigt die Herausforderung besonders deutlich

Dass Ionity für den ersten Einsatz der Speichertechnologie Wertheim ausgewählt hat, macht den Standort zu einem besonders interessanten Beispiel. Unmittelbar benachbart befindet sich mit der HomE World einer der größten Schnellladeparks Deutschlands. Dort betreibt Electra inzwischen 24 Schnellladeanschlüsse mit bis zu 400 kW. Hinzu kommen 20 Tesla-Supercharger mit maximal 250 kW sowie weitere AC-Ladepunkte.

Allein diese beiden Betreiber stellen damit 44 Schnellladeanschlüsse bereit. Zusammen mit den sechs Ionity -Ladepunkten stehen in unmittelbarer Nachbarschaft bereits 50 leistungsfähige Schnellladeanschlüsse zur Verfügung. Perspektivisch soll die Zahl weiter steigen. Durch die höhere Zahl an Ladepunkten bedingt ist die Auslastung pro Ladepunkt deutlich niedriger und für E-Auto-Fahrende somit bislang entspannter als nebenan bei Ionity. ChargePointRadar weist für September etwas mehr als 190 Ladevorgänge pro Ladepunkt bei Tesla sowie rund 160 Ladevorgänge pro Ladepunkt bei Electra aus.

Schon bei der Eröffnung der HomE World im Jahr 2024 wurde für das Projekt eine Anschlussleistung von 8,5 Megawatt angegeben. Die Konzentration leistungsfähiger Ladeinfrastruktur rund um das Wertheim Village verdeutlicht damit den erheblichen potenziellen Strombedarf an einem einzigen Verkehrsknotenpunkt. Dass dies kein Problem sein muss, zeigt das von uns kürzlich näher beleuchtete „Ladeparadies“ Kamen.

Für Ionity liegt die Schwierigkeit in Wertheim derzeit insbesondere darin, den vorhandenen Mittelspannungsanschluss zu erweitern. Nach Unternehmensangaben kann ein solcher Ausbau bis zu drei Jahre dauern. Der Batteriespeicher soll diese Wartezeit überbrücken und schon vorher zusätzliche Ladeleistung verfügbar machen.

Speicher ersetzen keinen leistungsfähigen Netzanschluss

Das Prinzip ist vergleichsweise einfach: In Zeiten geringer Nachfrage wird der Batteriespeicher geladen. Wenn mehrere Fahrzeuge gleichzeitig hohe Leistungen abrufen, steuert das System zusätzliche Energie aus dem Speicher bei. Dadurch können Lastspitzen abgefedert werden, ohne dass die Leistung des Netzanschlusses entsprechend erhöht werden muss.

Allerdings lässt sich ein begrenzter Netzanschluss damit nicht beliebig ersetzen. Die gespeicherte Energie ist schließlich endlich. Der Wertheimer Speicher könnte seine maximale Leistung von 500 kW rechnerisch gut zwei Stunden lang bereitstellen, sofern er vollständig geladen ist. In der Praxis reduzieren unter anderem Umwandlungsverluste und notwendige Betriebsreserven diese Dauer. Bei dauerhaft hoher Nachfrage bleibt ein ausreichend dimensionierter Netzanschluss deshalb unverzichtbar.

50 Batteriespeicher für 2027 geplant

Ionity betrachtet Wertheim als Auftakt einer umfassenderen Strategie. Bereits 2027 sollen europaweit rund 50 Batteriespeichersysteme mit einer Gesamtkapazität von mehr als 20 MWh installiert werden.

Ein weiteres Projekt entsteht im baden-württembergischen Hemsbach. Dort plant Ionity einen neuen Ladepark mit zwölf Schnellladepunkten, einer Photovoltaikanlage mit mehr als 223 kWp Leistung und einem Batteriespeicher mit mehr als 2 MWh Kapazität. Anders als in Wertheim soll der Speicher dort auch selbst erzeugten Solarstrom aufnehmen und bedarfsgerecht für Ladevorgänge bereitstellen.

Langfristig will das Unternehmen die Speicher zudem für Netzdienstleistungen nutzen und eine Teilnahme am Stromhandel ermöglichen. Der dafür notwendige Ausbau des Energiemanagements ist bereits Teil der Entwicklungsarbeit. Ionity bevorzugt aktuell externe Batteriespeicher, die unabhängig vom Hersteller der Ladesäulen mehrere Ladepunkte versorgen können.

Entscheidend für den Ausbau von Ladeparks ist zunehmend nicht mehr allein, wie viele und wie leistungsfähige Ladesäulen installiert werden können. Mindestens ebenso wichtig wird die Frage, wie sich die dafür benötigte Energie trotz begrenzter Netzkapazitäten bereitstellen lässt. Batteriespeicher können dabei wertvolle Zeit gewinnen, den langfristig notwendigen Netzausbau aber nicht vollständig ersetzen.

Quelle: Electrive – Ionity plant Batteriespeicher an 50 Ladeparks

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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