Wer sein E-Auto künftig gezielt in Zeiten mit viel Wind- und Solarstrom lädt, kann davon finanziell profitieren. Der Hintergrund: Bereits 2025 stammten knapp 60 Prozent des in Deutschland erzeugten Stroms aus erneuerbaren Energien, deren schwankendes Angebot zunehmend flexible Verbraucher braucht. Genau hier setzt der neue Flexibilitäts-Check 2026 von Eon und der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) an: Der Studie zufolge ließen sich in Deutschland bereits im laufenden Jahr 18,3 Terawattstunden Strom zeitlich verschieben, wenn Elektroautos, Wärmepumpen, Heimspeicher und Haushaltsgeräte intelligent gesteuert würden, nach 15,6 Terawattstunden im Vorjahr, in dem bidirektional ladende E-Autos noch nicht mit eingerechnet wurden. Bis 2031 soll das Potenzial durch den weiteren Hochlauf elektrischer Energielösungen auf 34 Terawattstunden steigen.
An der Spitze des verschiebbaren Verbrauchs stehen aktuell die sogenannten Mikro-Flexibilitäten wie Waschmaschinen, Trockner und Spülmaschinen, die zusammen auf 96,1 Millionen Geräte und 8,3 Terawattstunden kommen. Heimspeicher folgen mit 4,9 Terawattstunden bei 2,2 Millionen installierten Anlagen, E-Autos tragen 3,6 Terawattstunden bei. In Deutschland sind aktuell mehr als zwei Millionen Elektroautos zugelassen, davon rund 280.000 bereits bidirektional ladefähig und damit in der Lage, gespeicherten Strom auch wieder ins Netz oder Haus zurückzuspeisen.
Bis 2031 verschiebt sich das Bild deutlich: Heimspeicher sollen dann mit 13,7 Terawattstunden das größte Potenzial stellen, gefolgt von E-Autos mit 9,3 Terawattstunden bei prognostizierten 5,6 Millionen Fahrzeugen, davon 1,5 Millionen bidirektional ladefähig. Wärmepumpen wachsen im gleichen Zeitraum von aktuell 1,5 auf 2,9 Terawattstunden, während die Zahl der Mikro-Flexibilitäten weitgehend stabil bleibt.
Bis zu 1,65 Milliarden Euro Ersparnis pro Jahr
Für die finanzielle Seite hat die Studie erstmals konkrete Zahlen ermittelt. Würden alle Haushalte mit E-Autos, Wärmepumpen und Heimspeichern ihre Verbräuche optimiert in günstige Zeitfenster legen, ließen sich jährlich bis zu 762 Millionen Euro einsparen, ohne dass dabei weniger Strom verbraucht würde. Bezieht man zusätzlich Waschmaschinen, Trockner und Geschirrspüler ein, wächst das bundesweite Sparpotenzial auf bis zu 1,65 Milliarden Euro.
Intelligente Tarife mit festem Flexibilitätsbonus oder dynamische, am Börsenstrompreis orientierte Modelle seien laut Filip Thon, CEO von Eon Energie Deutschland, der Schlüssel, um dieses Potenzial tatsächlich zu heben. Bei einer begleitenden Umfrage bevorzugten mehr als dreimal so viele Teilnehmende einen Tarif mit festem Arbeitspreis und Bonus gegenüber einem vollständig dynamischen Modell.
Neben dem finanziellen Nutzen wirkt sich verschobener Stromverbrauch auch auf die Klimabilanz aus. Da günstige Zeitfenster meist mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energien im Netz zusammenfallen, ließen sich durch flexibles Laden sowie den Betrieb von Wärmepumpen und Speichern rechnerisch mehr als eine Million Tonnen CO2 pro Jahr vermeiden, was dem Ausstoß von rund einer halben Million Verbrenner-Autos entspricht. Bis 2031 sinkt dieser Wert der Prognose zufolge auf knapp 920.000 Tonnen, weil der Strommix insgesamt grüner wird. Zusätzlich ließen sich durch die optimierte Nutzung von Ökostrom rechnerisch bis zu 380.000 Tonnen Erdgas zur Stromproduktion einsparen.
Wachsendes Wissen, aber dynamische Tarife bleiben Neuland
Eine begleitende Bevölkerungsumfrage des Marktforschungsinstituts YouGov zeigt, dass das Bewusstsein für flexible Stromtarife wächst: Knapp 46 Prozent der Befragten geben an, bereits über dynamische Tarife oder Modelle mit Flexibilitätsbonus informiert zu sein, rund zehn Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig erklären 68 Prozent aller Teilnehmenden, bereit zu sein, größere Stromverbräuche wie das Laden des eigenen E-Autos zeitlich zu verschieben, wenn sie dafür finanziell profitieren. FfE-Geschäftsführer Serafin von Roon ordnet die Entwicklung ein: Das Gesamtpotenzial habe sich im Vergleich zum Vorjahr um 2,8 Terawattstunden erhöht, „wobei in der Studie 2026 erstmals auch bidirektional ladende E-Autos berücksichtigt wurden“.
Im Bundesländer-Vergleich liegt Bayern mit 550 Kilowattstunden verschiebbarem Potenzial je Haushalt und einer Bereitschaft von 73 Prozent weiterhin vorn, gefolgt von Baden-Württemberg und Niedersachsen. Beide Rangfolgen bleiben der Prognose zufolge auch 2031 nahezu unverändert. Für die tatsächliche Nutzung des Potenzials fordert Eon klare regulatorische Rahmenbedingungen: Mit Blick auf die anstehende Regelung zur Marktintegration von Speichern und Ladepunkten (MiSpeL) wirbt das Unternehmen für praxistaugliche Lösungen für Millionen Haushalte statt technisch komplexer Speziallösungen für wenige Experten.
Damit bidirektionales Laden sein Potenzial ausschöpft, pocht Eon zudem auf offenen Datenzugang: Fahrzeugdaten müssten für Energiedienstleister und intelligente Steuerungssysteme im Haus frei zugänglich sein, so Thon. Zudem sollten zeitvariable Netzentgelte einen finanziellen Anreiz schaffen, während zwischengespeicherter Strom aus Sicht des Unternehmens von einer mehrfachen Belastung durch Netzentgelte, Steuern und Abgaben ausgenommen werden müsse.
Quelle: Eon Energie Deutschland / Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) – Flexibilitäts-Check 2026









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