TUM-Professor widerspricht kontroverser E-Auto-Studie

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Arun Niemann
Arun Niemann
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Ein von der TU-München veröffentlichtes Whitepaper, das sich mit der Ökobilanz von E-Autos beschäftigt, hat zuletzt für viel Furore an der Universität gesorgt und zu kontroversen politischen Diskussionen geführt. Der Hintergrund: E-Autos seien der Studie zufolge weniger klimafreundlich als ursprünglich angenommen, weshalb ein Umdenken in der EU-Klimapolitik stattfinden müsse.

Auslöser der ganzen Kontroverse war ein Artikel der Bild am Sonntag, welcher das Whitepaper bereits vor Veröffentlichung vorlag und die es unter dem Titel „Die Auto-Lüge der EU“ aufgriff. Doch nach der offiziellen Veröffentlichung stellte sich heraus, dass einige Journalisten und hochrangige Politiker wie etwa der bayerische Ministerpräsident Markus Söder zu früh falsche Schlüsse aus dem Bild-Artikel gezogen hatten.

Laut der Studie stoßen E-Autos über ihren gesamten Lebenszyklus, inklusive der dafür notwendigen Rohstoffförderung, Stahl- und Batterieproduktion und Co, circa 41 Prozent weniger CO₂ aus als vergleichbare Verbrenner. Das ist zwar immer noch erheblich, allerdings auch eine deutlich geringere Differenz als sonst häufig angenommen.

TUM-Präsident Thomas Hofmann zog daraus öffentlich den Schluss, dass es eine „substanzielle Fehlsteuerung der Klimastrategie der Europäischen Union“ gebe. Zudem forderte er eine Umstellung der entsprechenden EU-Regulierungen von Auspuffmessung auf Lebenszyklusanalyse. Söder forderte zudem „das echte Aus vom Verbrenner-Aus der EU.“ Das Ganze geschah vor dem Hintergrund des im Herbst anstehenden EU-Automobilpakets, das eine Aufweichung der CO₂-Vorgaben für Hersteller vorsehen könnte.

Lienkamp äußert methodische Kritik

Nun hat sich mit Prof. Markus Lienkamp der Leiter des Lehrstuhls für Fahrzeugtechnik an der TUM zu Wort gemeldet und deutliche Kritik geäußert. Zunächst bemängelte er laut dem Spiegel die Autorenauswahl des Whitepapers. Mit einem Materialforscher, einem Experten für Kreislaufwirtschaft und einem Professor für internationale Beziehungen seien die drei Verfasser zwar methodisch versiert, aber keinesfalls mit der Automobilbranche vertraut.

Gleichzeitig sei darauf verzichtet worden, Fahrzeugexperten der TUM wie beispielsweise Andreas Jossen, Malte Jaensch, Thomas Hamacher oder Lienkamp selbst einzubeziehen. Auch eine sonst zum Standard gehörende unabhängige Fachbegutachtung vor Veröffentlichung habe nicht stattgefunden. Laut Spiegel schrieb Lienkamp hierzu „Ich hätte als Reviewer das Paper zur Überarbeitung zurückgewiesen“. Weiterhin äußerte er, dass das Papier „alten Wein in nicht besonders attraktiven Schläuchen“ serviere.

Auf inhaltlicher Ebene bemängelt er zudem, dass die Studie zu stark grünen Stahl fokussiere, während der eigentlich entscheidende Faktor beim Unterschied zwischen E-Autos und Verbrennern bei den Batterien liege. Überdies würden sich die Autoren Lienkamp zufolge hauptsächlich auf ältere Studien zur CO₂-Bilanz von Strom und Batterien stützen, wobei der technologische Fortschritt der letzten Jahre sowie der deutlich höhere Anteil an Erneuerbaren Energien im Stromnetz kaum berücksichtigt wurde.

Als relevante Vergleichswerte nennt er deutlich aktuellere und vom TÜV-zertifizierte Herstellerangaben: So weist Mercedes-Benz für die elektrische C-Klasse etwa zwei Drittel geringere Emissionen aus als für die Verbrenner-Version, und BMW beziffert die CO₂-Ersparnis des iX3 je nach Stromquelle auf 56 bis 72 Prozent.

Doppelter Widerspruch in Hofmanns Regulierungsvorschlag

Auch den von Hofmann geäußerten Regulierungsvorschlag für die Politik betrachtet Lienkamp als verfehlt: Schließlich würden Lebenszyklusanalysen für jeden Neuwagen einen beträchtlichen Mehraufwand bei begrenztem Nutzen bedeuten, während die bisherige Auspuffmessung zwar nicht perfekt sei, aber immerhin einfach und klar funktioniere.

Lienkamps Fazit steht in direktem Widerspruch zu dem von Hofmann, denn er sieht das Elektroauto demnach als „die einzige langfristige Lösung zur Reduzierung der CO₂-Emissionen“. Trotz ihrer methodischen Schwächen würde die Studie selbst dies entgegen der Schlüsse von Hofmann und Söder auch belegen – während in der Zusammenfassung des Whitepapers merkwürdigerweise andere Schlüsse gezogen wurden.

Das deckt sich auch mit einer dritten, unabhängigen Einordnung des Verkehrsforschers Giulio Mattioli von der TU Dortmund: Er kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass die Studie im Kern keine Argumente gegen E-Autos liefere. Allerdings fehle es eben auch an neuen Erkenntnissen. Schließlich sei „wohlbekannt und unstreitig“, dass E-Autos Emissionen senken, ohne sie ganz vermeiden zu können.

Quellen: Spiegel – Streit über Elektroautostudie an Münchner Eliteuni / Cleanthinking – Fahrzeugtechnik-Professor Lienkamp widerspricht Uni-Präsident Hofmann

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Arun Niemann

Arun Niemann arbeitet nun seit 5 Jahren als Redakteur und Werbetexter und schreibt seit 2026 auch für Elektroauto-News.net. Dabei bringt ihn sein persönliches Interesse für makroökonomische Zusammenhänge und die bisherige redaktionelle Arbeit zu Finanz- und Wirtschaftsthemen, oft zu Beiträgen an der Schnittstelle zwischen Elektromobilität, Energiewende und Wirtschaft.

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