Aktuell wird unter Elektromobilitäts-Fans viel gescherzt und gelacht, wenn sich Verbrennerfahrer über die hohen Spritpreise aufregen. Schließlich ist der Strom fürs Elektroauto derzeit selbst an nicht allzu günstigen öffentlichen Ladestationen immer noch deutlich billiger als das, was Benziner- und Dieselfahrer an teurem fossilem Treibstoff in ihr Fahrzeug tanken müssen und viele in ihrer Verzweiflung dazu treibt, über ein Elektroauto nachzudenken. Doch der aktuelle Krieg im Iran ist nicht nur für die Spritpreise ein Problem, sondern bedroht auch Lieferketten in der Elektromobilität massiv, zeigt eine Analyse des Portals Rest of World.
Denn Elektroautos bestehen zu einem erheblichen Teil aus Aluminium – etwa 40 Prozent mehr als ein Verbrenner – und das meiste davon kommt aus den von den Auseinandersetzungen betroffenen Golfstaaten. Durch Angriffe auf die Energieinfrastruktur in der Region sind wichtige Aluminiumlieferungen nun blockiert, weil die Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormus nahezu zum Erliegen gekommen ist – genau das ist auch der Hauptgrund für die steigenden Spritpreise. Große Werke wie Bahrains Alba oder Qatars Qatalum haben Produktion gestoppt oder massiv reduziert, Toyota und Nissan mussten bereits Zehntausende Fahrzeuge verschieben. Auch BMW und Mercedes dürften dem Artikel zufolge recht stark betroffen sein.
Toyota-Chef befürchtet Beschaffungsprobleme
Besonders kritisch: Das Aluminium ist oft speziell produziert – unter Einsatz von Solarenergie, als CO₂-arm zertifiziert und Teil grüner Lieferketten – sodass es nicht einfach durch andere Qualitäten ersetzt werden kann. Carsten Menke von der Schweizer Bank Julius Baer kommentiert: „Diese Krise dürfte die Art und Weise, wie Automobil- und Elektrofahrzeughersteller die Golfregion als Beschaffungsregion einschätzen, nachhaltig verändern.“
Der Effekt auf die Industrie ist multipel: Körperrahmen, Batteriehüllen und Kühlungssysteme hängen alle vom gleichen Material ab. Lieferengpässe können somit gleich mehrere Fahrzeugteile gleichzeitig betreffen. Auch andere Rohstoffe wie Schwefel für Batterien sind betroffen, was die Produktionskosten von Elektroautos weiter treiben könnte. Die Branche steht vor der Herausforderung, ihre Lieferketten robuster zu gestalten, um künftig weniger abhängig von geopolitischen Spannungen im Golf zu sein. Toyota-Geschäftsführer Koji Sato warnt: „Sollte diese Situation andauern, wird es natürlich zu Beschaffungsproblemen kommen.“
Und nicht nur dieser Umstand bedroht auch die Elektromobilität, denn aufgrund des Krieges steigen auch die Gaspreise. Und durch den Fokus deutscher Energiepolitik auf Gas und das greifende Merit-Order-Prinzip wird auch Strom bei uns absehbar immer teurer werden, je länger der Krieg im und um den Iran anhält. Statt Schadenfreude gegenüber Verbrennerfahrern zu empfinden, sollten wir alle auf ein schnelles Ende des Konflikts hoffen – zuallererst wegen der betroffenen Menschen, aber auch zum Wohle unserer Gesamtwirtschaft.
Quelle: Rest of World – EVs were meant to bypass oil. Now they’re stuck at the Strait of Hormuz








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