Der Ökonom Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research hatte sich bereits seit ihrer Einführung gegen die E-Auto-Prämie ausgesprochen und sieht seine früheren Kritikpunkte nun durch die Marktentwicklungen bestätigt. Gegenüber der Bild fordert er, dass das Programm jetzt schnellstmöglich beendet werden müsse: „Die E-Auto-Prämie muss gestoppt werden“, denn: „Elektroautos laufen!“.
Dudenhöffer hatte bereits bei Einführung im Januar davor gewarnt, dass die Förderung den Markt verzerren und vor allem Importherstellern zugutekommen würde. Die aktuellen Zahlen stützen sein Argument, dass Elektroautos auch ohne Prämie funktionieren und vom Markt angenommen werden. Schließlich waren im Juli ganze 29,3 Prozent aller Neuwagen-Zulassungen rein elektrisch und zusammen mit Plug-in-Hybriden waren es sogar 40,7 Prozent, beziehungsweise 109.218 Fahrzeuge.
Ein weiterer Punkt, der laut Dudenhöffer gegen die E-Auto-Prämie spricht, ist, dass von dieser vor allem der chinesische Hersteller BYD profitieren könne, dessen Verkäufe „wie Pilze aus dem Boden“ schössen, während deutsche Hersteller bei den Preisen einfach nicht mithalten könnten. Sein konkreter Sparvorschlag besteht nun darin, Anträge nur noch bis Ende September zuzulassen. Damit würden sich nach Berechnungen des CAR 2 Milliarden Euro des 3-Milliarden-Budgets einsparen lassen, die dann woanders investiert werden könnten.
Die für die E-Auto-Prämie bereitgestellten 3 Milliarden Euro reichen laut ADAC aus, um in den kommenden drei bis vier Jahren bis zu 800.000 Fahrzeuge zu fördern. Dabei wurden bis Ende Juni jedoch erst 53,9 Millionen Euro bewilligt und ein großer Teil der Anträge befindet sich noch in der Bearbeitung. Spitzenreiter bei den geförderten Fahrzeugen ist derweil Tesla mit 2086 Bewilligungen für die E-Auto-Prämie im ersten Halbjahr. Es folgen Škoda mit 1197 und Renault mit 784 geförderten E-Autos.
Geteiltes Echo auf Dudenhöffers Vorstoß
Das für etwaige Anpassungen oder gar einen Stopp des Programms verantwortliche Bundesumweltministerium reagierte bislang zurückhaltend. Laut Politico hieß es, ein Anpassungsbedarf müsse zunächst anhand der bereits laufenden Erfolgskontrolle bewertet werden. Verkehrspolitiker Jorrit Bosch von der Linken widerspricht Dudenhöffer hingegen klar. Er bezeichnet eine Abschaffung der E-Auto-Prämie zum jetzigen Zeitpunkt als „vollkommen widersinnig“, da der aktuelle E-Auto-Erfolg eben durch die Prämie und die hohen Spritpreise angetrieben werde.
Die Umweltorganisation Transport & Environment hält eine komplette Abschaffung ebenfalls für überzogen, sieht aber auch Nachbesserungsbedarf und schlägt daher eine Art Mittelweg vor: Es brauche demnach tatsächlich wirksame Regeln, um die lokale Produktion zu stärken, was etwa über den von der EU-Kommission vorgelegten Industrial Accelerator Act erreicht werden könnte. Außerdem könnte beispielsweise eine Reform der Dienstwagenbesteuerung genutzt werden, um die Kosten für die E-Auto-Prämie auszugleichen.
Dudenhöffers Aussagen und die dadurch angestoßene Debatte zeigen klar auf, dass es bei der Kritik an der E-Auto-Prämie längst nicht mehr nur darum geht, wer davon am meisten profitiert, sondern dass im Angesicht des E-Auto-Booms nun auch ihre grundsätzliche Notwendigkeit infrage gestellt wird.
Quellen: Merkur – Dudenhöffer fordert Stopp der E-Auto-Prämie / Bild – Auto-Papst fordert: Stoppt die E-Auto-Prämie! / taz – Kaufprämie für E-Autos: Nicht abschaffen, sondern abwandeln








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