HUK-E-Barometer: Privatleute steigen eher auf gebrauchte E-Autos um

HUK-E-Barometer: Privatleute steigen eher auf gebrauchte E-Autos um
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 4 min

Private Autofahrer setzen beim Umstieg von Verbrennungs- auf Elektromotoren immer weniger auf Neuwagen und stattdessen mehr auf gebrauchte Elektroautos. Im ersten Quartal 2025 kauften fast zwei von drei Privatleuten (61 Prozent) bei solchen Wechseln E-Gebrauchtwagen und nur 39 Prozent E-Neuwagen. Der Neuwagen-Anteil liegt damit um fast die Hälfte niedriger als vor dem Wegfall der staatlichen Kaufprämie für neue E-Autos Ende 2023, als er noch 74 Prozent betrug.

Die Trendumkehr zeigt auch der Langfrist-Vergleich. Vor dem Aus der Kaufprämie wurden über vier Jahre hinweg seit 2020 maximal 28 Prozent der E-Autos bei Fahrzeugwechseln gebraucht gekauft. In den anschließenden fünf Quartalen lag der Durchschnitt bei 52 Prozent. Dies ergibt das neue HUK-E-Barometer, das aus Daten der HUK-Versicherungsbestände jedes Quartal die Wechsel privater Kfz-Halter von Verbrennungs- zu Elektromotoren und den Gesamtbestand an privaten E-Autos in Deutschland misst.

Parallel werden durch eine bundesweit repräsentative Befragung Stimmungen und Verhaltensweisen in der deutschen Bevölkerung zu Elektroautos erfragt. Mit interessanten Ergebnissen: So hat immer noch eine Mehrheit der Befragten (60 Prozent) größere und meist unbegründete Bedenken beim Kauf eines gebrauchten E-Autos als beim Kauf eines gebrauchten Wagens mit Verbrennungsmotor.

„Der starke Anstieg privater Käufe gebrauchter E-Autos beim Wechsel weg vom Verbrennungsmotor hat sicher mit dem wachsenden Angebot an E-Gebrauchtwagen zu tun. Aber: Dass sich diese Quote verdoppelt hat, exakt nach Ende der Kaufprämie für Neufahrzeuge Ende 2023, lässt aufhorchen. Denn Gebraucht- und nicht Neuwagen dominieren den deutschen Kfz-Markt. Sie werden bei der Verbreitung von Elektromobilität daher die zentrale Rolle spielen. Dagegen wird heute viel zu sehr nur auf den Neuwagenmarkt geachtet – auch im politischen Raum“, so Dr. Jörg Rheinländer
Vorstandsmitglied der HUK-Coburg.

Fast 90 Prozent des Autobestands in Deutschland entfallen auf Privatfahrzeuge. Bei der Zulassung neuer Pkw ist das Verhältnis aber ganz anders. Die Mehrheit aller Neuzulassungen, etwa zwei Drittel, entfällt auf gewerblich genutzte Autos wie etwa Flotten-, Dienst- oder Geschäftswagen. Obwohl die Gesamtzahl neu zugelassener Elektroautos in den ersten drei Monaten 2025 anwuchs, kommt daher der private E-Automarkt, den das HUK-E-Barometer misst, weiterhin kaum in Fahrt.

So stiegen im ersten Quartal 2025, wie schon im Jahresverlauf 2024, in nur rund 4 Prozent aller Fahrzeugwechsel private Besitzer eines Autos mit Verbrennungsmotor auf einen rein elektrischen Antrieb (ohne Hybride) um. Der Anteil reiner E-Autos im privaten Bestand verharrt damit bei nur 3,0 Prozent. Und auch der von HUK-Coburg ermittelte Dynamik-Faktor der Entwicklung ist ernüchternd: Die Steigerung des E-Auto-Anteils war im ersten Quartal 2025 fast genauso schwach wie in 2024 – sie liegt auf dem niedrigsten Niveau seit 2020, dem Beginn der HUK-Messreihe.

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HUK-Coburg

Dahinter stecken offenbar auch Sympathieverluste. Die bundesweit repräsentative Bevölkerungsbefragung im Rahmen des HUK-E-Barometers ergibt: Mehrheitlich finden die Deutschen Elektroautos derzeit eher weniger gut bzw. gar nicht gut als gut oder sehr gut (51 Prozent zu 42 Prozent). Noch vor drei Monaten, im vierten Quartal 2024, waren die Meinungen dagegen fast ausgeglichen (47 Prozent zu 45 Prozent). Entsprechend sinkt auch die in der Umfrage erhobene Absicht, sich „künftig grundsätzlich nur noch ein reines Elektroauto“ anschaffen zu wollen. Sagten dies im vierten Quartal des Vorjahres noch 19 Prozent der Befragten, so sind es jetzt nur noch 15 Prozent.

Vermutete Anfälligkeit von E-Autos schreckt offenbar ab

„Haben Sie bei der Anschaffung eines gebrauchten reinen Elektroautos mehr Bedenken als bei der Anschaffung eines Autos mit Verbrennungsmotor?“: Auf diese Frage antworten 60 Prozent der Bevölkerung ab 16 Jahre mit ja. Technische Überprüfungen im In- und Ausland zeigen zwar keine grundsätzlich höhere Anfälligkeit von Elektro- gegenüber Verbrennungsmotoren, E-Autos kämpfen also weiterhin stark gegen Vorurteile an. „Entscheidend ist das Bauchgefühl der Menschen“, sagt Dr. Jörg Rheinländer, „alles, was hier Vorurteile abbaut, kann daher insbesondere dem Gebrauchtwagenmarkt für E-Autos helfen, auf den es bei der Verbreitung der E-Mobilität in Deutschland entscheidend ankommen wird.“

Der Bestand an privaten E-Autos ist in Deutschland sehr unterschiedlich verteilt. Am höchsten ist die Quote in den „Autoländern“ Bayern (3,6 Prozent), Niedersachen und Baden-Württemberg (je 3,4 Prozent). In Sachsen und Sachsen-Anhalt ist sie dagegen mit je 1,6 Prozent nicht einmal halb so hoch. Im ersten Quartal 2025 stiegen auch in Bayern und Niedersachsen (je 4,7 Prozent) die meisten Privatleute von einem Verbrenner- zum Elektromotor um. Beim Schlusslicht Sachsen waren es auch hier weniger als die Hälfte (2,3 Prozent).

Quelle: HUK Coburg – Pressemitteilung vom 15.05.2025

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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