Einmal wöchentlich rollt ein mit Diesel gefüllter Tankzug auf den Betriebshof des Busunternehmers Martin Geldhauser in Hofolding im Landkreis München. Die Rechnung, die Geldhauser dafür bekommt, ist seit dem Beginn des Irankriegs rund 10.000 Euro höher als zuvor. „Vier Millionen Euro mehr im Jahr für Diesel“, rechnet Geldhauser den Mehraufwand für seine Busflotte im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung (SZ) vor. Ohne die vertraglich vereinbarte Preisgleitklausel, die Busunternehmen im ÖPNV gegen Schwankungen bei den Kraftstoffpreisen absichert, „müssten wir zusperren“, so der Unternehmer.
Dabei ist Geldhauser alles andere als ein kleiner ÖPNV-Betrieb: Zusammen mit dem Mitbewerber Ettenhuber aus Glonn bildet Geldhauser das Rückgrat des Linienbusverkehrs im Landkreis München. Die beiden Unternehmen betreiben zusammen rund 210 Linienbusse an vier Standorten. Angesichts steigender Kraftstoff- und CO2-Preise ist für beide Unternehmen inzwischen absehbar, wohin die Reise geht: Weniger Diesel, dafür mehr batterieelektrische und wasserstoffbetriebene Busse. Dafür wollen die Busunternehmen jeweils zweistellige Millionenbeträge investieren.
Brennstoffzellen-Busse rechnen sich – aber wie lange noch?
Die beiden Unternehmen setzen bereits seit 2023 je fünf Brennstoffzellenbusse des polnischen Herstellers Solaris im Linienbetrieb ein. Die Busse der Bauart Urbino 12 Hydrogen werden mit grünem Wasserstoff betankt, der im Landkreis Landshut via Elektrolyse aus Solarstrom erzeugt und per Tankzug angeliefert wird. Die H2-Busse rechnen sich – zumindest solange der Wasserstoff im Rahmen des bayrischen Modellprojekts HyBayern subventioniert wird. „Aber was in zehn Jahren sein wird, weiß keiner“, so Josef Ettenhuber gegenüber der SZ.
Das Unternehmen verfolgt nach eigenen Angaben das Ziel, die gesamte Flotte von rund 150 Bussen bis 2028 auf elektrische Antriebe umzustellen. Dabei bilden batterieelektrische Busse für Ettenhuber und Geldhauser die verlässlichere Kalkulationsgrundlage. Zudem mehren sich etwa in der Rhein-Neckar-Region kritische Stimmen, laut denen Wasserstoff-Busse womöglich zu problemanfällig für den öffentlichen Nahverkehr sein könnten.
Ettenhuber hat kürzlich sechs neue Ladepunkte an seinem Betriebshof in Feldkirchen in Betrieb genommen. Für das kommende Jahr plant das Unternehmen den Vollausbau auf 50 E-Busse. Das sei an jedem der drei Standorte des Unternehmens vorgesehen. Geldhauser nutzt indes seit Juli vergangenen Jahres 20 E-Busse auf drei unterschiedlichen Regionallinien des Verkehrsverbunds MVV. Hersteller ist der chinesische E-Auto-Riese BYD, dessen ÖPNV-Tauglichkeit auch der Mitbewerber positiv hervorhebt: Die Akkus der Busse böten die gleiche Reichweite wie ein Wasserstoffbus, so Josef Ettenhuber.
„Eine ganz andere Welt“: Der Umstieg auf E-Busse erfordert Geld und eine klare Strategie
Der Umstieg ist für die Familienunternehmen allerdings mehr als die simple Neuanschaffung von Fahrzeugen – mit den Elektroantrieben gehen auch andere Anforderungen einher. „Dieselbusse kaufen wir blind“, erklärt Geldhauser. „Elektrobusse sind eine ganz andere Welt.“ Die Elektrifzierung der Fahrzeugflotte sei ein „riesiges Rad, das man drehen muss“, so Geldhauser weiter. Man müsse eine komplette Ladeinfrastruktur aufbauen, Abstellplätze für die Busse müsse man aus Brandschutzgründen anders konzipieren. Auch brauche Geldhauser mehr Fahrzeuge und mehr Stellplätze wegen der kürzeren Reichweiten.
Geldhauser investiert nach eigenen Angaben 27 Millionen Euro in das aktuelle Projekt am Hauptstandort in Hofolding, Wasserstoff bildet dabei das zweite Standbein neben den batterieelektrischen Bussen. Das Unternehmen will auf den Dächern des Betriebshofs Solaranlagen mit einer Erzeugungskapazität von 3,5 Megawatt installieren und die Busparkplätze mit Solarpaneelen überdachen. In der Nachbarschaft ist der Bau weiterer PV-Freiflächen-Anlagen geplant. Auch ein Batteriespeicher zum nächtlichen Laden ist Teil des Konzepts, ebenso die Errichtung eines Elektrolyseurs für die Wasserstoffherstellung vor Ort.
Ettenhuber will 16 Millionen Euro investieren. Am Hauptbetriebshof des Unternehmens sollen spezielle, hängende und transparente Solarmodule sowie feste PV-Module Grünstrom erzeugen, den übrigen Solarstrom sollen Partner aus der Umgebung liefern. „Wenn man 16 Millionen Euro investiert, dann muss man wissen, wo es hingeht“, so Ralf Ettenhuber.
Für kleinere Busunternehmen wird es schwieriger, Schritt zu halten
Für Ettenhuber und Geldhauser sind die umfangreichen Investitionen eine strategische Entscheidung. Für viele kleinere Mitbewerber wären Investitionen in dieser Größenordnung aber wohl ein Ding der Unmöglichkeit. Kleine Unternehmen stießen hier schnell an Grenzen, manche gäben auf, erzählt Martin Geldhauser. Die Konzentration in der Branche schreite voran, so der Unternehmer gegenüber der SZ.
Unsicherheit über die politischen Rahmenbedingungen und deren Langfristigkeit erschweren den Umstieg weiter. Josef Ettenhuber erinnert sich noch an den Schock, als vor Jahren die Subvention für Biodiesel überraschend gestrichen wurde. Als Unternehmer müsse man sich aber auf irgendwas verlassen können, warnt Ettenhuber. Der Landkreis München versucht jedoch bereits, verlässliche Rahmenbedingungen zu etablieren. So beschloss der Kreistag im März dieses Jahres, Elektrobusse bei Linienausschreibungen mit einem Umweltbonus gegenüber Dieselfahrzeugen besser zu stellen – hinsichtlich der Anschaffungskosten haben die Dieselfahrzeuge derzeit noch Vorteile. Landkreis und Unternehmer erhalten zudem Zuschüsse des Bundes. Wo die Reise hingehen könnte, zeigt etwa die Stadt Erding, die als Vorreiter in der Region gilt: Dort verkehrt heute schon kein Dieselbus mehr im Linienbetrieb.
Quellen: Süddeutsche Zeitung – Energiewende im Nahverkehr: Busse kommen an den Stecker / Landkreis München – Pressemitteilung vom 24.06.2025







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