In Deutschland sind im dritten Quartal erstmals mehr reine E-Autos neu zugelassen worden als Autos mit ausschließlichem Verbrennungsmotor. Der Elektro-Anteil lag bei 32 Prozent, reine Verbrenner kamen auf 29 Prozent. Mit rund 236.000 Einheiten erreichten die Zulassungen batterieelektrischer Modelle hierzulande zugleich einen neuen Höchststand. Das geht aus dem aktuellen „Electric Vehicle Sales Review“ (EVSR) von PwC Autofacts hervor (Link zur Studie), der die Neuzulassungen in 43 internationalen Märkten auswertet.
Die Marke von 30 Prozent wurde damit in Deutschland zum ersten Mal überschritten. Vorausgegangen waren mehrere Quartale mit starkem Wachstum. Laut der Analyse legten im Berichtszeitraum sämtliche elektrifizierten Antriebsarten zu, während klassische Verbrenner weiter Marktanteile abgaben.
Für Käufer:innen rückt neben der Marktentwicklung vor allem die Kostenseite in den Blick. Nach den Analyst Insights des EVSR bieten Elektroautos in Deutschland, den USA und China bei den Energiekosten weiterhin klare Vorteile gegenüber Benzinern und Dieseln. Besonders stark profitieren demnach Fahrer:innen, die zu Hause oder am Arbeitsplatz laden können. Mit einem Energiebudget von 100 Euro kommt ein E-Auto mit hohem Heimladeanteil hierzulande mehr als doppelt so weit wie ein vergleichbarer Benziner. Auch gegenüber dem Diesel fallen die Betriebskosten eines E-Autos nach Angaben von PwC inzwischen niedriger aus, sinkende Strompreise liefern zusätzlichen Anreiz.
Steven van Arsdale, Global Lead Analyst bei PwC Autofacts, sieht den „wirtschaftlichen Business Case für Elektrofahrzeuge“ für Verbraucher:innen zunehmend gestärkt. Wer elektrisch unterwegs ist, fährt nach seiner Analyse in allen untersuchten Märkten bereits heute „deutlich kostengünstiger“ als mit Benzin- oder Dieselantrieb. Zugleich schränkt er ein: „Niedrigere Betriebskosten allein verkaufen noch kein Auto.“ Entscheidend bleibe die Kombination aus attraktivem Produktangebot, Ladezugang und Preis.
Europa beschleunigt, China führt, die USA bremsen
Besonders dynamisch verlief die Entwicklung in den fünf europäischen Kernmärkten Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Vereinigtes Königreich. Dort stiegen die Neuzulassungen reiner E-Autos gegenüber dem Vorjahresquartal um 66 Prozent und übertrafen erstmals die Schwelle von 600.000 Einheiten in einem Quartal. Ihr Marktanteil kletterte auf 27 Prozent. Neuwagen mit reinem Verbrennungsmotor verzeichneten dagegen ein Minus von 27 Prozent und fielen erstmals unter einen Anteil von 25 Prozent. Elektrifiziert sind in diesen Ländern damit inzwischen mehr als drei von vier Neuwagen.
Weltweit wurden im selben Zeitraum 4,3 Millionen batterieelektrische Autos zugelassen, so viele wie nie zuvor. Hohe Kraftstoffkosten, ein breiteres Modellangebot sowie Förderprogramme in ausgewählten Märkten erhöhen laut PwC die wirtschaftliche Attraktivität gegenüber Verbrennern. Regional zeigen die Daten allerdings deutliche Unterschiede.
Deutlich weiter fortgeschritten ist China. Der Anteil reiner E-Autos erreichte dort mit 49 Prozent einen neuen Höchstwert, und mit 2,5 Millionen neu registrierten Einheiten wurde ein Volumen erreicht, das es in einem dritten Quartal bislang nicht gab. Rechnet man Plug-in-Hybride hinzu, lag der Anteil der sogenannten New Energy Vehicles (NEV) in jedem Monat des Quartals über 65 Prozent. Im September stieg er auf knapp 66 Prozent, ein neuer Spitzenwert.
Einen anderen Weg nehmen die USA, deren Markt sich zunehmend vom globalen Trend abkoppelt. Nach dem Auslaufen staatlicher Fördermaßnahmen ab dem dritten Quartal 2025 sank der Elektro-Anteil zuletzt auf sechs Prozent. Ein Jahr zuvor hatte er mit zehn Prozent noch einen Rekordwert markiert, der laut PwC vorerst außer Reichweite bleibt. Hybride legten dagegen um 26 Prozent auf 649.000 Einheiten zu.
Schallplatte, CD, Streaming – und nun das E-Auto?
In China galten E-Autos vor wenigen Jahren noch als Nischenprodukt. Den raschen Zuwachs vergleicht PwC mit klassischen Technologiewechseln in anderen Industrien. Harald Wimmer, Partner und Global Automotive Leader bei PwC Deutschland, sieht in den aktuellen Daten einen „Marktdurchbruch des Elektroautos“, die Einführungsphase sei abgeschlossen. Als Beispiel zieht er die Abfolge von Schallplatte, CD und Streamingdienst heran. Dort habe sich die jeweils überlegene Technologie innerhalb weniger Jahre durchgesetzt, und zwar in immer kürzeren Übergangsphasen.
Nach Wimmers Einschätzung dürfte auch der Wechsel zum Elektroauto weiter an Tempo gewinnen, oft schneller, als es während des Übergangs wahrgenommen werde. In Europa wirkten die stark gestiegenen Spritpreise dabei „wie ein Katalysator“. Bereits in rund zwei Jahren könnte nach seiner Prognose jeder zweite verkaufte Neuwagen einen E-Antrieb haben.
Quelle: PwC – Pressemitteilung








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