Teslas Full Self-Driving nicht gut genug für Europa?

Teslas Full Self-Driving nicht gut genug für Europa?
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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Der US-amerikanische Elektroautohersteller Tesla steht einmal mehr im Fokus der Aufsichtsbehörden – diesmal in Europa. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, wächst innerhalb der EU der Zweifel daran, ob die Assistenz- und Automatisierungsfunktionen des US-Herstellers den hiesigen Anforderungen tatsächlich gerecht werden. Konkret geht es um die Frage, wie zuverlässig Teslas Systeme im realen Verkehr agieren – und ob die derzeitige Kommunikation rund um Funktionen wie „Autopilot“ oder „Full Self-Driving“ (FSD) den tatsächlichen Fähigkeiten entspricht. Unabhängig davon hatte die Niederlande kürzlich grünes Licht für die Verwendung von FSD gegeben.

Die Skepsis kommt dabei nicht aus dem luftleeren Raum. Vielmehr speist sie sich aus einer Reihe von Vorfällen und Untersuchungen, die in den vergangenen Monaten sowohl in den USA als auch international für Aufmerksamkeit gesorgt haben. So hatten etwa Testreihen unabhängiger Organisationen gezeigt, dass Teslas Fahrerassistenzsysteme in bestimmten Szenarien an ihre Grenzen stoßen. Besonders viel diskutiert wurde dabei ein Versuch, bei dem ein Tesla ein plötzlich auf die Fahrbahn tretendes Schulkind – dargestellt durch einen Dummy – nicht zuverlässig erkannte, entsprechend nicht rechtzeitig abbremste und den Dummy erfasste. Solche Ergebnisse sind Wasser auf die Mühlen jener Regulierer, die eine strengere Prüfung automatisierter Fahrfunktionen fordern.

Mehr Regulatorik als in den USA

In Europa treffen diese Zweifel auf ein ohnehin deutlich strengeres regulatorisches Umfeld als in den USA. Während Tesla viele seiner Funktionen in Nordamerika vergleichsweise offensiv ausrollt und regelmäßig per Software-Update erweitert, agieren europäische und vor allem auch deutsche Behörden traditionell vorsichtiger. Entsprechend könnte sich der Druck auf den Hersteller von Elektroautos nun erhöhen, seine Systeme stärker an lokale Anforderungen anzupassen oder deren Funktionsumfang einzuschränken.

Hinzu kommt eine grundsätzliche Debatte über die Einordnung der Technologie. Denn auch wenn Tesla seine Systeme marketingseitig prominent positioniert, handelt es sich bislang rechtlich weiterhin um Fahrerassistenzsysteme, bei denen der Mensch jederzeit die Kontrolle behalten muss. Genau hier setzen die Bedenken vieler Experten an: Wenn die Kommunikation Erwartungen weckt, die das System real nicht erfüllen kann, entsteht ein potenzielles Sicherheitsrisiko.

Konservativere Systeme erstmal im Vorteil?

Für Tesla ist die Diskussion nicht neu. Geschäftsführer Elon Musk hatte in der Vergangenheit immer wieder betont, dass das Unternehmen langfristig vollständig autonomes Fahren ermöglichen wolle. Gleichzeitig geriet der Konzern aber wiederholt in die Kritik, weil die Entwicklung komplexer ist als ursprünglich kommuniziert. Dass nun auch europäische Behörden genauer hinschauen, dürfte den Druck weiter erhöhen.

Für den Markt insgesamt ist die Entwicklung von großer Bedeutung. Denn Tesla gilt nach wie vor als (westlicher) Taktgeber bei softwaregetriebenen Funktionen im Auto. Sollte Europa hier strengere Maßstäbe anlegen oder gar einzelne Funktionen begrenzen, könnte das Signalwirkung für die gesamte Branche haben. Andere Hersteller, die ihre Systeme oft konservativer auslegen, könnten davon kurzfristig profitieren, langfristig aber ebenfalls stärker in die Pflicht genommen werden. Der Weg zum autonomen Fahren bleibt indes ein Balanceakt zwischen technologischem Fortschritt, regulatorischen Anforderungen und gesellschaftlicher Akzeptanz.

Quelle: Reuters – Tesla faces EU skepticism over automated-driving tech, records show

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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