E-Auto-Markt Europa: Subventionen bestimmen den Takt

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Elektroauto-News

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Der europäische Markt für Elektroautos zeigt sich zu Jahresbeginn in Bewegung – allerdings weniger durch technologische Durchbrüche als durch die Wirkung nationaler Förderprogramme. Die aktuelle European Electric Car Study von Matthias Schmidt zeichnet ein differenziertes Bild über die einzelnen Fahrzeugklassen hinweg. Dabei wird deutlich: Wo Subventionen greifen, steigen die Zahlen. Wo sie fehlen oder auslaufen, stockt der Absatz.

Im Kleinstwagensegment dominiert der Leapmotor T03, der gut die Hälfte aller Zulassungen in der Klasse auf sich vereint. Rund die Hälfte davon entfällt auf Italien, wo das Modell ab 4900 Euro beworben wird – inklusive aller verfügbaren einkommensabhängigen Zuschüsse und Verschrottungsprämien. Der Grund für die Konzentration auf den italienischen Markt liegt in der Ausgestaltung der dortigen Förderung, die keine Herkunftsbedingung für die Produktion vorsieht.

In Frankreich hingegen profitieren die überwiegend in China gefertigten Kompaktmodelle nicht von staatlichen Zuschüssen. Neben dem T03 trägt der ebenfalls in China produzierte Dacia Spring den Großteil des Segments. Neuen Schwung könnte der in Europa gefertigte Renault Twingo bringen, der im Lauf des Jahres auf den Markt kommen soll. Mittelfristig dürfte auch der VW ID.1 ab 2027 mit LFP-Zellen das Segment stärken.

Im B-Segment, also bei den kleinen E-Autos, wirken die italienischen und französischen Kaufprämien aus der zweiten Jahreshälfte 2025 weiterhin nach. Die zeitverzögerte Auslieferung geförderter Fahrzeuge schlägt sich in soliden Zulassungszahlen nieder. Eine kurze Verschnaufpause ist dennoch absehbar, bevor die deutsche Förderung greift – rückwirkend zum 1. Januar. Hinzu kommt, dass Volkswagen in der zweiten Jahreshälfte neue MEB+-Modelle mit LFP-Zellen im B-Segment ausrollen will. Die Marktdurchdringung dürfte sich laut der Studie 2026 in einem Korridor zwischen zwölf und 15 Prozent bewegen, mit Potenzial nach oben zum Jahresende.

Mittelklasse unter Druck, Premiumsegment vor dem Umbruch

In der unteren Mittelklasse hat sich der Marktanteil von rund acht Prozent zu Beginn 2026 auf sieben Prozent abgeschwächt. Der VW ID.3 hält dank großzügiger Herstellerrabatte auf dem Heimatmarkt dagegen, während der MG4 unter der Kannibalisierung durch den MG5S leidet. Eine neue Einstiegsversion, der MG4 Urban ab 20.000 Euro, könnte im Jahresverlauf Abhilfe schaffen.

In der oberen Mittelklasse bleibt das quartalsbezogene Auslieferungsmuster des Tesla Model 3 prägend. Der VW ID.7 kommt auf gut 40 Prozent des Segmentvolumens. Allerdings steht mit dem Mercedes CLA, der neuen BMW i3 auf Neue-Klasse-Basis und dem Model 3 Standard eine Verschiebung bevor: weg vom klassischen Limousinen-Markt, hin zu stärker premiumgeprägten Modellen. Ein Muster, das bereits vor drei Jahrzehnten im Verbrenner-Markt sichtbar war und sich nun im E-Auto-Segment wiederholen dürfte.

Im Executivesegment setzen sich der Audi A6 e-tron und der Polestar 4 an die Spitze. Beide Modelle verfolgen unterschiedliche Strategien: Der A6 basiert auf der PPE-Plattform des VW-Konzerns und bietet als eines der wenigen Modelle im Segment eine 800-Volt-Architektur. Der Polestar 4 wird in Korea bei einem Gemeinschaftswerk von Geely und Renault gefertigt – ein Weg, um die EU-Antisubventionszölle zu umgehen. Zusätzlichen Rückenwind gibt eine Änderung im deutschen Steuerrecht, die Modelle unter 100.000 Euro beim geldwerten Vorteil begünstigt.

Bei den SUV und Crossovern pendelt der Marktanteil zwischen 55 und 60 Prozent, wobei saisonale Schwankungen bei den Model-Y-Auslieferungen den Wert im Januar leicht drückten. Kompakte Modelle wie der Škoda Elroq und der Kia EV3 gewinnen an Bedeutung – 82 Prozent aller Crossover entfallen bereits auf die Segmente A bis D. Mit dem BMW iX3 auf Neue-Klasse-Basis, dem Volvo EX60 sowie Mercedes GLC und GLB stehen weitere volumenstarke Zugänge im Jahresverlauf bevor. Eine neue Einstiegsversion des Tesla Model Y unter 40.000 Euro dürfte das Segment zusätzlich beleben.

Quelle: Matthias Schmidt – European Electric Car Study Nr. 01/26, Januar 2026

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Sebastian Henßler

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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