Die Antriebsbatterie gilt für viele Interessenten weiterhin als größtes finanzielles Risiko beim Kauf eines gebrauchten Elektroautos. Eine aktuelle Auswertung des britischen Batteriespezialisten Generational legt allerdings nahe, dass ernsthafte Auffälligkeiten auf Zellebene die absolute Ausnahme sind. Unter rund 10.000 untersuchten gebrauchten Elektroautos zeigte lediglich etwa jedes 85. Fahrzeug eine Zellabweichung, die genauer untersucht werden sollte – ohne dass dies gleich mit einem Batterieschaden einhergehen muss.
Generational analysierte dafür die Spannungsunterschiede zwischen den einzelnen Zellen beziehungsweise Zellgruppen der Hochvoltbatterien. Beim typischen untersuchten Elektroauto betrug die Differenz zwischen der höchsten und niedrigsten gemessenen Zellspannung lediglich acht Millivolt. Das spricht nach Einschätzung des Unternehmens für gut ausbalancierte Akkus.
Bei rund einem von 85 Fahrzeugen lag die Abweichung dagegen bei mehr als 50 Millivolt. Generational stuft dies als auffällig und untersuchungswürdig ein. Noch deutlich seltener waren Unterschiede von mehr als 100 Millivolt: Eine derart große Abweichung wurde bei ungefähr einem von 200 getesteten Elektroautos festgestellt. Sie könne auf einen zugrunde liegenden Defekt hindeuten und sollte näher überprüft werden.
Dabei ist wichtig: Eine auffällige Zellabweichung ist noch nicht automatisch mit einem defekten Akku gleichzusetzen. Unterschiede können unter anderem vom Ladezustand und der vorherigen Nutzung beeinflusst werden. Generational empfiehlt deshalb bei Auffälligkeiten unter anderem erneute Messungen und gegebenenfalls einen gezielten Zellenausgleich, bevor über Reparaturen entschieden wird.
Gesamtzustand allein zeigt nicht alles
Interessant ist die Analyse vor allem deshalb, weil sich solche Abweichungen nicht zwangsläufig am üblichen State of Health (SoH) erkennen lassen. Dieser beschreibt in erster Linie, wie viel nutzbare Kapazität die Batterie gegenüber ihrem Neuzustand noch besitzt. Einzelne schwächere Zellen können darin zunächst untergehen.
Im Extremfall kann jedoch bereits eine schwächere Zelle die Leistungsfähigkeit des gesamten Akkupakets begrenzen. Das Batteriemanagement beendet Laden oder Entladen, sobald einzelne Zellen ihre jeweiligen Grenzwerte erreichen. Größere Abweichungen können dadurch unter anderem Reichweite, Ladeverhalten oder die Genauigkeit der Ladezustandsanzeige beeinflussen.
Grundsätzlich sprechen die Daten aber klar gegen die weit verbreitete Sorge vor schnell verschlissenen Elektroauto-Akkus. Eine frühere Generational-Auswertung von mehr als 8000 Batteriechecks ergab einen durchschnittlichen State of Health von 95,15 Prozent. Selbst acht bis neun Jahre alte Elektroautos erreichten im Median noch rund 85 Prozent ihrer ursprünglichen Batteriekapazität.
Auch andere Untersuchungen kommen zu einem ähnlichen Ergebnis. Moderne Antriebsbatterien dürften damit bei normaler Nutzung in vielen Fällen länger halten als das Fahrzeug selbst. Für Käufer gebrauchter Elektroautos bedeutet das trotzdem nicht, dass der Batteriezustand unwichtig wäre. Gerade weil sich die wenigen problematischen Fahrzeuge nicht zuverlässig anhand von Alter und Kilometerstand erkennen lassen, ist ein unabhängiger Batteriecheck vor dem Kauf sinnvoll. Die aktuellen Zahlen legen allerdings nahe: Ein auffälliger Akku ist eher seltene Ausnahme als die Regel.
Quelle: Generational – Pressemitteilung vom 24.08.2026







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