Der europäische Elektroauto-Markt ist im ersten Quartal 2026 um 24,7 Prozent gewachsen – doch dieser Gesamtwert verdeckt, wie unterschiedlich die einzelnen Hersteller abschneiden. Automobil-Analyst Matthias Schmidt hat die Zulassungsdaten nach Marke ausgewertet. Das Ergebnis zeigt eine Branche im Umbruch: etablierte Konzerne unter Druck, neue Wettbewerber mit Tempo.
Die Volkswagen Group bleibt gemessen am Volumen die Nummer eins. Mit 163.775 Elektro-Neuzulassungen im Quartal hält der Konzern einen Marktanteil von 23,6 Prozent – allerdings deutlich weniger als die 27,1 Prozent des Vorjahreszeitraums. Das Wachstum von 8,7 Prozent liegt weit unterhalb des Marktdurchschnitts.
Innerhalb des Konzerns laufen die Entwicklungen auseinander: Škoda legte um 84,5 Prozent auf 44.989 Einheiten zu und ist damit der Wachstumstreiber schlechthin. VW selbst verlor hingegen acht Prozent auf 60.697 Einheiten – Schmidt zufolge wartet der Markt auf Produktaktualisierungen und neue MEB+-Modelle, die erst ab der zweiten Jahreshälfte erwartet werden. Auch Porsche schwächelt deutlich: minus 24,2 Prozent auf 6777 Einheiten. Cupra/Seat und Audi bewegen sich nahezu auf Vorjahresniveau.
Tesla lieferte im Quartal 75.573 Elektroautos aus – ein Plus von 47,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allein im März wurden 51.106 Einheiten registriert, was einem Monatsmarktanteil von 15,3 Prozent entspricht. Der starke März-Wert ist typisch für Teslas quartalsorientiertes Auslieferungsmuster, verzerrt aber den Quartalsdurchschnitt nach oben.
Stellantis mit Leapmotor als überraschender Treiber
Stellantis hat im ersten Quartal 100.029 Elektroautos zugelassen – ein Zuwachs von 54,9 Prozent. Hinter diesem Ergebnis steckt zu einem erheblichen Teil Leapmotor: Das chinesische Modell, das Stellantis in Europa vertreibt, kam im Quartal auf 21.654 Einheiten – nach nur 2767 im Vorjahreszeitraum, ein Anstieg von 682,6 Prozent. Im März war Leapmotor bereits die volumenstärkste Elektromarke innerhalb des Stellantis-Konzerns und nähert sich im Quartalsergebnis dem Niveau von Peugeot (25.667 Einheiten) an. Citroën legte um 37,8 Prozent zu, Opel/Vauxhall um 39 Prozent. Schwächer laufen Jeep und Alfa Romeo, die beide Rückgänge verzeichnen.
Der Renault-Konzern wuchs um 24,2 Prozent auf 51.964 Einheiten. Renault selbst zog mit plus 43,6 Prozent kräftig an, während Dacia im Quartal um 39,8 Prozent einbrach – ein deutlicher Kontrast innerhalb derselben Konzernfamilie. Hyundai und Kia kamen gemeinsam auf 52.827 Einheiten, ein Plus von 13,3 Prozent. Kia wuchs mit 14,3 Prozent stärker als Hyundai mit 11,4 Prozent.
Mercedes legte um 27,2 Prozent auf 29.820 Einheiten zu, Ford sogar um 88,8 Prozent auf 24.792 Einheiten. Toyota und Lexus zusammen wuchsen um 42,1 Prozent auf 15.067 Einheiten – Schmidt führt das auf den Anlauf des C-HR+ zurück.
Chinesische Hersteller gewinnen deutlich an Boden
BYD verdoppelte sein Ergebnis nahezu: 31.381 Zulassungen im Quartal entsprechen einem Plus von 91,5 Prozent, wenngleich von einer noch niedrigen Ausgangsbasis. Xpeng kam auf 7063 Einheiten – knapp eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr. Chery wuchs um 228,9 Prozent auf 3102 Einheiten, Mazda im Elektrosegment um 428,1 Prozent auf 3063 Einheiten. SAIC-MG legte moderat um 4,6 Prozent zu.
In der Herkunftsbetrachtung zeigt sich die Verschiebung besonders klar. Chinesische Hersteller – einschließlich der in Europa produzierten Modelle chinesischer Konzerne – kamen im Quartal auf einen kombinierten Anteil von 13,5 Prozent, gegenüber 8,9 Prozent im Vorjahreszeitraum. Das entspricht einem Zuwachs von 89,8 Prozent auf 93.792 Einheiten. Schmidt verweist darauf, dass dieser Anstieg auch den niedrigen Vergleichswert aus dem Schlussquartal 2024 widerspiegelt, als die EU-Zusatzzölle auf chinesische Elektroautos eingeführt wurden und die Zulassungen entsprechend gedämpft waren.
Europäische Hersteller hielten zwar mit 405.395 Einheiten weiterhin die absolute Mehrheit – ihr Marktanteil sank jedoch von 63,9 auf 58,4 Prozent. Amerikanische Hersteller, getragen von Tesla, kamen auf 15 Prozent. Japanische Marken legten mit plus 38,5 Prozent überdurchschnittlich zu, bleiben mit 3,8 Prozent Marktanteil aber ein Nischenanbieter im europäischen Elektrosegment.
Quelle: Matthias Schmidt, European Electric Car Study per Mail









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