Eine aktuelle Analyse des Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung zeigt, wie unterschiedlich kommunale Verkehrsmaßnahmen tatsächlich auf das Klima wirken und welche Rolle die Elektromobilität dabei tatsächlich spielt. Die Ergebnisse machen deutlich: Elektroautos sind ein wichtiger Baustein, entfalten ihre Wirkung aber vor allem im Zusammenspiel mit anderen Maßnahmen.
Die Untersuchung basiert auf einer sogenannten „Ex-post-Analyse“. Das bedeutet: Statt theoretischer Modellrechnungen wurde im Nachhinein ausgewertet, wie konkrete Maßnahmen in der Praxis gewirkt haben. Untersucht wurden unter anderem Beispiele aus Stuttgart, Freiburg und Tübingen. Wie das Fraunhofer ISI in zugehöriger Pressemitteilung betont, können Städte durch gezielte Maßnahmen wie günstigeres Parken für Elektroautos, höhere Gebühren für Anwohnerparken oder den Ausbau des ÖPNV aktiv zum Klimaschutz beitragen. Entscheidend ist jedoch, wie stark diese Maßnahmen tatsächlich Verhalten verändern.
Kostenloses Parken hilft nur begrenzt
Gerade bei der Elektromobilität zeigt sich ein differenziertes Bild: Vorteile wie kostenloses oder vergünstigtes Parken in der Innenstadt erhöhen nachweislich die Attraktivität von Elektroautos. Solche „Anreize“ – also gezielte Vorteile – können dazu beitragen, dass sich mehr Menschen für ein batterieelektrisches Fahrzeug entscheiden. In der Praxis lässt sich so der Anteil von E-Autos im Fahrzeugbestand messbar steigern. Allerdings bleibt den Ergebnissen zufolge der Effekt begrenzt. Der Umstieg auf ein Elektroauto hänge von vielen Faktoren ab – etwa Anschaffungskosten, Ladeinfrastruktur oder Reichweite. Lokale Vorteile wie kostenloses Parken wirkten daher meist nur unterstützend. Sie sind ein Baustein, aber kein alleiniger Treiber der Verkehrswende.
Hinzu kommt ein wichtiger Punkt: Die Klimawirkung von Elektroautos entfaltet sich vor allem dann, wenn sie tatsächlich Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ersetzen. Genau hier liegt eine zentrale Herausforderung. Wenn zusätzliche Fahrzeuge angeschafft werden – beispielsweise ein kleines E-Auto als Zweitwagen – oder sich das Mobilitätsverhalten insgesamt kaum ändert, bleibt der Effekt entsprechend kleiner.
Deutlich stärker greifen laut Analyse Maßnahmen rund um den Parkraum rund um das eigene Zuhause. Höhere Gebühren für Anwohnerparken führen dazu, dass weniger Menschen ein eigenes Auto besitzen oder nutzen. Dadurch sinkt nicht nur der Verkehr, sondern auch der CO₂-Ausstoß. Fachleute sprechen hier von „Verlagerungseffekten“ – also dem Wechsel auf klimafreundlichere Alternativen wie Bus, Bahn oder Fahrrad. Wenn nur für Verbrennerfahrzeuge Anwohnerparkgebühren fällig werden, könnte dies folglich in Wohngebieten ein starker Hebel für die Elektromobilität sein.
Wichtig ist es, Verbrennerfahrten zu ersetzen
Beim Ausbau des öffentlichen Verkehrs zeigt sich ebenfalls: Mehr Angebot allein reicht nicht automatisch aus. Neue Schnellbuslinien – etwa in Freiburg – verbessern zwar die Erreichbarkeit, doch für das Klima ist entscheidend, ob sie tatsächlich Autofahrten ersetzen. Bleibt dieser Effekt aus, sind auch die CO₂-Einsparungen entsprechend gering.
Für die Elektromobilität bedeutet das: Sie spielt eine zentrale Rolle beim Klimaschutz im Verkehr, entfaltet ihr Potenzial aber vor allem im Zusammenspiel mit anderen Maßnahmen. Erst wenn Rahmenbedingungen wie Parkkosten, Infrastruktur und alternative Verkehrsangebote zusammenspielen, entsteht eine spürbare Wirkung. Unterm Strich zeigt die Analyse: Es gibt keinen einzelnen „Gamechanger“. Weder Elektroautos noch einzelne politische Maßnahmen allein lösen die Herausforderung. Stattdessen braucht es ein Bündel an Maßnahmen – von der Förderung der Elektromobilität über klare Preissignale bis hin zu einem attraktiven öffentlichen Verkehr.
Quelle: Fraunhofer-Institut ISI – Ex-post-Untersuchung der Klimawirkungen von ausgewählten verkehrlichen Maßnahmen in Baden-Württemberg








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