Teslas Autopilot fährt in Tempo-30-Zonen systematisch zu schnell

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Tobias Stahl
Tobias Stahl
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Teslas Fahrassistenzsystem „Full Self-Driving“ (FSD) hat bei Tests in Belgien regelmäßig Tempolimits überschritten und versucht, Fahrradfahrer auf Strecken zu überholen, auf denen ein Überholverbot herrscht. Zu diesem Ergebnis kommt die belgische Verkehrssicherheitsorganisation Johanna.be im Rahmen praktischer Tests.

Wie Reuters berichtet, hat Johanna.be, ein Interessensverband für die Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern, Teslas FSD-System im Juli dieses Jahres an drei Tagen auf insgesamt rund 400 Kilometern Strecke auf belgischen Straßen getestet. In den Tempo-30-Zonen rund um Brüssel fiel das Ergebnis negativ aus: Das Fahrzeug mit aktiviertem FSD fuhr im Schnitt 44 Stundenkilometer – also knapp 50 Prozent schneller als erlaubt. Auch in Tempo-20-Zonen habe sich das System nicht an die Geschwindigkeitsvorgaben gehalten.

FSD erkennt Tempo-30-Schilder offenbar korrekt – und fährt trotzdem zu schnell

Kurios: Gemäß den Informationen auf dem Fahrzeugdisplay erkannte FSD die am Straßenrand aufgestellten Tempo-30-Schilder zwar korrekt – das System zeigte dem Fahrer aber dennoch häufig eine erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h an. „Es ist so, als würde ein Beifahrer dem Fahrer in fast jeder 30er-Zone, durch die er fährt, ständig versichern, dass die Höchstgeschwindigkeit 50 km/h beträgt“, zitiert Reuters aus dem Bericht.

Johanna.be konnte nach eigenen Angaben außerdem dokumentieren, dass das Tesla-Fahrzeug bei aktiviertem FSD auf Fahrradstraßen versucht hat, Radfahrer zu überholen – ein Manöver, das auf dieser Art von Straße ausdrücklich verboten ist.

Der Verband hob allerdings auch die Stärken des Systems hervor: FSD habe sich im Umgang mit Fußgängern und Radfahrern „vorsichtig und zuvorkommend“ verhalten und habe häufig proaktiv Vorrang gewährt. Diese Stärken gleichen die dokumentierten Regelverstöße hinsichtlich der Geschwindigkeitsbeschränkungen und Überholverbote allerdings nicht aus, mahnt Johanna.be.

EU-Länder sind uneins über die Verlässlichkeit des Systems

Die Veröffentlichung des Testberichts dürfte für Tesla zu einem ungelegenen Zeitpunkt kommen. Am 6. Oktober soll eine EU-weite Abstimmung über die Zulassung von FSD auf öffentlichen Straßen stattfinden. Die niederländische Zulassungsbehörde RDW hatte Teslas FSD im April dieses Jahres als erste europäische Verkehrsbehörde für den Einsatz im regulären Straßenverkehr zugelassen – trotz der Kritik einiger Verkehrsorganisationen und Vorbehalten mancher Länder, darunter Schweden. Belgien war der niederländischen Freigabe allerdings gefolgt und gab FSD kurze Zeit später ebenfalls für seine Straßen frei.

Schweden hatte im Zuge der niederländischen Freigabe Bedenken wegen möglicher Geschwindigkeitsverstöße geäußert, während die finnische Verkehrsbehörde auf Probleme beim Bewältigen steiler, kurviger Straßen verwies. Frankreich hatte im Juli erklärt, FSD in seiner jetzigen Form nicht zulassen zu wollen. Auch der Europäische Verkehrssicherheitsrat (ETSC) äußerte grundsätzliche Zweifel darüber, ob FSD die unterschiedlichen Straßenverkehrsordnungen der EU-Staaten zuverlässig einhalten kann – der Testbericht von Johanna.be stützt diese Zweifel. Die niederländische Zulassungsbehörde wollte indes nicht erklären, auf Grundlage welcher Informationen sie zu dem Ergebnis gekommen war, dass FSD für den Einsatz auf öffentlichen Straßen geeignet ist.

Xavier Lesenne, Sprecher des flämischen Verkehrsministeriums, das für die FSD-Genehmigung in Belgien verantwortlich zeichnete, verwies darauf, dass es sich bei FSD um ein „lernendes System“ handele, das „laufend neue Informationen verarbeitet“ und sich mit der Zeit anpasse. Der Fahrer bleibe stets „zu 100 Prozent in der Verantwortung“ und müsse jederzeit in der Lage sein, einzugreifen, wenn das System einen Fehler macht.

Johanna.be hat seinen Bericht nach eigenen Angaben an das flämische Verkehrsministerium und die niederländische RDW übermittelt und beide dazu aufgefordert, ihre Genehmigungen für das System zu überprüfen. Tesla reagierte nicht auf eine Bitte um Stellungnahme seitens Reuters.

Quelle: Reuters – Tesla’s supervised self-driving system often misreads speed limits, Belgian safety group finds

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Tobias Stahl kann sich für alle Formen der Fortbewegung begeistern, aber nachhaltige Mobilität begeistert ihn besonders. Da ist es kein Wunder, dass er schon seit 2019 über E-Autos, erneuerbare Energien und die Verkehrswende berichtet.

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