IG Metall fordert Milliardenhilfen für Autozulieferer wegen Umstieg auf E-Mobilität

IG Metall fordert Milliardenhilfen für Autozulieferer wegen Umstieg auf E-Mobilität
Copyright:

shutterstock / Lizenzfreie Stockfotonummer: 551556004

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Autozulieferer, deren Geschäft stark von Verbrennungsmotoren abhängt, sehen sich mit dem Wandel zur E-Mobilität einer großen Herausforderung ausgesetzt. Die IG Metall fordert daher für diese Zulieferer Unterstützung in Milliardenhöhe – einen Vorschlag, wer das Geld aufbringen soll, gibt es ebenfalls.

IG Metall fordert Transformationsfonds für betroffene Zulieferer

Bekanntermaßen findet am Montag das Spitzentreffen der Autobranche in Berlin statt, bei dem der Wandel zur E-Mobilität ein wichtiges Thema sein wird. Die IG Metall will sich dort für eine milliardenschwere Unterstützung der Zulieferindustrie einsetzen. Ein sogenannter Transformationsfonds in zweistelliger Milliardenhöhe stehe zur Diskussion.

Aus Sicht der IG Metall soll das Geld aus dem Fonds, in Form von Krediten, an Zulieferer gehen, die zwar stark und profitabel seien, aber trotzdem nur schwer an Kapital für Investitionen kämen oder sehr viel Geld bräuchten. Die Bundesregierung soll für den Fonds Investoren anlocken, welche bei einer Laufzeit von sechs bis acht Jahren eine Verzinsung von 1,5 Prozent garantiert bekommen.

Kurzfristig sollen auch sanierungsbedürftige Zulieferer mit weiteren Milliardenbeträgen unterstützt werden. „50 Prozent der nötigen Summe könnten die deutschen Autohersteller einbringen, 50 Prozent die Bundesregierung“, gibt Frank Iwer, der Leiter der strategischen und politischen Planung der Gewerkschaft, zu verstehen.

Beschäftigungs- und Jobverluste als Argument für Unterstützung durch Bundesregierung

Es drohe ein beschäftigungspolitisches Debakel in Deutschland, wenn nicht schnell genug gegengesteuert werde, so die IG Metall. Digitalisierung und Elektromobilität könnten laut Experten langfristig rund ein Drittel der branchenweit 1,8 Millionen Arbeitsplätze kosten, weil Elektroautos mit weniger Teilen und geringerem Arbeitsaufwand produziert werden können. „Aus meiner Sicht überwiegen die Chancen“, sagt Reinhart über die Antriebswende. „Alle Beteiligten müssen sich jetzt nur schnell zusammensetzen und Lösungsansätze für die erwartbaren Herausforderungen aufzeigen.“

Bis 2030 soll der Anteil an E-Autos auf den Straßen auf bis zu 25% steigen, dies bedeute laut dem ersten Vorsitzende der Gewerkschaft, Jörg Hofmann, dass man für rund 70.000 Mitarbeiter neue Tätigkeiten benötige. Des Weiteren ermahnt der IG-Metall-Chef die deutschen Autohersteller, Batteriezellen künftig selbst zu fertigen.

Geht es nach IG Metall Bezirksleiter Jürgen Wechsler, besteht die Gefahr, dass wenn wir die Batteriezelle aufgeben, diese irgendwann ganz weg sind. Daher müsse die Staatsregierung Autohersteller und Zulieferer zusammenbringen, um eine Batteriezellenfertigung der nächsten Generation in Bayern aufzubauen.

Zulieferern wird mehr zugetraut, als IG Metall es zugeben will

Während die Autohersteller ihre Ausgaben für selbstfahrende Fahrzeuge und Elektroautos stetig erhöhen, wetten viele Investoren darauf, dass die ersten Gewinner aus den Technologieverlagerungen hin zur Elektromobilität andere Unternehmen sein werden: Die Zulieferer in der Automobilbranche.

Auch der Trend, dass immer mehr Start-ups und Technologiefirmen in den Automobilbau einsteigen, spiele den Zulieferern in die Hände: „Bei diesen neuen Anbietern, die sich häufig auf ihre Kompetenzen Vernetzung und Mobilitätsdienste konzentrieren, sind die Anteile der Zulieferer noch mal deutlich höher“, so der ZF-Chef. Hier sei es „noch wichtiger, als Systemlieferant auf Augenhöhe anbieten zu können“. Denn nur der „Verpacker“ für eine Technologie zu sein „geht nicht“.

Quelle: Automobilwoche – Umstieg auf die E-Mobilität: IG Metall will Milliardenhilfen für Autozulieferer

Worthy not set for this post
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

KI-Boom treibt Speicherchip-Preise für Autobauer hoch

KI-Boom treibt Speicherchip-Preise für Autobauer hoch

Sebastian Henßler  —  

Tech-Konzerne kaufen den Chipmarkt leer, die Autobranche zahlt drauf. Einzelne Speicherbausteine sind bis zu 400 Prozent teurer geworden.

Europa liegt beim E-Auto-Absatz nur drei Jahre hinter China zurück

Europa liegt beim E-Auto-Absatz nur drei Jahre hinter China zurück

Michael Neißendorfer  —  

Hält Europa an seinen CO2-Grenzwerten fest, könne es den Rückstand auf China noch vor 2030 aufholen und den Ölverbrauch im Verkehrssektor drastisch senken.

Tozero gewinnt in Bayern Lithium aus alten Batterien zurück

Tozero gewinnt in Bayern Lithium aus alten Batterien zurück

Sebastian Henßler  —  

Tozero verarbeitet jährlich 1500 Tonnen Batterieabfälle und gewinnt daraus Lithium, Graphit und Nickel-Kobalt zurück. Die Kosten liegen unter Bergbauniveau.

Mehrheit der Deutschen wünscht sich bessere Förderung für E-Autos

Mehrheit der Deutschen wünscht sich bessere Förderung für E-Autos

Michael Neißendorfer  —  

Eine aktuelle Befragung zeigt: Die Deutschen wechseln verstärkt vom Verbrenner zum Elektroauto – und fordern von der Politik mehr Initiative für E-Mobilität.

SolidCore: Was hinter MGs Batterieversprechen steckt

SolidCore: Was hinter MGs Batterieversprechen steckt

Sebastian Henßler  —  

MG will als erster Automobilhersteller eine Semi-Solid-State-Batterie in Großserie nach Europa bringen. Der Hochlauf läuft, doch manche Fragen bleiben offen.

Experten und Verbände watschen „Klimaschutz“-Programm der Regierung ab

Experten und Verbände watschen „Klimaschutz“-Programm der Regierung ab

Michael Neißendorfer  —  

Verbände und Experten lassen kein gutes Haar am neuen „Klimaschutzprogramm“ der Bundesregierung. Wirklich neues habe es gar nicht zu bieten.

VDIK: Ladeinfrastruktur entscheidet über E-Auto-Hochlauf

VDIK: Ladeinfrastruktur entscheidet über E-Auto-Hochlauf

Sebastian Henßler  —  

VDIK-Präsidentin Labbé schlägt eine staatliche Ladekarte mit Guthaben vor. Damit ließen sich Tarifchaos und umständliches Laden auf einen Schlag beseitigen.