ACEA: Regulierung bremst Autohersteller aus

ACEA: Regulierung bremst Autohersteller aus
Copyright:

Shutterstock / 2424670173

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 2 min

Europäische Autohersteller und Zulieferer haben sich mit EU-Kommissar Stéphane Séjourné getroffen, um Maßnahmen zur Stärkung der gesamten automobilen Wertschöpfungskette zu besprechen. Themen waren Batterien, kritische Rohstoffe und bezahlbare Energie für Industrie und Verbraucher, wie der europäische Automobilherstellerverband ACEA (für Association des Constructeurs Européens d’Automobiles) berichtet.

Mario Draghi, italienischer Wirtschaftswissenschaftler und ehemaliger Zentralbanker, griff in einem Bericht die Herausforderungen der Branche auf, welche kommuniziert wurden. Er kritisiert, dass die EU Klimaziele verfolge, ohne eine abgestimmte Industriepolitik zu berücksichtigen. Dies setze die Branche unter Druck. Der Wettbewerb um Ressourcen, Kapital und Kunden nehme zu, während geopolitische Unsicherheiten und steigende Kosten die Situation verschärften. Zudem entwickle sich der Markt für Elektroautos langsamer als erwartet. Um konkurrenzfähig zu bleiben, brauche es entschlossene Entscheidungen und strukturelle Reformen.

Die Umstellung auf emissionsfreie Mobilität bedeute weit mehr als einen Technologiewechsel. Ein vernetztes System sei notwendig, das neue Partnerschaften in der Wertschöpfungskette fördere. Sigrid de Vries, Generaldirektorin des europäischen Herstellerverbands ACEA, sieht in der europäischen Autoindustrie eine Erfolgsgeschichte. Eine zu detaillierte Regulierung einzelner Produktionsschritte erschwere jedoch die Anpassung an neue Bedingungen. Europa könne eine führende Rolle bei emissionsfreien Autos übernehmen, wenn gezielte Anreize geschaffen und regulatorische Rahmenbedingungen verbessert würden.

Benjamin Krieger, Generalsekretär des Zuliefererverbands CLEPA, betont die Bedeutung technologischer Vielfalt. Ingenieure sollten Freiraum erhalten, um neue Lösungen zu entwickeln. Eine abgestimmte Förderstrategie sei essenziell, um Investitionen zu sichern. Frühzeitige technologische Durchbrüche bräuchten gezielte Unterstützung, um ihre Weiterentwicklung zu ermöglichen. Europas Automobilindustrie benötige stabile Rahmenbedingungen und eine klare Strategie. Nur so lassen sich Innovationen effizient in marktfähige Produkte überführen. Ohne eine einheitliche politische Richtung drohe Europa, im globalen Wettbewerb an Boden zu verlieren.

Man könnte nun vermuten, dass der ACEA mit „stabilen Rahmenbedingungen und einer klaren Strategie“ einen Fokus auf Elektromobilität einfordert. Leider nein: Der ACEA spricht sich wieder einmal für die vermeintliche Technologieoffenheit aus. Und vergisst aber gänzlich zu erwähnen, dass die Umstellung auf emissionsfreie Mobilität im Kern bereits 2009 beschlossen und hinsichtlich der CO₂-Flottenwerte in 2025 schon im Jahr 2019 final bestätigt wurde. „Wer es als Autohersteller versäumt hat, sich darauf einzustellen, hat in dieser Hinsicht schlicht und einfach und auf ganzer Linie versagt“, um unseren Chefredakteur Michael Neißendorfer zu zitieren, der das Gebaren des ACEA vor einiger Zeit harsch kritisiert hat.

Quelle: ACEA – Holistic approach needed to lead zero-emission manufacturing, regulation alone can’t get us there

worthy pixel img
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

Mobilitätsforscher: Auto verliert zunehmend an Bedeutung

Mobilitätsforscher: Auto verliert zunehmend an Bedeutung

Laura Horst  —  

Das Auto verliert in Deutschland laut dem Mobilitätsforscher Andreas Knie zunehmend an Bedeutung, sowohl wirtschaftlich als auch in der Gesellschaft.

DIW fordert für Pkw Technologie-Klarheit statt Technologie-Offenheit

DIW fordert für Pkw Technologie-Klarheit statt Technologie-Offenheit

Michael Neißendorfer  —  

Unklare politische Signale bremsen Hochlauf der Elektromobilität, moniert das DIW. Elektroautos sollten klar priorisiert werden.

China festigt Stellung als E-Auto-Leitmarkt, europäische Hersteller können nicht mithalten

China festigt Stellung als E-Auto-Leitmarkt, europäische Hersteller können nicht mithalten

Michael Neißendorfer  —  

Der Weltmarkt ist zwar stark an in China gekoppelt, jedoch entwickelt sich der Markt in Europa noch dynamischer und übertrifft das chinesische Wachstum.

IG fordert „dringende Umsetzung“ des EU-Autopakets

IG fordert „dringende Umsetzung“ des EU-Autopakets

Laura Horst  —  

Die IG Metall fordert eine Local-Content-Regelung seitens der Europäischen Union und dringt auf eine rasche Umsetzung des Autopakets.

Analysten: Kleinwagen könnten europäischen Automarkt stärken

Analysten: Kleinwagen könnten europäischen Automarkt stärken

Laura Horst  —  

Ökonomen sehen für die Autobranche in 2026 eine leichte Erholung, warnen aber davor, dass gesamtwirtschaftliche Unsicherheiten das Wachstum begrenzen könnten.

ZDK: Autobranche fordert Verlässlichkeit für Elektromobilität

ZDK: Autobranche fordert Verlässlichkeit für Elektromobilität

Daniel Krenzer  —  

Beim ZDK-Neujahrsgipfel fordert das Kfz-Gewerbe klare Rahmenbedingungen, verlässliche E-Auto-Förderung und mehr Planungssicherheit für die Mobilitätswende.

IG Metall warnt vor schnellem Markteintritt chinesischer Lkw-Hersteller

IG Metall warnt vor schnellem Markteintritt chinesischer Lkw-Hersteller

Tobias Stahl  —  

Chinesische Lkw-Hersteller drängen schneller nach Europa als erwartet – nun warnt die IG Metall vor erheblichen Folgen für Arbeitsmarkt und Wertschöpfung.