IG-Metall-Vorsitzende: So „krass“ wie Tesla ist sonst niemand

IG-Metall-Vorsitzende: So „krass“ wie Tesla ist sonst niemand
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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
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Christiane Benner, erste Vorsitzende der IG Metall, schlägt im Gespräch mit der Automobilwoche im Zuge anstehender Wahlen beim Thema Tesla ganz andere Töne an als über weite Teile der deutschen Autoindustrie. Während viele Gewerkschafter mit klassischen Herstellern über Tarifverträge, Transformation und Zukunftstechnologien reden, benennt Benner die Gebaren des US-amerikanischen Elektroautoherstellers mit Werk im brandenburgischen Grünheide mit drastischen Worten – und zwar genau dort, wo es wehtut: bei Unternehmenskultur, Mitbestimmung und Respekt vor Arbeitnehmerrechten.

Tesla ist für die IG Metall kein normaler Autohersteller. Nicht nur, weil Firmenchef Elon Musk weltweit für nicht immer positive Schlagzeilen sorgt, sondern weil der Konzern in Deutschland zunehmend als Paradebeispiel für das gilt, was Gewerkschaften als Union Busting kritisieren: Unternehmenstechniken, die systematisch Mitbestimmung, Betriebsratsarbeit und gewerkschaftliche Organisation zu untergraben drohen.

Benner sagt ganz offen, dass das Management bei Tesla „systematisch Union‑Busting mit Kanzleien und Methoden, die ich nur aus den USA kenne“, betreibe – ganz so, als würde man einen Lehrplan für schlechte Firmenpraxis entwerfen. Zuletzt war indes bekanntgeworden, dass die Belegschaft in Grünheide verkleinert wurde. Zu Entlassungen kam es dabei aber offenbar nicht.

Was ist damit gemeint? Bei Teslas Gigafactory in Grünheide bei Berlin geht es nicht nur um die üblichen Tariffragen, sondern um eine Unternehmenskultur, die laut IG Metall Beschäftigte einschüchtern soll. Kündigungen von Betriebsratsvertretern, aggressive Taktiken gegenüber gewerkschaftlich Organisierten und wiederholte Ablehnung eines Tarifvertrags: All das steht im Kontrast zu dem, was die Gewerkschaft in deutschen Autowerken über Jahrzehnte aufgebaut hat.

Oft nicht einmal Zeit für Pausen

Ein aktuelles Beispiel aus der Belegschaft zeige, wie kontrovers diese Auseinandersetzung inzwischen ist: Mehrere Tausend Tesla‑Mitarbeiter in Grünheide haben sich in einer IG‑Metall‑geführten Aktion darüber beschwert, dass sie oft nicht einmal Zeit für grundlegende Pausen hätten, und fordern Verbesserungen bei Arbeitsbedingungen und Mitarbeiterschutz.

Benner macht dabei immer wieder klar: Die Kritik richtet sich nicht gegen E‑Mobilität oder die Technologie selbst. Sie erkennt den Übergang zur Elektromobilität als Zukunftstechnologie an. Aber wenn ein Unternehmen in einem Land wie Deutschland, das über sehr starke Mitbestimmungsrechte verfügt, bewusst auf demokratische Strukturen am Arbeitsplatz verzichtet oder diese aktiv bekämpft, dann sorgt das nicht nur für Konflikte in der Gewerkschaft – es wirft ein Licht auf die Grenzen des Tesla‑Modells Made in Europe.

So „krass“ wie Tesla agiere sonst niemand in der Branche. Nicht bei Tarifverträgen, nicht beim Umgang mit Arbeitnehmervertretungen, und schon gar nicht bei der Frage, wie Mitarbeiter am Zukunftsprojekt Elektromobilität beteiligt werden. Andere Hersteller mögen in harten Tarifrunden streiten, aber sie akzeptieren den Rahmen – Tesla stelle diesen Rahmen in Frage und trete ihn mit Füßen. Auch wenn 2026 Betriebsratswahlen anstehen und die IG Metall hier ihre Kräfte bündelt, bleibt Benners wichtigste Botschaft klar: Wer die Mobilitätswende ernst meint, muss sie auch mit fairen Arbeitsbedingungen und echter Mitbestimmung gestalten – und das beginnt mit einem respektvollen Umgang mit denjenigen, die am Band stehen.

Quelle: Automobilwoche – Wahl der Betriebsräte: Tesla ist für die IG Metall der härteste Brocken

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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