Vertrauen wächst: Mehr Deutsche ziehen E-Auto in Betracht

Vertrauen wächst: Mehr Deutsche ziehen E-Auto in Betracht
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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
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27 Prozent der deutschen Halter:innen von Benzin- und Dieselautos gaben in einer aktuellen Umfrage an, ihr nächstes Auto höchstwahrscheinlich als Elektrofahrzeug zu kaufen oder zu leasen, der höchste Anteil unter allen europäischen Vergleichsmärkten. Diese Zahl steht im Zentrum des Here-SBD EV Index 2026, den Here Technologies und SBD Automotive vorgestellt haben (Link zur Studie). Für die Studie kombinierten die beiden Unternehmen Infrastrukturdaten aus 30 europäischen Märkten mit einer Befragung von mehr als 4000 Autofahrer:innen in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, dem Vereinigten Königreich, den USA, Indien und Australien.

Die Analyse verknüpft diese Kaufbereitschaft eng mit dem Ausbaustand der Ladeinfrastruktur. Neben Deutschland gilt nur das Vereinigte Königreich als Markt mit vergleichbar starker Wechselwirkung zwischen Nachfrage und Infrastruktur, die Wahrnehmungslücken-Analyse stuft Deutschland als „umstiegsbereiten“ Markt ein. Im Gesamtranking der 30 bewerteten europäischen Märkte belegt Deutschland gemeinsam mit Österreich Platz sechs.

An der Spitze liegen Norwegen und die Niederlande, die sich den ersten Rang teilen, gefolgt von Belgien, Dänemark und Luxemburg. Diese kleineren Länder profitieren von einer besonders hohen Ladestationsdichte, Ladeleistung und E-Auto-Durchdringung, während Deutschland als einer der stärksten großen Märkte für Elektromobilität in Europa gilt.

Konkret weist der Index für Deutschland mehr als 210.000 öffentliche Ladestationen aus, darunter über 55.000 Schnellladepunkte, die höchste Zahl unter allen untersuchten europäischen Märkten. Auch bei der insgesamt verfügbaren öffentlichen Ladeleistung liegt Deutschland vorn, sie übertrifft den Wert jedes anderen europäischen Landes im Index um 48 Prozent, gefolgt von Frankreich auf Platz zwei.

Dieses wachsende Netz spiegelt sich im Verhalten der Nutzer:innen wider. 64 Prozent der E-Autobesitzer:innen in Deutschland erklären, noch nie eine Fahrt aus Sorge um die Verfügbarkeit von Ladestationen vermieden zu haben, der höchste Wert unter den befragten europäischen Märkten. Zwischen Besitzer:innen und der breiten Bevölkerung zeigt sich dabei ein deutlicher Unterschied: Nur 39 Prozent aller Befragten bewerten die Verfügbarkeit öffentlicher Ladestationen vor Ort positiv, unter Elektroautobesitzer:innen steigt dieser Anteil auf 59 Prozent. Praktische Erfahrung mit dem Laden wirkt sich demnach erkennbar auf das Vertrauen in die Technologie aus.

Preis und Alltag entscheiden über den Umstieg

Mehr als die Hälfte der Befragten in Deutschland, 54 Prozent, gibt an, heute eher als noch vor einem Jahr den Kauf eines Elektroautos in Betracht zu ziehen. Unter denjenigen mit gestiegenem Interesse nennen 37 Prozent Verbesserungen bei Reichweite und Ladegeschwindigkeit als wichtigsten Grund, 34 Prozent steigende Kraftstoffkosten und ebenfalls 34 Prozent eine zuverlässigere und verfügbarere Ladeinfrastruktur.

Bei der eigentlichen Kaufentscheidung rücken dann vor allem Kostenfaktoren in den Vordergrund. In Deutschland überzeugen niedrigere Betriebskosten 41 Prozent, ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis 38 Prozent, Umweltvorteile 37 Prozent und steuerliche Anreize 36 Prozent. Technologische Fortschritte und ein dichteres Ladenetz wecken demnach zwar Interesse, über den tatsächlichen Kauf entscheiden am Ende jedoch meist Anschaffungs- und Unterhaltskosten.

Ganz ausgeräumt sind die Bedenken jedoch nicht. In allen untersuchten Märkten bleibt die Zahl verfügbarer Ladepunkte das am häufigsten genannte Hindernis für den Umstieg, 40 Prozent der Teilnehmenden nennen diesen Punkt, sieben Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Hierzulande führen die Reichweite mit 45 Prozent, die Ladestationsdichte mit 40 Prozent und der Fahrzeugpreis mit 39 Prozent die Liste der meistgenannten Bedenken an.

Verfügbarkeit soll zu Wachstum werden

Robert Fisher, Senior Consulting Manager bei SBD Automotive, sieht darin die kontinuierliche Entwicklung eines der wichtigsten europäischen Märkte für Elektrofahrzeuge. Deutschland profitiere von einem „ausgereiften Ladeökosystem und wachsendem Vertrauen der Verbraucher:innen“, was günstige Bedingungen für den Umstieg schaffe. Herausforderungen blieben zwar bei der Erschwinglichkeit und der Praxiseinschätzung bestehen, insgesamt sei die Entwicklung jedoch „eindeutig positiv“.

Denise Doyle, Chief Product Officer bei Here Technologies, ergänzt, der deutsche Markt werde „zunehmend von Vertrauen geprägt“, da Autofahrer:innen sich auf verfügbare und zuverlässige Ladestationen verlassen wollten. Mit zunehmender Verbreitung von Elektrofahrzeugen werde der Zugang zu Echtzeit-Ladeinformationen und Standortdaten immer wichtiger.

Der Studie zufolge hat Deutschland die Startphase der Elektromobilität damit bereits hinter sich gelassen. Ladeinfrastruktur und Verbrauchervertrauen sind gewachsen, die Kaufabsicht zählt zu den höchsten aller untersuchten Märkte. Die nächste Phase hängt den Autor:innen zufolge weniger vom grundsätzlichen Interesse ab als davon, ob adäquate Preise sowie einfache und verlässliche Ladevorgänge Verbraucher:innen tatsächlich zum Kauf bewegen.

Quelle: Here Technologies – Pressemitteilung

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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