EY-Prognose: Der stille Preis des E-Auto-Booms

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Sebastian Henßler
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Der Absatz von Elektroautos hat in Deutschland im Jahr 2025 deutlich zugelegt. Mit einem Marktanteil von rund 19 Prozent an den Neuzulassungen rückt der elektrische Antrieb weiter in den Massenmarkt hinein. Politik und Industrie werten diese Entwicklung als Signal für einen nachhaltigen Wandel im Verkehrssektor. Weniger im Fokus steht jedoch, dass dieses Wachstum bislang stark von staatlichen Eingriffen geprägt ist. Kaufzuschüsse, steuerliche Vorteile und entgangene Abgaben wirken zusammen und schaffen Rahmenbedingungen, unter denen sich der Markt entwickelt. Eine Analyse der Beratungsgesellschaft EY zeigt, welches finanzielle Gewicht diese Unterstützung für den Staat hat.

Nach den Berechnungen summieren sich die direkten Förderungen sowie die steuerlichen Mindereinnahmen zwischen 2025 und 2030 auf insgesamt 39,1 Milliarden Euro. Grundlage der Analyse ist eine Modellierung des künftigen Bestands an Elektroautos und Plug-in-Hybriden, kombiniert mit Absatzprognosen und einer umfassenden Marktstudie. Das Volumen entspricht in etwa den seit Jahren diskutierten Vorteilen für Dieselautos. Der Unterschied liegt in der zeitlichen Dynamik. Während die Entlastungen für Diesel vergleichsweise konstant bleiben, steigen die Vorteile für elektrisch betriebene Autos kontinuierlich an und übertreffen die Diesel-Subventionen ab dem Jahr 2029.

Die von der Bundesregierung angekündigte Wiederaufnahme der Kaufprämie fällt dabei weniger stark ins Gewicht als häufig angenommen. In den kommenden zwei Jahren sollen insgesamt drei Milliarden Euro an Haushalte mit niedrigen bis mittleren Einkommen ausgezahlt werden, mit einem Zuschuss von bis zu 5000 Euro pro Auto. Der größere Teil der staatlichen Unterstützung entfällt jedoch auf indirekte Effekte. Dazu zählen Steuererleichterungen bei Energie, Vorteile bei der Dienstwagenbesteuerung sowie die Befreiung von der Kfz-Steuer. EY-Experte Constantin Gall spricht von einem System, das ohne diese Eingriffe nicht tragfähig wäre.

Energiesteuern als größter Hebel der Förderung

Ein zentraler Faktor sind die Energiesteuern. Zwischen 2025 und 2030 entstehen laut EY Einnahmeausfälle von insgesamt 29,8 Milliarden Euro bei Benzin und Diesel. Dem stehen Einnahmen aus der Stromsteuer in Höhe von 8,3 Milliarden Euro gegenüber. Netto ergibt sich allein bei Energie- und Stromsteuern ein Defizit von 21,5 Milliarden Euro gegenüber einem Szenario ohne Elektroautos. Für den Staat ist das relevant, da Energiesteuern bislang zu den stabilen Einnahmequellen zählen. Im Jahr 2024 beliefen sich die Einnahmen aus Diesel und Benzin auf 35,1 Milliarden Euro.

Hinzu kommen weitere steuerliche Effekte. Die Befreiung von der Kfz-Steuer verursacht bis 2030 Mindereinnahmen von rund 3,9 Milliarden Euro. Besonders stark wirkt sich jedoch die vergünstigte Besteuerung von elektrischen Dienstwagen aus. Allein im Jahr 2025 führt diese Regelung zu Einnahmeausfällen von 0,8 Milliarden Euro. Bis 2030 steigt dieser Betrag auf jährlich 3,2 Milliarden Euro an. Kumuliert ergibt sich für den Zeitraum ein Minus von 10,8 Milliarden Euro.

Sinkende Kaufbereitschaft trotz wachsendem Bestand

Parallel zum wachsenden Bestand zeigt sich auf Käuferseite eine zunehmende Zurückhaltung. In einer Befragung von 1000 Bundesbürgern im vergangenen Herbst gaben nur noch 18 Prozent an, dass ihr nächstes Auto ein Elektroauto sein soll. Im Jahr zuvor lag dieser Anteil noch bei 26 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil derjenigen, die einen Verbrenner bevorzugen, von 40 auf 47 Prozent. Die Umfrage wurde jedoch durchgeführt, bevor die neue Kaufprämie beschlossen wurde.

EY-Partner Jan Sieper erwartet durch die neue Förderung kurzfristig steigende Verkaufszahlen, warnt jedoch vor Mitnahmeeffekten und einem erneuten Nachfrageeinbruch nach dem Auslaufen der Unterstützung. Die Nachfrage sei künstlich stimuliert und nicht nachhaltig. Reichweitenangst, Ladezeiten und hohe Preise blieben zentrale Hürden für viele Käufer.

Trotz dieser Skepsis rechnen die EY-Experten mit einem starken weiteren Wachstum. Im wahrscheinlichsten Szenario steigt die Zahl der Elektroautos und Plug-in-Hybride von derzeit 3,2 Millionen auf 9,4 Millionen im Jahr 2030. Allein im kommenden Jahr soll der Bestand um rund 600.000 Autos zunehmen. Ein wesentlicher Treiber bleibt der Dienstwagenmarkt, da ein großer Teil der Neuzulassungen auf Firmenautos entfällt, die später als Gebrauchte in den Privatmarkt gelangen.

Offene Fragen zur langfristigen Finanzierung

Gleichzeitig zeigt die offizielle Steuerschätzung bereits sinkende Einnahmen aus Energiesteuern bis 2030. Auch bei der Kfz-Steuer wird mit einem rückläufigen Aufkommen gerechnet. Konkrete Konzepte zur langfristigen Gegenfinanzierung dieser Entwicklung liegen bislang nicht vor. Damit bleibt offen, wie dauerhaft tragfähig der derzeitige Förderrahmen für die Elektromobilität ist.

Quelle: Business Insider – Mit so vielen Milliarden fördert der deutsche Staat E-Autos – obwohl Autofahrer sie nicht mögen / EY – Hochlauf der E-Mobilität kostet den Staat bis 2030 mehr als 39 Milliarden Euro

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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