Studie warnt: EU-Schutzmaßnahmen machen E-Autos teurer

Studie warnt: EU-Schutzmaßnahmen machen E-Autos teurer
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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
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Die europäische Automobilindustrie steht unter erheblichem Druck, doch zu viel Schutz vor ausländischer Konkurrenz könnte ausgerechnet den Hochlauf der Elektromobilität erschweren. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse des Brüsseler Wirtschaftsforschungsinstituts Bruegel, über die auch der Spiegel berichtet. Demnach könnten Zölle, Vorgaben für europäische Wertschöpfung und weitere Schutzmaßnahmen Elektroautos spürbar verteuern.

Besonders deutlich wird dies am Beispiel der Batterie. Bruegel rechnet vor, dass eine verbindliche Vorgabe, nach der Batteriezellen für geförderte Elektroautos aus der EU stammen müssten, deren Kosten von derzeit etwa 50 auf 85 Euro je Kilowattstunde erhöhen könnte. Bei einer angenommenen Batteriegröße von 60 kWh entspräche das Mehrkosten von rund 2100 Euro je Fahrzeug. Dabei handelt es sich ausdrücklich um ein Rechenbeispiel der Studienautoren und nicht um eine Prognose dafür, dass jedes Elektroauto künftig entsprechend teurer wird.

Hinzu könnten weitere Anforderungen kommen. Vorgaben für CO₂-armen Stahl würden Bruegel zufolge beispielsweise noch einmal rund 200 Euro je Fahrzeug ausmachen. Dem stehen geplante Vereinfachungen bei Regulierung und Typgenehmigung gegenüber, deren Einsparpotenzial die Autoren auf lediglich etwa 61 Euro je Fahrzeug herunterrechnen. Besonders problematisch wären steigende Kosten im preissensiblen Klein- und Kompaktwagensegment, in dem europäische Hersteller bislang ohnehin Schwierigkeiten haben, günstige Elektroautos anzubieten.

Kritik an EU-Zöllen auf chinesische E-Autos

Hintergrund ist der Versuch der EU, mehrere Ziele gleichzeitig zu erreichen: Die heimische Automobilindustrie und ihre Arbeitsplätze sollen geschützt, strategische Abhängigkeiten von China reduziert und gleichzeitig Elektroautos für Verbraucher bezahlbar werden. Genau darin sieht Bruegel einen Zielkonflikt. Globale Lieferketten ermöglichten derzeit vielfach die niedrigsten Kosten, während eine stärkere europäische Wertschöpfung die Versorgungssicherheit erhöhe – aber zunächst teurer sein könne.

Die EU-Kommission hat dazu im März den sogenannten Industrial Accelerator Act vorgeschlagen. Er sieht bei öffentlichen Förderprogrammen und Beschaffungen gezielte Anforderungen für in Europa hergestellte beziehungsweise besonders CO₂-arme Produkte vor. Betroffen sind unter anderem Autos, Batterien, Stahl und weitere strategische Industrien. Das Gesetz befindet sich noch im europäischen Gesetzgebungsverfahren.

Kritisch beurteilen die Bruegel-Autoren auch die seit Herbst 2024 geltenden zusätzlichen EU-Zölle auf in China produzierte Elektroautos. Diese können je nach Hersteller bis zu 35,3 Prozent betragen, gelten bislang aber nicht in gleicher Weise für Plug-in-Hybride. Während sich die Einfuhren chinesischer Elektroautos dadurch verändert hätten, seien die Importe von Plug-in-Hybriden stark gestiegen. Aus Sicht der Autoren wird damit ein Teil der Schutzwirkung umgangen – gleichzeitig erhalten Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor einen relativen Vorteil.

Importquote als Alternative?

Dass Europas Automobilindustrie vor einem tiefgreifenden Umbau steht, bestreitet Bruegel dabei nicht. Die Pkw-Produktion in der EU ist demnach seit 2019 um rund 2,6 Millionen Fahrzeuge beziehungsweise 19 Prozent zurückgegangen. Zugleich kauften die Europäer 2025 etwa 2,2 Millionen Neuwagen weniger als 2019. Rund 14 Millionen Menschen arbeiten weiterhin entlang der europäischen automobilen Wertschöpfungskette.

Die Autoren plädieren deshalb nicht für völlig freien Wettbewerb ohne Schutzmechanismen. Stattdessen schlagen sie zeitlich begrenzte Maßnahmen vor, die europäischen Unternehmen Gelegenheit geben sollen, technologisch und bei den Kosten aufzuholen. Unter anderem bringen sie eine mit China ausgehandelte Importquote für Elektroautos und Plug-in-Hybride ins Spiel. Gleichzeitig sollten ausländische Investitionen in europäische Werke nicht grundsätzlich erschwert werden, sofern dadurch Wertschöpfung, Know-how und Arbeitsplätze in Europa entstehen.

Gerade dieser Punkt dürfte für die weitere europäische E-Auto-Strategie entscheidend sein. Schutzmaßnahmen können heimischen Herstellern Zeit verschaffen und strategische Abhängigkeiten reduzieren. Werden sie jedoch dauerhaft mit hohen lokalen Wertschöpfungsvorgaben kombiniert, droht die Transformation für Verbraucher teurer zu werden. Und damit könnte am Ende ein Instrument zum Schutz der europäischen Elektromobilität absurderweise deren weiteren Hochlauf bremsen.

Quelle: Spiegel.de – Ökonomen warnen vor höheren E-Auto-Preisen durch Zölle; Bruegel – The European Union’s automotive sector needs a plan, not undue protection

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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