Führerschein im E-Auto: Trend mit Bürokratie-Problem

Führerschein im E-Auto: Trend mit Bürokratie-Problem
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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
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Fast jeder fünfte Fahrschulwagen in Deutschland fährt mittlerweile elektrisch. Nach Daten des Branchenverbands Moving International Road Safety Association stieg der Anteil batterieelektrischer Autos in den Fuhrparks deutscher Fahrschulen im ersten Quartal des Jahres auf 18,6 Prozent – ein neuer Höchstwert. Anfang 2024 lag die Quote noch bei 17,9 Prozent, zwischenzeitlich sank sie 2025 auf 15,4 Prozent, bevor wieder ein Aufwärtstrend einsetzte. Rund ein Drittel aller Betriebe besitzt inzwischen mindestens ein E-Auto.

Was sich in den Zahlen abzeichnet, zeigt sich im Alltag von Fahrschulen wie der von Ralph Kleiner in Itzehoe im Kreis Steinburg. Bereits 2014 schaffte er sein erstes Elektroauto an. „Damals hatten die Wagen 130 Kilometer Reichweite und mussten acht Stunden laden“, erinnert sich der Fahrschulinhaber. Heute schaffen die Fahrzeuge problemlos einen ganzen Unterrichtstag. Kleiner hat massiv in Infrastruktur investiert: Wallboxen auf dem Betriebshof und finanzierte Ladestationen bei seinen angestellten Fahrlehrern zu Hause gehören zum Konzept.

Für die Schüler:innen ändert sich vor allem das Fahrgefühl. Alvar Schlüter, 16 Jahre alt, absolviert seine Fahrstunden auf einem Stromer. „Man kann sich sofort auf das ganze Fahren konzentrieren. Es zieht sofort los und man fährt nicht so langsam an wie mit der Kupplung“, beschreibt er den Unterschied. Fahrlehrer Rainer Jaksezentis bestätigt diesen Eindruck: Ohne Kupplung und Schleifpunkt könnten sich Fahrschüler:innen voll auf den Verkehr konzentrieren. Trotz höherer Anschaffungskosten für die E-Autos bleibe der Preis für die Ausbildung bei Kleiner gleich – unabhängig vom Antrieb.

Der Umstieg auf elektrische Fahrschulwagen bringt allerdings einen bürokratischen Spagat mit sich: Grund dafür ist die sogenannte B197-Regelung, die seit gut fünf Jahren in Kraft ist. Sie erlaubt es, die praktische Prüfung auf einem Automatikwagen abzulegen, ohne danach auf Automatik beschränkt zu sein. Voraussetzung: Mindestens zehn Fahrstunden auf einem Schaltwagen und ein Nachweis der Schaltkompetenz sind Pflicht.

Doppelter Fuhrpark treibt die Kosten

Für Betriebe wie die Fahrschule Kleiner bedeutet das konkret, zweierlei Fahrzeuge vorhalten zu müssen. „Wir brauchen ein Automatikfahrzeug für die Prüfung und die Sonderfahrten plus ein Schaltfahrzeug für die Grundausbildung“, erklärt der Inhaber. Bei rund 20 Fahrlehrern komme er so auf 30 bis 35 Autos. Andere Länder kennen diese Doppelstruktur nicht. In der Schweiz etwa darf nach einer Automatik-Prüfung ohne Zusatzstunden auch ein Schaltwagen gefahren werden. Der Verband der Fahrlehrer in Schleswig-Holstein teilte auf Anfrage des NDR mit, dass sich viele Fahrlehrer:innen eine vergleichbare Regelung auch hierzulande wünschen.

Hinzu kommt die politische Debatte um die Kosten der Führerscheinausbildung. Ein Führerschein der Klasse B kostet 2026 im Schnitt 3400 Euro. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder plant deshalb eine Reform, die unter anderem digitales Lernen statt Theorie-Präsenzpflicht vorsieht, den Fragenkatalog kürzen und die praktische Prüfzeit von 55 auf 25 Minuten halbieren soll. Kleiner sieht diesen Ansatz kritisch: „Wir haben im Augenblick eine politische Diskussion, die in die völlig falsche Richtung geht. Egal ob E-Mobilität oder Verbrenner: Es sollte viel mehr um Verkehrssicherheit gehen.“ Qualität habe ihren Preis, die Sicherheit der Fahranfänger:innen dürfe nicht gegen die Kosten aufgerechnet werden.

Schaltung als Auslaufmodell?

Während die Branche aufrüstet, bleibt die Nachfrage unter Fahrschüler:innen gemischt. Viele wollen die Schaltkompetenz behalten, um später den günstigen Gebrauchtwagen der Eltern oder ältere Modelle fahren zu können. Fahrlehrer Mirko Ploog von der Fahrschule Kleiner hält das für eine Übergangsphase: „Meiner Meinung nach ist der Hybrid auf Dauer gesehen tot, genau wie die Schaltung. Die Zukunft ist rein elektrisch.“ Bis dahin dürften Fahrschulen weiter zweigleisig unterwegs sein – mit dem Stecker in der Wand und der Hand am Schalthebel.

Quelle: NDR.de – Elektroautos in Fahrschulen: Warum der Verbrenner trotzdem bleibt

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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