Unternehmen wollen mehr E-Autos – kämpfen aber mit steigenden Kosten

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Michael Neißendorfer
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Die Elektrifizierung von Unternehmensflotten in Europa gewinnt weiter an Dynamik: Mehr als die Hälfte der Unternehmen plant, in den kommenden zwei Jahren mehr vollelektrische Fahrzeuge anzuschaffen. Gleichzeitig stehen Fuhrparkverantwortliche vor erheblichen Herausforderungen, wie insbesondere steigenden Kosten, wachsenden Nachhaltigkeitsanforderungen und einer noch nicht ausreichend entwickelten öffentlichen Ladeinfrastruktur. Das zeigt die aktuelle Elektromobilitätsstudie von DKV Mobility (verlinkt als PDF), für die mehr als 1700 Fuhrpark- und Flottenmanager in Deutschland, Italien, Frankreich, Niederlande, Spanien, Polen, Tschechien und Rumänien befragt wurden.

„Unser Report zeigt, dass die Elektrifizierung von Unternehmen in Europa deutlich an Dynamik gewinnt. Gleichzeitig wird klar, dass der Umbau der Flotten für viele Unternehmen eine komplexe strategische Aufgabe bleibt“, sagt Sven Mehringer, Managing Director bei DKV Mobility und verantwortlich für die Bereiche Energy & Vehicle Services.

Trotz zunehmender Elektrifizierung dominieren klassische Antriebe weiterhin die europäischen Unternehmensflotten. Diesel ist nach wie vor die häufigste Antriebsart, gefolgt von Benzin. Elektrifizierte Antriebe, wie Elektroautos oder Plug-in-Hybride, gewinnen jedoch zunehmend an Bedeutung. Besonders deutlich zeigt sich der Wandel in Ländern wie den Niederlanden, die im europäischen Vergleich bereits einen überdurchschnittlich hohen Anteil rein elektrischer Fahrzeuge in Unternehmensflotten aufweisen.

Deutschland bewegt sich im europäischen Mittelfeld, mit einem im Vergleich leicht höheren Anteil an vollelektrischen Fahrzeugen. Gleichzeitig zeigt sich hier ein anderes Bild bei der betrieblichen Ladeinfrastruktur: Unternehmen verfügen überdurchschnittlich häufig über eigene Wallboxen am Unternehmensstandort, während die öffentliche Schnellladeinfrastruktur von vielen Fuhrparkverantwortlichen weiterhin als ausbaufähig bewertet wird.

Darüber hinaus spielt in Deutschland der wirtschaftliche Aspekt der Elektrifizierung eine besonders große Rolle. Viele Unternehmen nennen steigende Energiepreise und hohe Anschaffungskosten für Elektroautos als zentrale Faktoren, die das Tempo der Transformation beeinflussen. Gleichzeitig planen deutsche Unternehmen überdurchschnittlich häufig Investitionen in eigene Ladeinfrastruktur, um den Betrieb elektrischer Flotten langfristig planbarer und günstiger zu machen.

Im europäischen Vergleich zeigen sich zudem deutliche Unterschiede bei der Geschwindigkeit der Elektrifizierung. Während Länder wie die Niederlande bereits einen hohen Anteil vollelektrischer Fahrzeuge in Unternehmensflotten aufweisen, setzen Unternehmen in mehreren mittel- und osteuropäischen Ländern weiterhin stärker auf klassische Antriebe und hybride Übergangslösungen.

DKV / Screenshot

Die Studie macht deutlich, dass die Transformation der Unternehmensmobilität von mehreren strukturellen Faktoren geprägt wird. Drei Themen stehen im Mittelpunkt der Herausforderungen für das Fuhrparkmanagement: steigender Kostendruck, wachsende Nachhaltigkeitsanforderungen sowie die Elektrifizierung der Flotten. Besonders größere Unternehmen und der Transportsektor sehen sich mit diesen Anforderungen konfrontiert.

Verbrenner verlieren an Gewicht

Gleichzeitig planen viele Unternehmen, ihre Flottenstruktur in den kommenden Jahren deutlich zu verändern. Rund 56 Prozent der befragten Unternehmen geben an, mehr vollelektrische Fahrzeuge anschaffen zu wollen, während nur ein kleiner Anteil mit einem Rückgang rechnet. Auch Plug-in-Hybride bleiben für viele Unternehmen ein wichtiger Bestandteil der Flottenstrategie. Klassische Verbrenner hingegen verlieren perspektivisch an Gewicht.

Als wichtigste Hindernisse für die weitere Elektrifizierung nennen Unternehmen vor allem hohe Anschaffungskosten, steigende Strompreise sowie die als begrenzt wahrgenommene Reichweiten von Elektroautos. Hinzu kommt aus Sicht vieler Befragter eine noch unzureichend ausgebaute öffentliche Ladeinfrastruktur. „Viele Unternehmen haben sich klar auf die Elektrifizierung ihrer Flotten festgelegt. Entscheidend wird nun sein, ob die Rahmenbedingungen wie die Kostenentwicklung, Energiepreise und Infrastruktur mit dieser Dynamik Schritt halten“, sagt Mehringer.

Gleichzeitig investieren viele Unternehmen in eigene Ladelösungen. Bereits heute verfügen rund neun von zehn Unternehmen mit Elektroautos über Ladeinfrastruktur auf dem eigenen Firmengelände. Eine deutliche Mehrheit plant zudem, diese Infrastruktur in den kommenden zwei Jahren weiter auszubauen.

Quelle: DKV – Pressemitteilung vom 25.03.2026

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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