IG Metall erhöht Druck auf Tesla in Grünheide

IG Metall erhöht Druck auf Tesla in Grünheide
Copyright:

Tesla

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Ein halbes Jahr vor den nächsten Betriebsratswahlen in der Tesla-Fabrik Grünheide verschärft sich der Ton zwischen der IG Metall und dem US-amerikanischen Elektroautohersteller. Jan Otto, Leiter des IG-Metall-Bezirks Berlin, Brandenburg und Sachsen, kündigte an, den Druck auf Tesla deutlich zu erhöhen. Ziel sei ein Tarifvertrag, der die Interessen der Beschäftigten absichert. „Wir werden bei Tesla über kurz oder lang einen Tarifvertrag bekommen“, sagte Otto gegenüber der FAZ und machte damit klar, dass die Gewerkschaft den Konflikt nicht scheut.

Tesla hält dagegen an seiner Linie fest, Gewerkschaften außen vor zu lassen. „Wir haben noch nie mit der IG Metall verhandelt und werden das auch in Zukunft nicht tun“, erklärte Werkleiter André Thierig. Selbst bei einem Wahlsieg der Gewerkschaft wäre das Unternehmen rechtlich nicht verpflichtet, in Tarifgespräche einzutreten. Die ablehnende Haltung ist Teil der Konzernphilosophie, die auf unternehmerische Unabhängigkeit setzt.

Die Bedeutung der bevorstehenden Wahl ist groß. Bei der ersten Abstimmung 2022 spielte die IG Metall noch keine Rolle. Zwei Jahre später holte sie bereits knapp 40 Prozent der Stimmen. Die Mehrheit blieb jedoch Listen vorbehalten, die dem Management nahestehen. Ende 2024 beantragte die Gewerkschaft vor dem Arbeitsgericht Frankfurt/Oder, die aktuelle Betriebsratsvorsitzende wegen Verstößen gegen das Betriebsverfassungsgesetz abzuberufen. Das Verfahren läuft, ein neuer Termin ist für Mai 2026 angesetzt. Otto machte deutlich, dass die Gewerkschaft den Vorsitz nach der nächsten Wahl übernehmen wolle.

Um das Ziel eines Tarifvertrags zu erreichen, braucht die IG Metall mehr Mitglieder im Werk. Rund 11.000 Menschen arbeiten inzwischen in Grünheide. „Wir müssen dafür sorgen, dass sich eine deutliche Mehrheit bei uns organisiert“, sagte Otto. In der Fabrik produziert Tesla derzeit etwa 5000 Autos pro Woche, vor allem das Model Y.

Tesla: Aufschub bei Verbrenner-Aus sei keine Option

Die Auseinandersetzung um Arbeitnehmerrechte wird durch politische Differenzen verschärft. Werkleiter Thierig kritisierte die jüngsten Äußerungen der Gewerkschaft zum geplanten Verbrenner-Aus 2035. IG-Metall-Chefin Christiane Benner hatte sich für flexiblere Klimaziele ausgesprochen, zugleich aber mehr Unterstützung für die Elektromobilität gefordert. „Man kann nicht gleichzeitig den Hochlauf der Elektromobilität fordern und einen Aufschub beim Verbrenner-Aus verlangen“, entgegnete Thierig. Die Position der Gewerkschaft sei mit Teslas Unternehmenszielen nicht vereinbar.

Auch beim Thema Kommunikation gehen die Sichtweisen auseinander. Die IG Metall wirbt laut Werkleitung damit, dass sie sich für ein Weihnachtsgeld einsetze. „Es gibt keine Gespräche darüber, und von der Forderung haben wir aus der Zeitung erfahren“, sagte Thierig. Die Gewerkschaft sieht das anders und spricht von einer positiven Resonanz ihrer Kampagne.

Ein weiterer Streitpunkt ist die Bezahlung. Thierig behauptet, dass Tesla-Mitarbeiter im Vergleich zu tariflich gebundenen Unternehmen besser verdienen würden. Er verweist auf Berechnungen, wonach ein tariflich organisiertes Unternehmen etwa 4500 Euro weniger an Einstiegsgehalt zahle. Die IG Metall widerspricht. Nach ihren Schätzungen liegen die tariflichen Einkommen im Schnitt rund 20 Prozent über dem Tesla-Niveau.

Trotz der Spannungen sieht sich Tesla in Grünheide gefestigt. Die Anfangsphase der Fabrik sei überwunden, die Produktion laufe stabil, erklärte Thierig. Die Gewerkschaft nutzt diese Phase, um ihre Präsenz auszubauen. Ihre Aktionswochen und Informationsstände sind inzwischen fester Bestandteil des Werksalltags. Jan Otto will die Auseinandersetzung zu einem zentralen Thema seiner Amtszeit machen. Er gilt als Stratege mit Erfahrung in schwierigen Arbeitskämpfen und kündigte an: „Wir werden die Gangart bei Tesla verschärfen.“ Der Konzern verweist hingegen auf andere Standorte, an denen Tarifbindung keine Arbeitsplatzsicherheit garantiert habe. „Ich habe selbst bei Ford gearbeitet. Ein Tarifvertrag hat den Kollegen dort gar nichts geholfen“, sagte Thierig.

Die unterschiedlichen Positionen bleiben damit unvereinbar. Während die IG Metall auf Mitbestimmung und tarifliche Sicherheit setzt, sieht Tesla in gewerkschaftlicher Einflussnahme eine Gefahr für seine Flexibilität.

Quelle: FAZ – „Wir werden die Gangart bei Tesla verschärfen“

worthy pixel img
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Tesla News

Tesla eröffnet ersten öffentlichen Megacharger in den USA

Tesla eröffnet ersten öffentlichen Megacharger in den USA

Tobias Stahl  —  

Tesla hat in Kalifornien seine erste öffentliche Megacharger-Ladesäule für E-Lkw eröffnet. Der Ladepunkt erreicht allerdings noch nicht die anvisierte Leistung.

IG Metall verliert bei Tesla-Wahl in Giga Berlin an Einfluss

IG Metall verliert bei Tesla-Wahl in Giga Berlin an Einfluss

Sebastian Henßler  —  

Bei der Betriebsratswahl im Tesla-Werk Grünheide setzt sich Giga United durch. Die IG Metall verliert deutlich an Einfluss – und spricht von unfairen Methoden.

Offener Schlagabtausch: Tesla gegen Handelsblatt

Offener Schlagabtausch: Tesla gegen Handelsblatt

Sebastian Henßler  —  

149.000 oder über 200.000 E-Autos? In Grünheide entbrennt ein Streit um Produktionszahlen, Auslastung und die wirtschaftliche Lage des Tesla-Werks.

Tesla-Werk Grünheide wegen Absatzrückgang unter Druck

Tesla-Werk Grünheide wegen Absatzrückgang unter Druck

Sebastian Henßler  —  

In Grünheide sinkt die Produktion deutlich. 149.000 Autos im Jahr 2025 bedeuten fast 30 Prozent weniger als zuvor. Die Auslastung fällt unter 40 Prozent.

Tesla Model Y jetzt auch als Siebensitzer in Deutschland

Tesla Model Y jetzt auch als Siebensitzer in Deutschland

Sebastian Henßler  —  

Tesla bringt das Model Y als Siebensitzer nach Deutschland. Die neue Variante bietet bis zu 600 Kilometer Reichweite und bis zu 2094 Liter Ladevolumen.

NHTSA: Teslas Robotaxi fährt deutlich unsicherer als der Mensch

NHTSA: Teslas Robotaxi fährt deutlich unsicherer als der Mensch

Sebastian Henßler  —  

Viermal schlechter als ein menschlicher Fahrer: Teslas Robotaxi-Dienst in Texas rückt durch neue Crashmeldungen erneut in den Fokus der US-Aufsicht.

Nachfragetief: Teslas Cybertruck wird günstiger denn je

Nachfragetief: Teslas Cybertruck wird günstiger denn je

Maria Glaser  —  

Der US-amerikanische Hersteller hat in den USA den Preis seines elektrischen Pickups Cybertruck sowie des Topmodells Cyberbeast deutlich reduziert.