Mit steigenden Ladeleistungen werden Stopps mit dem Elektroauto immer kürzer. Dass deshalb die Aufenthaltsqualität an Ladeparks an Bedeutung verliert, glauben Paul Tonini, Deutschland-Chef des französischen Schnellladeanbieters Electra, und Jürgen Ruchti, Geschäftsführer von HomE of Mobility, allerdings nicht. Im Gespräch mit Edison erklären sie am Beispiel ihres gemeinsam betriebenen Ladeparks in Wertheim nahe Würzburg, warum sie bewusst mehr bieten wollen als möglichst viele Kilowatt in möglichst kurzer Zeit.
Der Standort an der A3 ist entsprechend aufwendig gestaltet. Neben Schnellladepunkten mit bis zu 400 kW finden sich dort eine Lounge mit Bistro, hochwertige Sanitäranlagen und eine Sonnenterrasse. Im Gebäude können zudem Konferenzen und Geschäftstermine stattfinden. Auch der Bundesverband Neue Mobilität e.V. hat dort bereits seine Jahreshauptversammlung abgehalten.
Ruchti beschreibt den Ansatz damit, während des Ladestopps auch „den Menschen während seines Aufenthalts hier aufladen“ zu wollen. Tatsächlich blieben viele Gäste deutlich länger als technisch für den Ladevorgang notwendig, teilweise bis zu einer Stunde. Sie kämen eben auch, um die „geschenkte Zeit“ zu nutzen. Im Mittel werden laut Ruchti mehr als 45 kWh je Ladevorgang abgegeben, deutschlandweit seien eher rund 30 kWh üblich.

Das Beispiel zeigt, wie sich die Anforderungen an moderne Ladeparks verändern. Hohe Ladeleistungen und eine zuverlässige Technik bleiben Voraussetzung. Electra setzt zudem auf breite Stellplätze, Autocharge und möglichst unkomplizierte digitale Prozesse. Entscheidend sei letztlich aber „das Gesamtpaket“.
Gerade auf längeren Reisen können saubere Sanitäranlagen, Gastronomie und angenehme Aufenthaltsräume mit darüber entscheiden, welchen Ladepark Fahrer gezielt ansteuern. In Wertheim wird der Ladestopp deshalb stärker als Pause gedacht – und nicht nur als möglichst schnell zu überbrückende Wartezeit. Ruchti spricht von einer Wohlfühlatmosphäre und will demonstrieren, dass „Laden mehr sein kann als die Aufnahme von Strom“.
Ladepreis bleibt wichtiger Faktor
Dass ein solches Konzept wirtschaftlich funktionieren kann, bestätigen beide Betreiber. Ein gewöhnlicher Ladepark koste laut Tonini etwa 500.000 bis 1,5 Millionen Euro, in Wertheim sei wegen des zusätzlichen Angebots deutlich mehr investiert worden. Auf die Frage, ob sich der Standort bereits rentiere, antwortet Tonini knapp: „Für uns schon.“ HomE versteht Wertheim zugleich als Flagship-Standort; weitere Projekte befinden sich dem Interview zufolge bereits in Planung.
Abseits der Aufenthaltsqualität sprechen Tonini und Ruchti auch über den weiteren Ausbau des Ladenetzes und die Wirtschaftlichkeit. Electra will die Zahl seiner Ladepunkte in Deutschland von derzeit 238 bis Ende 2027 auf rund 1400 steigern, wobei neben Metropolregionen auch stark frequentierte Verbindungen eine Rolle spielen. Gleichzeitig räumt Tonini ein, dass viele Betreiber derzeit mit einer noch zu geringen Auslastung kämpfen. Über Preisaktionen und dynamische Tarife will Electra zusätzliche Kunden gewinnen und öffentliches Laden auch für Menschen ohne heimische Wallbox attraktiv halten.
Für Electra bleibt vor allem der Ladestrompreis ein wichtiger Faktor. Das Unternehmen will öffentliches Laden auch für Menschen attraktiv halten, die nicht zu Hause laden können. Gleichzeitig steht ein deutlicher Ausbau an: Von aktuell 238 Ladepunkten in Deutschland soll das Netz bis Ende 2027 auf rund 1400 Ladepunkte wachsen.
Der Standort Wertheim zeigt dabei, dass der Wettbewerb unter Ladeparkbetreibern künftig nicht allein über Ladeleistung, Zahl der Säulen und Kilowattstundenpreis geführt werden dürfte. Mit einem dichter werdenden Ladenetz kann auch die Frage wichtiger werden, wo Fahrer ihre Ladepause tatsächlich verbringen möchten.
Quelle: Edison – „Wir wollen, dass Laden bezahlbar bleibt“









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