Tesla will Batterieproduktion nach Brandenburg holen

Tesla will Batterieproduktion nach Brandenburg holen
Copyright:

Tesla

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Der amerikanische Automobilhersteller Tesla treibt seine Pläne für eine stärkere industrielle Verankerung in Deutschland voran. Am Standort Grünheide bei Berlin sollen ab der zweiten Hälfte des Jahrzehnts erstmals komplette Batteriezellen gefertigt werden, wie unter anderem die Zeit und FAZ berichten. Damit würde sich die Rolle des Werks deutlich verändern, das bislang vor allem für die Montage von Elektroautos bekannt ist. Nach Angaben des Unternehmens werden derzeit die technischen und organisatorischen Voraussetzungen geschaffen, um ab 2027 eine jährliche Zellkapazität von bis zu acht Gigawattstunden zu erreichen.

Bislang beschränkt sich die Batterieproduktion in Brandenburg auf einzelne Komponenten und Module. Die eigentlichen Zellen stammen aus den USA und werden anschließend nach Deutschland geliefert. Tesla strebt nun an, diesen Schritt auszulagern und künftig die gesamte Batterieeinheit vor Ort zu produzieren. Der Schritt ist aus Sicht des Unternehmens eng mit der Frage der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbunden. Tesla weist darauf hin, dass die Zellfertigung in Europa im internationalen Vergleich bislang nur eingeschränkt konkurrenzfähig sei.

Asien und die USA gelten als deutlich weiter, was Produktionsvolumen, Kostenstrukturen und staatliche Unterstützung betrifft. „Wenn die Rahmenbedingungen passen, findet in Zukunft auch die komplette Batteriewertschöpfung in Grünheide statt“, erklärte der Konzern. Gemeint ist damit der gesamte Weg von der Zelle bis zum fertigen Akku.

Batteriefertigung: Bündelung der Produktion an einem Standort geplant

Ziel sei es, möglichst viele Produktionsschritte an einem Ort zu bündeln. Tesla spricht von einem Ansatz, bei dem Batteriezellen, Batteriepacks und Autos an einem Standort entstehen. Das soll Lieferketten verkürzen und die Widerstandskraft gegenüber globalen Störungen erhöhen. In Grünheide würden damit Prozesse zusammengeführt, die in Europa bislang meist auf mehrere Länder verteilt sind.

Für den Ausbau der Zellfertigung plant Tesla erhebliche Investitionen. Nach Unternehmensangaben soll ein dreistelliger Millionenbetrag in zusätzliche Anlagen fließen. Insgesamt belaufe sich das Investitionsvolumen für die Zellfabrik damit auf knapp eine Milliarde Euro. Die baulichen Strukturen sind bereits vorhanden, da die Möglichkeit zur Zellproduktion von Beginn an Teil der Standortplanung war.

Tesla macht bislang keine detaillierten Angaben zur künftigen Lieferkette für die Zellproduktion in Grünheide. Bekannt ist jedoch, dass der Konzern in Texas eine eigene Lithium-Raffinerie aufbaut. Gleichzeitig betont das Unternehmen, nicht alle Vorprodukte aus Übersee beziehen zu wollen. Der Anspruch, Lieferketten robuster aufzustellen, spreche gegen eine vollständige Abhängigkeit von Importen.

Neue Arbeitsplätze durch geplante Zellfertigung

Mit dem geplanten Ausbau der Zellfertigung verbindet Tesla auch Beschäftigungseffekte. In den kommenden Monaten soll eine dreistellige Zahl neuer Arbeitsplätze entstehen. Aktuell arbeiten rund 11.000 Menschen am Standort, davon etwa 400 im Bereich Batterieproduktion. Die neuen Anlagen sollen in bestehenden Gebäuden untergebracht werden, zusätzlicher Wasserbedarf ist nach Angaben des Unternehmens nicht zu erwarten. Perspektivisch schließt Tesla eine weitere Erweiterung der Zellfertigung nicht aus, sofern sich die wirtschaftlichen Bedingungen entsprechend entwickeln.

Parallel zu Teslas Vorhaben investieren auch andere Hersteller in Europa in den Aufbau eigener Kapazitäten. Volkswagen errichtet derzeit Zellfabriken in Salzgitter, Spanien und Kanada. In Salzgitter sollen noch in diesem Jahr erstmals serienreife Zellen produziert werden.

Quelle: FAZ – Tesla plant Batteriezellfertigung in Grünheide von 2027 an / Zeit – Tesla peilt komplette Batteriefertigung in Deutschland an

worthy pixel img
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Batterieentwicklung

China: Neue Regeln für das Recycling von NEV-Batterien

China: Neue Regeln für das Recycling von NEV-Batterien

Laura Horst  —  

China führt strenge Vorschriften zum Recycling von ausgedienten Elektroautobatterien ein, die eine illegale Entsorgung der Altbatterien verhindern sollen.

Lithium aus Portugal: Lifthium Energy erhält 180 Millionen Euro vom Staat

Lithium aus Portugal: Lifthium Energy erhält 180 Millionen Euro vom Staat

Tobias Stahl  —  

Das portugiesische Unternehmen Lifthium Energy erhält 180 Millionen Euro vom Staat für den Bau einer Lithiumraffinerie im Norden des Landes.

Teslas Pläne für Batteriefabrik in Grünheide erhalten neues Leben

Teslas Pläne für Batteriefabrik in Grünheide erhalten neues Leben

Daniel Krenzer  —  

Elon Musk plant wohl ab 2027 eine Batteriefertigung in Grünheide. Zunächst soll ein 8-GWh-Werk entstehen – ein pragmatischer Schritt mit Signalwirkung.

Argylium: Europäischer Elektrolyt für Feststoffbatterien

Argylium: Europäischer Elektrolyt für Feststoffbatterien

Maria Glaser  —  

Syensqo und Axens gaben die Gründung eines neuen Unternehmens bekannt, das sich der Entwicklung von Materialien für Feststoffbatterien in Europa widmet.

Chinas Markt für Batterien wächst 2025 deutlich

Chinas Markt für Batterien wächst 2025 deutlich

Maria Glaser  —  

Die Installationen, die Produktion sowie der Export von Antriebs- und Energiespeicherbatterien ist im Jahr 2025 in China stark gestiegen.

Chery: Exeed bringt 2026 erstes E-Auto mit Feststoffbatterie

Chery: Exeed bringt 2026 erstes E-Auto mit Feststoffbatterie

Sebastian Henßler  —  

Mit der Marke Exeed will Chery 2026 die Feststoffbatterie auf die Straße bringen. Geplant sind bis 1500 Kilometer Reichweite selbst bei starkem Frost.

Diskussion: Batterien für Europa entstehen nicht über Nacht

Diskussion: Batterien für Europa entstehen nicht über Nacht

Sebastian Henßler  —  

Batterien einfach importieren? Das greift zu kurz. Experten offenbaren, warum Europas Industrie eigene Wertschöpfung, Partnerschaften und Skalierung braucht.