Tesla: Bruttomarge auf Höchststand, Gewinn rückläufig

Tesla: Bruttomarge auf Höchststand, Gewinn rückläufig
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Sebastian Henßler
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Tesla hat die Geschäftszahlen für das erste Quartal 2026 veröffentlicht. Der Automobilhersteller steigerte seinen Gesamtumsatz im Jahresvergleich um 16 Prozent auf rund 19 Milliarden Euro, verzeichnete aber einen deutlichen Rückgang beim Nettogewinn. Unter dem Strich blieben nach GAAP-Rechnung etwa 405 Millionen Euro – ein Plus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, jedoch ein spürbarer Rückgang im Vergleich zu den drei vorangegangenen Quartalen.

Die Auslieferungen lagen bei rund 358.000 Autos, was einem Zuwachs von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Die Produktion beziffert Tesla auf etwa 408.000 Fahrzeuge. Auffällig: Der globale Lagerbestand stieg auf 27 Tage Reichweite – im dritten Quartal 2025 hatte dieser Wert noch bei zehn Tagen gelegen. Neben dem laufenden Rollout des Model YL außerhalb Chinas und günstigerer Varianten beider Modelle startete Tesla im Quartal auch die Auslieferung des Cybertruck in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Beim operativen Ergebnis verzeichnete Tesla rund 800 Millionen Euro, was einer operativen Marge von 4,2 Prozent entspricht. Im Vorjahresquartal lag dieser Wert noch bei 2,1 Prozent, im dritten Quartal 2025 allerdings bei 5,8 Prozent. Die Bruttomarge im Automobilgeschäft kletterte auf 21,1 Prozent – der höchste Wert seit mehreren Quartalen. Gleichzeitig stiegen die Betriebsausgaben um 37 Prozent auf rund 3,2 Milliarden Euro, getrieben vor allem durch Investitionen in KI-Projekte, Forschung und Entwicklung sowie aktienbasierte Vergütungen. Der operative Cashflow lag bei rund 3,35 Milliarden Euro, der freie Cashflow bei etwa 1,23 Milliarden Euro. Die liquiden Mittel inklusive kurzfristiger Anlagen beliefen sich zum Quartalsende auf rund 38 Milliarden Euro.

Ein Blick auf das Servicegeschäft zeigt eine bemerkenswerte Dynamik. Die Erlöse in diesem Segment wuchsen um 42 Prozent auf knapp 3,2 Milliarden Euro. Gleichzeitig ging der Umsatz im Bereich Energieerzeugung und -speicherung um zwölf Prozent zurück – auf rund 2,05 Milliarden Euro. Tesla installierte 8,8 Gigawattstunden an Speicherkapazität, 15 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Fortschritte gab es bei der neuen Megafactory nahe Houston, die den Megapack 3 produzieren soll – der Produktionsstart ist für die zweite Jahreshälfte geplant.

Tesla: Robotaxi, FSD und neue Fabriken im Fokus

Operativ trieb Tesla mehrere Großprojekte voran. Im April startete der Automobilhersteller fahrerlose Robotaxi-Fahrten in Dallas und Houston, nachdem Austin bereits als erster Standort für den unüberwachten Betrieb diente. Die bezahlten Robotaxi-Kilometer haben sich im Quartalsvergleich nahezu verdoppelt. Darüber hinaus erhielt Tesla im April die Zulassung für sein Fahrassistenzsystem FSD (Supervised) in den Niederlanden – ein möglicher Türöffner für weitere EU-Märkte. Die Zahl der aktiven FSD-Abonnements stieg auf 1,28 Millionen, ein Zuwachs von 51 Prozent im Jahresvergleich. Tesla stellt das System zudem auf ein reines Abo-Modell um und verzeichnete im ersten Quartal einen Rekord bei neuen Abschlüssen.

Auch technisch ging es voran: Die im April veröffentlichte FSD-Version v14.3 setzt auf verbessertes Reinforcement Learning für seltene Grenzfälle, einen geschärften Vision-Encoder für schwierige Sichtverhältnisse und einen überarbeiteten Compiler, der die Inferenzlatenz um bis zu 20 Prozent senken soll.

Parallel dazu bereitete Tesla den Produktionsstart mehrerer neuer Modelle und Anlagen vor. Das Cybercab befindet sich in der Pilotproduktion in Texas, ebenso der Tesla Semi in Nevada. Beide sollen 2026 in die Serienproduktion übergehen. In Fremont beginnt Tesla im zweiten Quartal mit dem Aufbau einer Optimus-Fabrik, die auf eine Jahreskapazität von einer Million Robotern ausgelegt ist und die bisherigen Model-S- und Model-X-Linien ersetzt. Eine zweite Linie in Texas wird für langfristig zehn Millionen Einheiten pro Jahr geplant.

Eigene Chips, Batterien und ein wachsendes Ladenetz

Auch bei der vertikalen Integration geht Tesla neue Wege. Die Produktion von LFP-Batteriezellen in Nevada, Kathodenmaterial und Lithiumraffination in Texas läuft an. Zusammen mit SpaceX plant der Automobilhersteller den Bau einer eigenen Chipfabrik auf dem Gelände der Gigafactory Texas. Im April wurde das finale Design des hauseigenen KI-Inferenzchips AI5 abgeschlossen. Beim KI-Training ist der neue Rechencluster Cortex 2 mit einer Kapazität von über 130.000 H100-äquivalenten GPUs in Betrieb gegangen. Parallel treibt Tesla die Entwicklung des eigenen Dojo-3-Chips voran, um die Trainingskosten langfristig zu senken.

Das Supercharger-Netzwerk wuchs im Jahresvergleich um 19 Prozent auf 8463 Stationen mit knapp 79.900 Ladepunkten. Allein im ersten Quartal kamen über 2200 neue Ladestellen hinzu. Begleitend zum Hochlauf des Tesla Semi installierte das Unternehmen seinen ersten öffentlichen Megacharger in Südkalifornien. In Japan plant Tesla für 2026 eine Verdopplung der Servicecenter und einen Ausbau der Supercharger-Abdeckung.
Quelle: Tesla – Tesla Q1 2026 Update

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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