Elektroautos gewinnen bei Autovermietungen an Zuspruch

Elektroautos gewinnen bei Autovermietungen an Zuspruch
Copyright:

Avis

Patrick Solberg
Patrick Solberg
  —  Lesedauer 4 min

Immer mehr Autofahrer steigen auf ein Elektroauto um. So langsam ändert sich auch die Stimmung bei den Autovermietern. Viele setzen in den kommenden Jahren mehr denn je auf Elektroautos. Die angespannte Liefersituation macht das schwerer denn je.

Diese Nachricht hat eingeschlagen wie eine Bombe: der chinesische Autohersteller BYD und Mietwagengigant Sixt einigen sich auf die Lieferung von 100.000 Elektroautos in den kommenden sechs Jahren. Bis 2028 will der deutsche Mietwagenanbieter bei dem China-Neuling Build your Dreams 100.000 Elektroautos bestellen und die eigene Flotte so zunehmend elektrifizieren. Die ersten Elektrofahrzeuge vom Typ BYD Atto 3 rollen bereits in den kommenden Wochen an.

Bis zum Ende des Jahrzehnts will Sixt, in mehr als hundert Ländern mit knapp 2.100 Niederlassungen vertreten, die eigene Mietwagenflotte zwischen 70 und 90 Prozent elektrifizieren. Eine Vorreiterrolle übernehmen dabei Deutschland, Frankreich, England oder die Niederlande. Für BYD ist das Geschäft mit Sixt in erster Linie eine rollende Marketingmaßnahme, denn Mietwagenfirmen sind ein beliebtes Mittel, ein neues Modell flächendeckend auf die Straße zu bringen.

Im Falle BYD sind das nicht nur einzelne Modelle wie eben der Atto 3, sondern die ganze Marke, die in Europa nur wenige kennen. Geld verdienen lässt sich für die Autohersteller zumeist nur eingeschränkt, denn die Rabatte die sie den großen Autovermietern einräumen müssen, sind gigantisch. Und angesichts der aktuellen Fertigungsprobleme aufgrund der Chipkrise haben viele Autohersteller gar kein Interesse, ihre Fahrzeuge in die stark subventionierten Mietwagenpools zu pressen, weil die Kunden mitunter ein Jahr oder mehr als die elektrifizierten Fahrzeuge warten müssen.

Gerade erst eine Woche ist es her, da verkündete Autogigant General Motors, dass er in den kommenden Jahren 175.000 Elektrofahrzeuge an den amerikanischen Mietwagenanbieter Hertz liefern werde. Das Programm umfasst Elektromodelle verschiedenster GM-Marken und somit unterschiedlicher Buchungs- und Preisklasse von Buick über Cadillac bis hin zu Chevrolet oder den Elektrolieferwagen von Bright Drop. Bis zum Jahre 2027 sollen die Mietwagennutzer mit diesen Elektromodellen knapp 13 Milliarden Kilometer zurücklegen, was einen geringeren CO2-Ausstoß von 1,8 Millionen Tonnen bedeuten würde. Hertz-CEO Stephen Scherr: „Wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit mit GM bei dieser Initiative, die unser Angebot an E-Fahrzeugen für Hertz-Kunden, darunter Freizeit- und Geschäftsreisende, Rideshare-Fahrer und andere Kunden, erheblich erweitern wird.“

Zwar gibt es bei allen großen Mietwagenfirmen seit Jahren Elektroautos, doch hält sich Anzahl und Portfolio zumeist in Grenzen. Viele Mietwagenkunden wollen ein Fahrzeug, das an einem Flughafen oder an einem Bahnhof schnell verfügbar ist. Wer nicht selbst über ein Elektroauto verfügt, dem fehlt mitunter App oder Chipkarte zum Nachladen. Da greifen viele lieber zu einem bekannten Verbrenner.

Doch mittlerweile wandelt sich das Bild immer mehr, denn immer mehr Automieter fahren auch privat ein Elektroauto und wollen als Mietfahrzeug ein ebensolches mit Stecker. Andere, die einen klassischen Verbrenner fahren, wollen es allzu gerne ausprobieren wie es ist, einmal ein Elektroauto im Alltag zu fahren. Wo wäre das einfacher als bei einem Kurztest, wenn man ohnehin den nächsten Mietwagen braucht, wenn es zu einem beruflichen Termin in die Metropole im In- oder Ausland geht?

Viele der Anmietungen sind beruflich und immer mehr Konzerne steigen aufgrund von Vorgaben auf Elektroautos oder zumindest Plug-in-Hybriden um. Insofern wird gerade von den Mitarbeitern bei einem offiziellen Kundentermin verlangt, dass diese mit einem Elektroauto vorfahren, um Innovations- und Zeitgeist des Unternehmens nach außen zu tragen. Hiervon profitierten in den vergangenen Jahren insbesondere kleine Spezialanbieter profitiert, die elektrifizierte Fahrzeuge angeboten haben, die auf dem Markt sonst nicht verfügbar waren.

Sie haben nach wie vor großen Zulauf, weil sich diese – vergleichsweise teuer – neue Elektrofahrzeuge besorgen, die ganz neu auf dem Markt sind. Sie setzen auf einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den großen Vermietern, weil diese die entsprechenden Elektroautos so schnell nicht im Programm haben. So bietet ein Anbieter wie Evo to Drive in seinem Fuhrpark nicht nur die komplette Tesla-Flotte, sondern auch Stecker-Fahrzeuge wie den Porsche Taycan, Mercedes EQE, BMW i4 oder den ganz neuen VW ID Buzz. Lockangebote über das Wochenende machen das Ganze für Kunden noch interessanter.

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in News

VW baut Werk Osnabrück zu Rüstungsstandort um

VW baut Werk Osnabrück zu Rüstungsstandort um

Sebastian Henßler  —  

Volkswagen gibt die Autoproduktion in Osnabrück auf und macht den Standort mit Niedersachsen und Aurelius zu einem Zentrum für Verteidigungstechnik.

Audi A2 e-tron: Zweite Chance für einen einstigen Flop

Audi A2 e-tron: Zweite Chance für einen einstigen Flop

Stefan Grundhoff  —  

Audi bringt den A2 als Elektroauto zurück und stützt sich dabei technisch auf die Plattform des VW ID.3 Neo, verpackt in einem eigenständigen Design.

VW-Aufsichtsrat: Fallen sogar bis zu 110.000 Stellen weg?

VW-Aufsichtsrat: Fallen sogar bis zu 110.000 Stellen weg?

Sebastian Henßler  —  

Offiziell sollen 50.000 Jobs entfallen. Ein 23-seitiges Papier addiert weitere 60.000 Stellen aus Marken- und Gemeinkostenzielen bis 2030 hinzu.

2400 km im Xpeng G6: So banal ist E-Auto-Urlaub inzwischen

2400 km im Xpeng G6: So banal ist E-Auto-Urlaub inzwischen

Daniel Krenzer  —  

2400 Kilometer mit dem Xpeng G6 nach Dänemark: So entspannt verlief die Urlaubsfahrt mit Familie, Ladepausen, Verbrauch und Stromkosten.

E-Kleinwagen VW ID. Polo vor Verkaufsstart ausverkauft

E-Kleinwagen VW ID. Polo vor Verkaufsstart ausverkauft

Sebastian Henßler  —  

Der neue ID. Polo ist bei Volkswagen bereits vor dem offiziellen Verkaufsstart ausverkauft, die Wartezeit liegt bei mindestens zehn Monaten.

TUM-Professor widerspricht kontroverser E-Auto-Studie

TUM-Professor widerspricht kontroverser E-Auto-Studie

Arun Niemann  —  

TUM-Präsident Hofmann sieht in einer E-Auto-Studie eine Fehlsteuerung der EU-Klimapolitik. Der renommierte Fahrzeugtechnik-Professor Lienkamp widerspricht.

5 Gründe, weshalb E-Auto-Fahrer niemals zurück wechseln würden

5 Gründe, weshalb E-Auto-Fahrer niemals zurück wechseln würden

Daniel Krenzer  —  

94 Prozent der E-Auto-Fahrer wollen beim E-Auto bleiben. Eine BDEW-Umfrage zeigt fünf Gründe, warum der Verbrenner kaum noch reizt.