Lademarkt-Report: DC-Ladepunkte werden fünfmal häufiger genutzt als AC

Lademarkt-Report: DC-Ladepunkte werden fünfmal häufiger genutzt als AC
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Tobias Stahl
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Gut 70 Prozent aller öffentlichen Ladevorgänge in Deutschland werden an DC-Schnellladepunkten durchgeführt – obwohl diese nur rund ein Drittel der öffentlichen Ladeinfrastruktur ausmachen. Das ist eine zentrale Erkenntnis des jüngst veröffentlichten Lademarkt-Reports des Datenanalyse-Anbieters ChargePointRadar. Für den Report wurde die Nutzung von über 175.000 öffentlich zugänglichen Ladepunkten im dritten Quartal 2026 ausgewertet.

ChargePointRadar verzeichnete im Zeitraum von Juli bis September des laufenden Jahres insgesamt rund 24,5 Millionen Ladevorgänge. Dabei kamen DC-Ladepunkte auf durchschnittlich jeweils 305,5 Ladevorgänge im Quartal, während ein durchschnittlicher AC-Ladepunkt lediglich 59,9 Ladevorgänge registrierte. DC-Schnellladepunkte werden also etwa fünfmal häufiger genutzt als die langsameren AC-Ladepunkte.

EnBW führt beim DC-Laden – AC-Markt deutlich kleinteiliger

Marktführer an DC-Ladesäulen ist nach wie vor EnBW: Mit knapp 4,95 Millionen Ladevorgängen und einem Marktanteil von 28,6 Prozent liegt der Anbieter klar auf dem ersten Platz. Mit einigem Abstand folgen Tesla mit 15,2 Prozent und Ionity mit 8,1 Prozent Marktanteil. Die fünf größten DC-Ladepunktbetreiber teilen 63 Prozent aller Schnellladevorgänge untereinander auf. EnBW ist dabei in 15 von 16 Bundesländern Spitzenreiter, nur in Brandenburg liegt Tesla mit seinen Superchargern vorn.

Deutlich heterogener ist der AC-Markt zusammengesetzt: Hier kommen die fünf größten Anbieter zusammen auf gerade einmal 18,2 Prozent Marktanteil. Marktführer sind hier die Hamburger Energiewerke Mobil mit 4,7 Prozent. Anders als beim DC-Laden verteilen sich Normallladepunkte auf zahlreiche regionale und kommunale Betreiber. In den Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen erreichen lokale Anbieter hohe Marktanteile zwischen 47,5 und 71,4 Prozent. Im flächenmäßig deutlich größeren Bayern mit vielen auf dem Lademarkt aktiven Stadtwerken kommt der größte Anbieter hingegen nur auf 7,8 Prozent.

Ionity und Kaufland mit der höchsten Effizienz pro Ladepunkt

In Sachen Effizienz, also der Nutzung einzelner Ladepunkte, landet EnBW hingegen nicht unter den Erstplatzierten. Im DC-Segment führt Ionity mit durchschnittlich 894,1 Ladevorgängen pro aktivem Ladepunkt. Auf dem zweiten Rang folgt Tesla mit durchschnittlich 659,5 Ladevorgängen pro Ladepunkt, gefolgt von Fastned mit 526,5. Erst dann folgt EnBW mit durchschnittlich 513 Ladevorgängen je Ladepunkt. Das dürfte auf die Strategie bei der Standortauswahl zurückzuführen sein: Ionity unterhält vergleichsweise wenige Ladepunkte, die aber an stark frequentierten Standorten entlang deutscher Autobahnen liegen. EnBW betreibt ein dichteres Netz mit breiterer Streuung.

Beim AC-Laden steht Kaufland an der Spitze: Ein Ladepunkt des Lebensmitteleinzelhänders registrierte im Schnitt 232,9 Ladevorgänge im abgelaufenen Quartal. Lidl folgt mit durchschnittlich 164,9 Ladevorgängen, die Berliner Stadtwerke verzeichnen 156,1 Ladevorgänge pro Ladepunkt. Der Durchschnitt aller aktiven AC-Ladepunkte liegt bei knapp 60 Ladevorgängen im Quartal, was weniger als einem Ladevorgang pro Tag entspricht.

Lage, Lage, Lage: Auch bei öffentlichen Ladepunkten entscheidet der Standort

Die konkrete Lage spielt eine entscheidende Rolle für den Erfolg oder Misserfolg einzelner Ladepunkte, wie mehrere Beispiele aus dem Report zeigen: Den meistfrequentierten DC-Standort betreibt demnach Tesla in Bispingen an der A7. Dort wurden im dritten Quartal 43.140 Ladevorgänge registriert. Die höchste Nutzung pro einzelnem Ladepunkt erreicht hingegen Ionity mit seinem Standort Köschinger Forst an der A9. Hier wurden 1.952 Ladevorgänge pro Ladepunkt registriert, das entspricht rund 21 pro Tag.

Bei den AC-Ladepunkten liegt ein BMW-Werksstandort an der Knorrstraße in München an der Spitze. 602 Ladepunkte registrierten hier über 46.000 Ladevorgänge in drei Monaten. Die höchste Nutzung pro AC-Ladepunkt verortet der Report hingegen in Oberkochen, wo zwölf Ladepunkte auf durchschnittlich jeweils 712 Ladevorgänge kommen. Vermutlich handelt es sich auch hier um den Standort eines Arbeitgebers, Näheres geht aus der Mitteilung allerdings nicht hervor.

In Rüsselsheim zeigt sich, dass schon wenige hundert Meter Entfernung einen deutlichen Unterschied ausmachen können: Zwei Ladeangebote desselben Betreibers, die ähnliche Technik nutzen und nur 400 Meter entfernt voneinander liegen, kommen auf eine zeitliche Auslastung von 0,35 beziehungsweise 13,3 Prozent. „Nicht die Anzahl entscheidet, sondern vor allem der Standort“, resümiert ChargePointRadar-Gründer Alex Rupprecht.

Bei der Betrachtung einzelner Bundesländer offenbaren sich weitere, interessante Unterschiede: Hamburg verzeichnet mit 21,4 Prozent die höchste zeitliche Auslastung öffentlich zugänglicher Ladepunkte – ein typisches Nutzungsmuster langsamerer AC-Ladepunkte im urbanen Raum. Bei den Ladevorgängen je Ladepunkt liegt hingegen Rheinland-Pfalz mit 189,1 an der Spitze.

Lademarkt-Report: Datengrundlage und Methodik

ChargePointRadar ist ein Unternehmen des Datenanalysten Alex Rupprecht aus Lauf an der Pegnitz. Die Daten des Lademarkt-Reports basieren auf Statusmeldungen, die die Ladepunktbetreiber gemäß der EU-Verordnung AFIR über die Mobilithek bereitstellen müssen, und werden mit dem Ladesäulenregister der Bundesnetzagentur abgeglichen. Der Report wertet allerdings nicht die Dauer von Ladevorgängen oder geflossene Energiemengen aus, sondern zählt Statuswechsel der Ladepunkte von „frei“ auf „belegt“. Berücksichtigt werden nur Statuswechsel mit einer Mindestdauer von 30 Sekunden.

Quelle: ChargePointRadar – Pressemitteilung vom 06.10.2026

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Tobias Stahl

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Tobias Stahl kann sich für alle Formen der Fortbewegung begeistern, aber nachhaltige Mobilität begeistert ihn besonders. Da ist es kein Wunder, dass er schon seit 2019 über E-Autos, erneuerbare Energien und die Verkehrswende berichtet.

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